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Solidaritätskundgebung für Bürgermeister Christoph Landscheidt: „Wir sind mehr!“

Solidaritätskundgebung für Bürgermeister Christoph Landscheidt : „Wir sind mehr!“

Hunderte Menschen kamen am Samstagmittag zusammen, um sich solidarisch mit Kamp-Lintforts Bürgermeister Christoph Landscheidt zu zeigen und ein Zeichen gegen Rechts zu setzen.

Seit er im Europawahlkampf Plakate der Partei „Die Rechte“ abhängen ließ, sieht sich Christoph Landscheidt massiven Bedrohungen aus der rechten Szene ausgesetzt. In der jüngsten Vergangenheit habe es Situationen im privaten und beruflichen Umfeld gegeben, in denen polizeiliche Hilfe nicht rechtzeitig erreichbar gewesen wäre, berichtete der Bürgermeister und erklärte: „Für diese konkret benannten außergewöhnlichen Notwehrsituationen habe ich den Waffenschein beantragt, um Angriffen gegen mich und meine Familie nicht schutzlos ausgeliefert zu sein.“

Während 30 Neonazis - die meisten aus der Szene-Hochburg Dortmund angereist - auf der Freiherr-vom-Stein-Straße „Waffenbesitzverbot statt Waffenschein. Bewaffnung von Bürgermeister Landscheidt stoppen“ forderten, kamen 100 Meter weiter auf dem Prinzenplatz nach Polizeiangabe rund 700 Menschen zusammen, die sich solidarisch mit dem Bürgermeister zeigten.

„Wie groß muss die Gefahrenlage sein, dass ein rational denkender, sehr besonnener Mensch wie Christoph Landscheidt einen Waffenschein beantragt? Wie viel Angst müssen wir haben, unsere Meinung zu äußern und demokratisch zu handeln“, eröffnete René Schneider den Rednerreigen auf der Bühne. Neben SPD-Politikern kamen auch Vertreter von CDU, den Grünen, der Linken, der Kirche und dem DGB zu Wort. Nur der Bürgermeister selbst war auf Anraten der Polizei der Veranstaltung ferngeblieben.

Klar wurde, dass es „keinen Platz für Gewalt und rechte Hetze“ geben dürfe und Ka-Li eine „bunte, herzliche Stadt“ bleiben müsse, in der niemand eine Waffe benötigen sollte. Nadja Lüders (SPD-Generalsekräterin) kam extra aus Dortmund angereist, um Kamp-Lintfort Mut zu zu sprechen und skandierte: „Wir sind mehr!“

Dass dieses Gefühl in Hoerstgen noch nicht angekommen ist, machte Sylvia Joos klar. Der Kamp-Lintforter Ortsteil leide seit geraumer Zeit unter Nazi-Terror, Einschüchterungsversuche bis hin zu Morddrohungen habe es gegeben: „Wir sind hilflos und gefährdet. Ich hoffe auch auf Solidarität für Hoerstgen. Wenn die Nazis sich bei uns versammeln, kommen Sie und zeigen Sie, dass wir wirklich mehr sind!“