Interview mit der Autorin und Bloggerin Larissa Schwarz: Dinslakenerin durch und durch

Interview mit der Autorin und Bloggerin Larissa Schwarz: Dinslakenerin durch und durch

Also, eine langweilige Vita sieht definitiv anders aus: Larissa Schwarz war schon Water Science- sowie Politik- und Verwaltungswissenschaften- und Soziologie-Studentin. Danach verdiente sie als Bankerin ihre Brötchen.

Einen Lebenslauf-Eintrag als Unterbrandmeisterin bei der Freiwilligen Feuerwehr gibt es auch. Heute ist die Dinslakenerin hauptberuflich Autorin und Bloggerin. Steffen Penzel saß mit der 34-Jährigen bei Mineralwasser und alkoholfreiem Hugo zum Gespräch über ihre Arbeit und ihre Heimatstadt in der "Kostbar":

Zum Einstieg, liebe Larissa, erzähl doch unseren Lesern bitte mal, wer du bist, wo du groß geworden bist und wo die enge Bindung zu Dinslaken herrührt:
Ich bin gebürtige Dinslakenerin und im Grenzgebiet von Walsum und Dinslaken aufgewachsen. Ich bin dann auch in Walsum zur Schule gegangen, meine Freizeit haben meine Freunde und ich aber schon damals immer in Dinslaken verbracht. Das Kino, Hertie und die Neustraße haben uns angezogen - und so bin ich eigentlich seit frühester Kindheit mit Dinslaken verbunden gewesen. Nach der Schule bin ich in Duisburg mehrmals umgezogen, ehe ich dann 2009 ganz bewusst und aus vollster Überzeugung nach Dinslaken gezogen bin.

Du bist ja auch einer der Dinslakener, die im Imagefilm der Stadt für ihre Stadt werben. Was macht für dich das Leben in Dinslaken lebenswert?
Ich kann hier einfach alles haben, was ich brauche: Ich habe das Ruhrgebiet ganz in der Nähe, wo ich Action haben und die Metropole erleben kann. Aber ich habe auch den Niederrhein direkt vor der Haustür, wo ich mich entspannen und ausruhen kann. Hier kann ich faulenzen und mich sportlich austoben. Das ist für mich eine wirklich gelungene Mischung und deshalb wohne ich hier auch so gerne.

Wenn du dich sportlich austoben und raus aus der Wohnung willst, was machst du da am liebsten?
Bis vor ein paar Monaten bin ich Halbmarathon gelaufen. Da hat mich aber eine Knieverletzung dazu gezwungen, kürzer zu treten, was mir zugegebenermaßen sehr schwer fällt. Längere Läufe sind aktuell leider nicht drin, deswegen gehe ich viel wandern, viel Fahrradfahren.

Gibt es eine spezielle Larissa-Schwarz-Lieblingsstrecke zum Spazieren, Wandern, Ausspannen?
Ja, in der Tat. Am liebsten gehe ich einfach zur Haustüre raus, dann links und am Rotbachsee vorbei in den Hiesfelder Wald hoch bis zum Heidhof und wieder zurück. Das sind 21,5 Kilometer und das war auch immer meine Lauf-Trainingsstrecke. Hinten am Schwarzbach ist es immer sehr angenehm, egal zu welcher Jahreszeit.

Du engagierst dich viel vor Ort, mischst dich mit deinem Blog und deinem Social Media-Auftritt in viele Alltags- und auch politische Diskussionen ein. Woher kommt das große Interesse an dieser Stadt?
Ich wohne hier und ich lebe hier. Mich ärgern manchmal Kleinigkeiten. Und wenn Dinge nicht zu Ende gedacht oder zu Ende besprochen worden sind, dann ärgere ich mich und mische mich halt gerne ein.

Was hat dich in den vergangenen zwölf Monaten besonders geärgert?
In Dinslaken war das tatsächlich diese unfaire Geschichte mit dem Bahnhofsvorplatz. Ich selber habe kein großes Interesse am Bahnhof, weil ich den höchst selten nutze. Aber da hatte ich das Gefühl, dass Worte im Mund verdreht und Dinge nicht zu Ende gedacht wurden, dass unfair diskutiert wurde. Ich hatte schon das Gefühl, dass da Populismus auf kommunaler Ebene betrieben wurde. Es wurden platte Behauptungen aufgestellt - und das alles ohne die Unterfütterung mit Zahlen und Beweisen. Dazu kam, dass der Start der Diskussion ja in kleinem Kreis in einer Facebook-Gruppe begonnen hat, und dann seltsamerweise plötzlich so große Kreise gezogen hat. Dieser aufgeblasene Ballon, diese Verschwendung von Energie - genau das hat mich halt geärgert.

Das war jetzt ein Thema, was dir quasi aufgezwängt wurde. Wie wählst du ansonsten deine Blog-Themen aus?
Manchmal sind es Zeitungsartikel, die mich zu Blog-Themen leiten. Es kann aber auch eine Fragestellung eines Followers auf Facebook sein, die ich nicht mit einem Kommentar abhandeln will. In der Regel sind es aber Dinge, die mir im beruflichen Alltag als Autorin begegnen. Es ist ja dann auch oftmals von essayistischem Charakter und wirft manchmal mehr Fragen auf als es Antworten bietet. Ich tue meine Meinung halt gerne kund. Und ich brauche dafür ziemlich viele Worte - deswegen der Blog.

Du bist sehr aktiv bei Facebook. Wie nutzt du dieses Medium und welchen Stellenwert hat es für dich in der täglichen Diskussionskultur?
Ich nutze es, um meine Sachen zu senden. Ich teile mein Geschriebenes und diskutiere mit denen, die möchten, darüber. Ich bleibe so in Kontakt mit meinen Followern. Manchmal nutze ich es aber auch einfach, um ein Lebenszeichen von mir zu geben. Und, ganz wichtig, meine Posts am Morgen und Abend sollen einfach ein wenig für Erheiterung sorgen. Es ist ja eigentlich erstmal ein Outputkanal. Aber es kommt so viel Gutes zurück, dass ich auch gerne an den Diskussionen teilnehme. Manchmal brauen sich in den sozialen Medien, wie jetzt beim Thema Bahnhofsvorplatz, Dinge zusammen, wo man gar nicht absehen kann, wie sie sich entwickeln. Manchmal entstehen schöne, anregende Diskussionen, manchmal endet es im Shitstorm.

Wenn es für dich im Shitstorm endet, wie begegnest du dem?
Ich reflektiere, was ich ausgesendet habe und warum es zu negativen Reaktionen kam. Dann gucke ich, von wem das kam. Und dann nehme ich etwas davon mit, mache aber natürlich trotzdem weiter.

Du gibst auch relativ viel Privates aus dem Alltag deines Mannes und dir bei Facebook preis. Ist das deine Antwort auf die Privatsphären-Paranoia vieler Menschen?
Nicht direkt. Und es ist sicher nicht als Politikum gemeint. Ich habe etwa vor einem Jahr ein erstes Bild von mir gepostet, und habe halt schnell gemerkt, wie positiv die Reaktionen der Leute sind, wenn sie etwas Privates von dir wissen. Alles, was ich problemlos posten kann, das darf man auch gerne wissen. Ich würde beispielsweise niemals Bilder aus meinem Badezimmer posten. Ich finde es aber auch tatsächlich gut, zu zeigen, dass man nicht so viel Angst vor der Preisgabe von Privatem haben braucht.

Themenwechsel, die vier Liebesgeschichten-Bände der Eschberg-Reihe, der Katzen-Liebes-Roman "Tiffany" und die Komödie "#Lenning" stammen aus deiner Feder. Wie ist die Entwicklung zur Autorin vonstatten gegangen?
Geschrieben habe ich immer schon. Schülerzeitung, erste Essays, erste Ausflüge in die Lyrik folgten. Dann habe ich mit den Liebesromanen angefangen, weil der Markt nicht mehr das hergegeben hat, was ich gerne lesen wollte, was mich bewegt hätte. Ich hatte immer schon Geschichten im Kopf, habe immer schon was aufgeschrieben. Meine Lehrer und Dozenten haben mir immer unter die Klausuren und Hausarbeiten geschrieben, dass sie meinen Schreibstil mögen. Das war der Aufhänger, die Geschichten, die ich erzählen möchte, wenigstens für mich mal zusammenzufassen. Dass ich die dann tatsächlich veröffentlicht habe, lag nur daran, dass Selfpublishing in Deutschland gewachsen war und angenommen wurde. Ende 2015 habe ich dann die ersten Proben an Verlage geschickt. Ich habe damals drei Feedbacks bekommen, das als gutes Zeichen gewertet und dann im Juni 2016 das erste Buch in die Veröffentlichung gegeben.

Wie lange hast du noch "normal" gearbeitet und wann stand die Entscheidung, hauptberufliche Autorin zu werden?
Ich war bis Ende Juni dieses Jahres noch offiziell Bankerin, hab aber schon vorher entschieden, dass ich nur als Autorin tätig sein kann, muss, werde. Die Kündigung einzuwerfen war ein sehr befreiendes Gefühl. Ich habe in den zwei Jahren des Schreibens jetzt schon mehr für mich gelernt und so viel mehr wichtige Kontakte geknüpft als in zwölf Jahren bei der Bank. So sehr hätte mich kein Chef der Welt befördern können...

Wie sehr passen Wunschvorstellung und Autoren-Realität zusammen?
Ich schwimme noch so auf einer Welle. Ich als Bänkerin habe natürlich einen Notfallplan bzw. weiß sehr genau, wie es laufen muss. So wie es ist, läuft es aber sehr gut. Gerade der Austausch mit anderen Freiberuflern, so wie jetzt bei der KSL-Woche, macht Mut und gibt Lockerheit.

Wie sieht der typische Arbeitstag von Larissa Schwarz aus?
Ich stehe jeden Morgen Punkt sechs Uhr auf. Dann Frühstück und ganz viel Kaffee. Dann ein Bildschirm mit Facebook, google plus & Co. auf, so dass ich alles im Blick habe. Auf dem anderen Bildschirm wird ganz konzentriert mehrere Stunden geschrieben. Wenn mein Mann nach Hause kommt, machen wir was zusammen - und dann setze ich mich noch mal für ein paar Stunden zum Schreiben hin. Manchmal packt es mich aber auch nachts, weil ich die Stille nachts als so schön und inspirierend empfinde.

Was, wenn's nicht aufgeht, gibt es einen Plan B?
Es gibt eine Idee B. Aber ich lebe das jetzt gerade in vollen Zügen. Die Idee B läuft nur ganz subtil mit...

Wo bist du in fünf Jahren?
Es ist Freitag, die Kostbar brummt und ich schreibe an meinem 13. Roman. Dazu bereite ich mich auf die Buchmesse in Frankfurt vor.

Wann kommt das nächste Buch?
Es ist für diesen Herbst/Winter geplant. Es kann aber auch sein, dass sich noch ein Buch dazwischen mogelt...

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