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Engel gibt es überall e.V.: Kinder dürfen nicht die Verlierer sein

Engel gibt es überall e.V. : Kinder dürfen nicht die Verlierer sein

Auch dank einer 3.000 Euro Spende des Deutschen Verbandes Frau und Kultur e.V. konnte der gemeinnützige Verein „Engel gibt es überall“ zahlreichen sozial benachteiligten Familien einen Homeschooling-Arbeitsplatz zur Verfügung stellen. Die Vorsitzende Ingrid Stermann referierte nun auf der Bundestagung des Verbandes - und verkündete, kürzertreten zu wollen.

„Kinder sollen nicht die Verlierer der Gesellschaft sein, sondern umfangreiche Hilfen und Förderungen für ihr späteres Leben erhalten.“ Dieses Denken ist es, was Ingrid Stermann und ihren Ehemann Lutz seit 40 Jahren antreibt, sich sozial zu engagieren. Allein mit dem 2008 gegründeten Verein „Engel gibt es überall“ sind in den letzten 12 Jahren 270.000 Euro für die Förderung von Kindern und Jugendlichen zusammengekommen. Förder- und Nachhilfeunterricht, Therapie, Spielmaterial, Zahnspangen, Jugendgruppenarbeit, Musikinstrumente, Vermittlung von Lehrstellen - die Art der Unterstützung hat dabei viele Facetten. Wichtig ist, dass sie nachhaltig ist.

Eine wertvolle Arbeit, auf die auch der Deutsche Verband Frau und Kultur aufmerksam wurde, und daher seine Verbandsspende von 3.000 Euro im Frühjahr nach Kamp-Lintfort überwies. „Dank ihrer Spende, vorhandener Gelder und Einnahmen aus 1.500 genähten und verkauften Masken haben wir es geschafft mehr als 100 Kindern einen Homeschooling-Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen“, so Ingrid Stermann.

Homeschooling ist zu Beginn der Corona-Pandemie das große Thema bei den Engeln. Die Vorsitzende berichtet von Familien ohne PCs, ohne Tablets, ohne Drucker und ohne Internetanschluss, deren Kinder nicht in der Lage gewesen wären, am Lehrstoff der Schulen teilzuhaben: Der Startschuss zu einer Zweiklassengesellschaft sei deutlich sicht- und spürbar gewesen, erklärt Stermann. Das Organisieren der Ausstattung, aber auch das Sicherstellen, dass das Equipment nicht zweckentfremdet werde, habe den Verein viele Stunden Arbeit, Nerven, Telefonate und Besprechungen mit Städtischen, Landes- und Bundesbehörden gekostet. Und das alles neben dem Alltagsgeschäft.

Wer will es Ingrid Stermann also verdenken, wenn sie „mit 68 und nach 40 Jahren aktiver Sozialarbeit“ übers Kürzertreten nachdenkt. Die Engel sind ein Fulltime-Job mit vielen Überstunden. Und die Engel sind zu 95 % Ingrid Stermann. Gerne würde die 68-Jährige „ihr Baby“ jemanden anvertrauen, der die gesamte Arbeit mit eben so viel Herzblut weiterführen würde. Aber „die Schuhe, die du hinterlässt, passen keinem Menschen“, hätte sie häufig zu hören bekommen. Daher wird die Vereinsarbeit wohl dosiert verteilt. Die sehr zeitintensive Osteraktion wird beispielsweise von einer anderen sozialen Organisation übernommen, der Stermann noch ein bis zwei Jahre als Patin zur Seite stehen wird. Die Kunstausstellung in Krefeld werde sie selbst „so lange es noch geht alle zwei Jahre organisieren und durchführen“. Auch um das Alltagsgeschäft der Engel werde sie sich noch eine Zeit lang kümmern: „Solange noch Gelder zur Hilfe und Förderung auf den Spendenkonten vorhanden sind, werde ich weiter arbeiten und helfen. Aber wenn das Geld alle ist, schließt sich der Kreis der Engel.“