GFW Duisburg Altstadt

GfW-Altstadt-Quartiersmanager im Portrait : Von Mietverträgen und Blumenampeln

Francesco Mannarino ist seit 2015 gemeinsam mit seiner Kollegin Yvonne Bleidorn als Quartiersmanager-Duo für die Duisburger Altstadt zuständig. Vier Jahre, in denen die beiden einiges auf die Beine gestellt und vieles zum Positiven verändert haben. Aber Aufgaben gibt es noch reichlich.

. Manchmal nimmt das Leben unvorhergesehene Wege. So war es auch bei Francesco Mannarino. Der ist heute als Quartiersmanager Altstadt bei der GFW angestellt. Sein Lebenslauf hat darauf nicht zwingendermaßen hingewiesen ...

Mannarino ist vor 47 Jahren als Kind italienischer Eltern in Saarlouis im Saarland zur Welt gekommen. „Italien“, sagt er heute, „ist ein wunderschönes Land und für mich und meine Familie ein Stück Heimat.“ Mehr aber auch nicht. „Ich bin deutscher als so mancher Deutscher. Und ich kann mir nicht vorstellen, irgendwo anders zu wohnen als hier.“ „Hier“, das ist der Pott, das ist Duisburg. Der Deutsch-Italiener hat auch Recklinghausen, Dortmund und Essen näher kennengelernt, in Duisburg ist er geblieben. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und dem Fachabitur arbeitet Mannarino bei Mannesmann in der Buchhaltung. Fünf Jahre geht das so, dann muss Veränderung her. Er macht sich mit einem Geschenkartikelladen im Einzelhandel in Essen selbstständig. Es kommt ein Tabakgeschäft auf der Duisburger Kasinostraße dazu. Und es folgen weitere u.a in Saarbrücken, Heidelberg, Bielefeld und Bochum. Doch die viele Arbeit frisst ihn auf. „Ich hatte überhaupt keine Zeit mehr für mich.“ Peu à peu trennt er sich von seinen Geschäften. Nur das an der Kasinostraße, das behält er. Denn Duisburg ist und bleibt seine Stadt, die Altstadt sein Quartier.

Womit wir beim Punkt wären. Als die Wirtschaftsförderung den Job des Altstadt-Quartiermanagers ausschreibt, „hab ich mich einfach mal auf Verdacht beworben.“ Macht ja auch Sinn. Denn der Familienvater ist sehr gut vernetzt im Quartier, kennt die Bewohner, kennt die Geschäftsleute, weiß um die Befindlichkeiten und wo der Schuh drückt. Er bekommt den Job. Beziehungsweise: Er bekommt den halben Job. Eine Vollzeit-Tätigkeit lässt sich nicht mit seiner Selbstständigkeit vereinbaren. Die andere Hälfte übernimmt seine Kollegin Yvonne Bleidorn, mit der er sich die Aufgaben und das Quartiersbüro an der Beekstraße 6 teilt.

2015 nehmen die beiden ihre Arbeit auf. Das Ziel: Die Altstadt revitalisieren, Leerstände beheben, das Erscheinungsbild verbessern, das Quartier aufwerten, als Ansprechpartner der Wirtschaftsförderung vor Ort sein, flankierendes Stadtmarketing betreiben. Francesco Mannarino erinnert sich gut. „Das war eine wilde Zeit. Die Erwartungen waren groß. Und unsere Motivation auch. Wir wollten alles sofort machen.“ Sofort hat’s nicht geklappt. Aber mit Bedacht, Konzepten und Langatmigkeit hat sich die Altstadt zu einem lebendigen, wuseligen und attraktiven Stückchen Duisburg gemausert.

Zu Beginn hat der 47-Jährige an der Kommunikation geschraubt. Die Altstadtbewohner und -Geschäftsleute mussten erst lernen, dass da zwei Leute sind, die immer ansprechbar sind, die Ideen haben, die sie auch umsetzen wollen und können. Und die die Bewohner ermutigen, eigene Wünsche und Ideen voranzutreiben und mit Hilfe der Quartiersmanager umzusetzen. Das Vertrauen wächst. Francesco Mannarino und Yvonne Bleidorn fangen an, die Altstadt zu beleben. Bleidorn kümmert sich um das Veranstaltungsmanagement, Mannarino um die Immobilien. Sein erster Schritt: Leerstände ermitteln, erfassen, katalogisieren. Dann fängt er an, Exposés zu den Objekten zu erstellen, Datenbanken anzulegen, Eigentümer von leerstehenden Gebäuden zu recherchieren und ausfindig zu machen.

Die Vorbereitungen dauern ihre Zeit, aber sie lohnen sich. Denn nach den Vorbereitungen kommen die Anfragen. Und sie kommen zuhauf. 350 waren es in den vergangenen vier Jahren. Der Leerstand im Erdgeschossbereich hat sich in der Altstadt mehr als halbiert. Auf der Universitätsstraße sind alle Ladenlokale vermietet, auf der Münzstraße ist nur noch eines zu haben.

Die Fluktuation sieht er dabei auf einem natürlichen Level. Mit zehn Brautmodenläden hat sich mittlerweile ein richtiges Cluster gebildet, das nun auch Friseure und Anbieter von Hochzeitsreisen anzieht. Und noch etwas hat sich geändert: Viele Schrottimmobilien sind weg, Gebäude wurden kernsaniert und es sind eine ganze Menge schöner Wohnungen entstanden. „Die Wohnqualität hat sich schon deutlich verbessert. Aber wir wollen uns natürlich noch weiter als attraktiver Wohnstandort etablieren. „

Neben belebten Ladenlokalen macht aber auch das Erscheinungsbild die Attraktivität eines Quartiers aus. Über einen Verfügungsfonds des Landes sind etliche Projekte von den Altstadt-Bewohnern angeschoben worden. Blumenampeln, Sitzbänke, das Beet- und Pflanzprojekt, ein Schulhof-Schachfeld, bemalte Poller und leere Erdgeschossfensterfronten, die nun beleuchtet und mit Kunst bestückt worden sind, haben die Altstadt attraktiver gemacht. Dazu kommt eine ganze Stange an Veranstaltungen, mit denen die Frequenz im Quartier nach Jahren des Stillstandes wieder erhöht worden ist.

Bei allen Fortschritten: „Zu tun gibt es noch reichlich“, weiß Mannarino. Für zwei weitere Jahre ist die Arbeit der Quartiersmanager nun verlängert worden. Und diese Zeit wird gut genutzt. „Wir werden die Leerstände kontinuierlich reduzieren, werden weiter schöne Veranstaltungen planen und durchführen und wir probieren weiterhin, Leute, die in die Altstadt passen, mitzunehmen. Unser Anspruch ist es, die Altstadt schöner und besser zu machen.“

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