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: Hausaufgaben solangedas Datenvolumen reicht

: Hausaufgaben solangedas Datenvolumen reicht

Die Corona-Krise hat’s schonungslos offen gelegt: Kinder aus sozial schwachen Familien bleiben beim Thema Bildung auf der Strecke. Ingrid Stermann hilft, wo der Staat versagt: Sie stattet bedürftige Familien mit dem nötigen technischen Homeschooling-Equipment aus. Dafür näht sie Masken.

Die erste Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins „Engel gibt es überall“ engagiert sich seit Jahren in der nachhaltigen Förderung von Kindern und Jugendlichen. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Schülerinnen und Schüler ins Homeschooling geschickt wurden, macht sie einfach nur sauer: „Die meisten meiner Kinder haben keinen PC, keinen Drucker und keinen Internetanschluss. Sie machen ihre Hausaufgaben auf dem Handy – solange das Datenvolumen reicht.“ Und das reicht meist nicht. „Die Weichen für die Zukunft werden in der Schule gestellt“, so Stermann weiter, „diese Kinder schicken wir also direkt aufs Abstellgleis, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft ist vorprogrammiert.“

150 Euro sollten Familien erhalten, denen das technische Equipment fehlt. Wie man daran kommt, weiß niemand so recht. Außerdem: „Was würde man davon bekommen? Mit einer Einmal-Zahlung ist es doch nicht getan“, stellt Ingrid Stermann klar – und setzt sich an die Nähmaschine. Tag und Nacht näht die 67-jährige Kamp-Lintforterin Schutzmasken und konnte durch deren Verkauf schon viele Familien fürs Homeschooling ausrüsten. „Es ging schon über die Kräfte hinaus und manchmal frage ich mich: ’Was tust du hier eigentlich’. Aber wenn ich die Dankbarkeit der Kinder und Eltern sehe, ist es das wert.“

Unterstützung erhält Ingrid Stermann von ihrem großen „Engel gibt es überall“-Netzwerk. Als die Nachfrage nach den Masken besonders hoch ist, nähen sechs Frauen gleichzeitig. Auch eine Mutter aus einer von ihr betreuten Familie meldet sich und näht sich die Finger wund. „Ein großes Dankeschön geht an alle Helferinnen und Helfer – fürs Nähen, aber auch für Materialspenden“, so Stermann. Nicht zu vergessen seien die beiden Verkaufsstellen, Blumenland 2000 in Kamp-Lintfort und der Lotto-Toto-Laden am Steinacker in Rheinhausen, die „das Ding einfach für uns mitleben!“

Firmen, die in ihren Beständen noch alte PCs, Laptops etc. haben, können sich gerne per E-Mail an ingrid.stermann@
engelgibtesueberall.de wenden. Und natürlich die Familien, die Hilfe brauchen.