Selbsthilfegruppe „Verstoßene Großeltern“ bietet Hilfen an: Wenn Oma und Opa nicht willkommen sind

Selbsthilfegruppe „Verstoßene Großeltern“ bietet Hilfen an : Wenn Oma und Opa nicht willkommen sind

Wieder einmal ist Weihnachten vorüber, doch Beate Hermanns und ihr Mann Herbert (Namen redaktionell geändert) können den Schmerz auch fünf Jahre nach dem Kontaktabbruch mit ihrer Tochter nicht verwinden.

Und Weihnachten sind so Tage, wo es besonders schlimm wird.

Dabei hatte man immer einen guten Kontakt zur Tochter, deren Mann und den beiden Enkeln Paul und Jennifer gehabt. Weihnachten, Ostern, Geburtstage und ein paar Treffen im sommerlichen Garten hatten regelmäßig auf der Tagesordnung gestanden. Fast schlagartig hatte es dann einen Abbruch des Kontakts gegeben. Tochter und Mann waren Mitglied einer Glaubensgemeinschaft geworden und hatten begeistert versucht auch Beate und Herbert in ihren neuen Glauben einzubeziehen. Als diese eines Nachmittags entnervt gesagt hatten, dass man damit "wirklich nichts am Hut habe" und man in Zukunft keinen weiteren Missionierungsversuch wolle, hatten die Kinder den Kontakt abgebrochen. Zunächst waren die Großeltern sogar erfreut über diese Tatsache, doch schon bald gab es gar keinen Kontakt mehr und auch der gemeinsame Urlaub von Enkelkindern und Großeltern, der schon lange mit den Eltern gemeinsam abgesprochen, geplant und gebucht war, fand nicht statt. Briefe blieben unbeantwortet, Telefonate wurden direkt aufgelegt und als sich Beate und Herbert ein Herz gefasst hatten und direkt bei den Kindern an schellten, blieb die Tür zu, obwohl es Bewegungen hinter der Scheibe gab. "Wir möchten doch mal wieder unsere Enkel sehen", erzählt Beate Hermanns, die den Kontaktabbruch mit ihrer Tochter und deren Mann inzwischen schweren Herzens akzeptiert hat. Das Aufwachsen der Enkel möchte man aber, zumindest ein bisschen, miterleben.

Der Fall der Hermanns ist aber nicht so ungewöhnlich, wie es auf den ersten Blick scheint. Viele Großeltern haben damit zu kämpfen, dass sie ihre Enkel nicht sehen können. Der Hauptgrund dabei ist, dass die Schwiegerkinder den Enkel-Kontakt mit den Eltern des ehemaligen Partners unterbinden wollen. Doch nicht immer gibt es einen wirklichen Grund: Häufig können sich Großeltern gar nicht erklären, was vorgefallen sein könnte. Dann ist die Verzweiflung oft besonders groß, denn immer wieder stellen sie sich auch selbst infrage: "Habe ich etwas falsch gemacht? Habe ich etwas Falsches gesagt? Habe ich vielleicht jemanden beleidigt?" "Die Ungewissheit nagt dann an einem", betont Katharina Dargus, Initiatorin der Selbsthilfegruppe "Verstoßene Großeltern". Das Selbstwertgefühl sinkt, Frustration wächst, Trauer aber auch Wut entstehen. Dagegen will die Selbsthilfegruppe ankämpfen, die sich alle vier Wochen trifft. Auch viele Duisburger kommen regelmäßig zu den Treffen in Krefeld, denn in Duisburg gibt es noch keinen eigenen Treff. Ziel ist es den Betroffenen neues Selbstwertgefühl zu vermitteln und auch Wege aufzuzeigen, wie ein eventueller Kontakt auch rechtlich möglich gemacht werden kann, denn das Recht der Großeltern auf Umgang mit den Enkeln ist sogar im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert: "Großeltern und Geschwister haben ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn dieser dem Wohl des Kindes dient!" Wer mehr wissen möchte, kann die Internetseite shg-verstossene-grosseltern.de besuchen oder die Initiatorin der Selbsthilfegruppe Katharina Dargus unter 0172 268 3069 kontaktieren.

(vowie)
Mehr von Stadt-Panorama