Duisburger Jahrbuch: Was 2019 die Runde macht

Duisburger Jahrbuch : Was 2019 die Runde macht

Spaghetti-Knoten, Volkshochschule, die Fusion Duisburg-Hamborn und die Duisburg Ducks — sie alle runden im nächsten Jahr. Das Duisburger Jahrbuch 2019 widmet diesen Institutionen ausführliche Berichte, blickt aber auch darauf, was Duisburg sonst noch so bewegt, aus- und bemerkenswert macht.

"Zum Feiern bleibt keine Zeit", sagt Ralf Winkels. Olaf Reifegerste hat ihn fürs Jahrbuch interviewt, denn auch der Landschaftspark Nord feiert Jubiläum: 25 Jahre wird er 2019. Aber am 17. Juni, seinem Geburtstag, steht auf der Agenda: "Abbau 'Traumzeit' und Aufbau 'Ruhr Games'", wie Parkleiter Winkels verrät. Schon das erzählt etwas von der Erfolgsgeschichte des Industriedenkmals, das mit Festivals, Kunstaktionen, Extraschichten und Weltrekordversuchen quasi das ganze Jahr über ausgebucht ist. Dass der Erhalt des 1985 dichtgemachten Hüttenwerks Meiderich trotzdem keine Selbstverständlichkeit war, auch davon erzählen Reifegerste und Winkels.

Thomas Richter hat fürs Jahrbuch Heinrich Bodmann besucht. Der heute 89-Jährige war 1967 für anderthalb Jahre Oberbauleiter auf der Riesenbaustelle Kreuz Kaiserberg. Er kann sich noch gut an den enormen personellen, materiellen und organisatorischen Aufwand erinnern, der für den Bau des Spaghetti-Knotens nötig war — und daran, dass auch vor 50 Jahren schon Kabelklau modern war.

Eigentlich undenkbar ist ein Duisburger Jahrbuch ohne irgendwas zu Gerhard Mercator, Duisburgs großem Zuwanderer. Tatsächlich wird Mercators Weltkarte "ad usum navigantium" im kommenden Jahr 450 Jahre alt. Die winkeltreue "Mercator-Projektion" der Karte kommt bis heute in sämtlichen Navigationsinstrumenten vom Pkw bis zum Flugzeug zum Einsatz. Sie verschaffte Mercator Weltruhm bis heute. Wie es sich dagegen mit Nachruhm und -wirken von Mercators Nachkommen verhält, der Frage geht anlässlich des Jubiläums der 1991 in Marxloh geborene Historiker Jonas Krüning nach: Im aktuellen Band stellt er drei Söhne vor, im Jahrbuch 2020 sind dann drei Enkel dran.

Duisburg heute ist ja ein Flickenteppich aus Eingemeindungen und Stadtfusionen mit mehr oder weniger festen Nähten. Vom auch nicht mit ungeteilter Euphorie vollzogenen Zusammenschluss vor 90 Jahren, der der Stadt den bis 1935 offiziellen Doppelnamen Duisburg-Hamborn einbrachte (Vorschläge wie "Duisborn" oder "Ruhrmünde" gab es auch), erzählt UDE-Historiker Thorsten Fischer.

Auf jeden Fall eine Erfolgsgeschichte begann vor 30 Jahren auf dem Sportplatz der Grundschule Böhmerstraße: Friedhelm Thelen registriert in seinem Beitrag u.a. acht deutsche Meistertitel (Rekord!), sechs Pokal- und drei Europapokalsiege für die Inline-Skaterhockeyspieler der Duisburg Ducks. Komplettiert wird die Rubrik Sport im Duisburger Jahrbuch 2019 mit dem 100-jährigen Jubiläum des Stadtsportbundes, worin Thelen auch die dunklen Kapitel nicht ausspart: "Schon früh wurden auch die jüdischen Mitglieder aus den Duisburger Vereinen herausgedrängt."

"Wir schaffen das" ist für Kai Thoss der Satz, mit dem Angela Merkel in die Geschichte eingeht — auch in die Duisburger. Der WDR-Reporter ist Gründungsmitglied der Flüchtlingshilfe Neudorf und berichtet von drei Jahren erfolgreichem Engagement. Nur Oberbürgermeister Sören Link mag mit seinen sehr relativierenden Einlassungen zum Thema nicht so recht mitspielen. Ein rundes Jubiläum feiern die Ruhrorter Hafenkids, und der heutige Mediengestalter Oliver Salz erinnert sich an die wichtigste Erfahrung, die er als Jugendlicher dort gemacht hat, als nämlich Leiter Ingo Gabbert zu ihm sagte: "Ich verlass mich auf dich."

Porträts sind dem in Duisburg geborenen Schriftsteller Nicolas Born, der sich seiner Geburtsstadt nur wenig verbunden fühlte, und dem nicht in Duisburg geborenen, aber sehr eng insbesondere mit Ruhrort verbundenen Musiker Heinz Martin gewidmet. Das Jahrbuch unternimmt Streifzüge durch die Natur und sorgt fürs Stadtgespräch, etwa wenn Helmut Loeven die bis heute unbefriedigende Situation der freien Szene rekapituliert und mit dem Hochfelder Projektladen Syntopia eine fünfjährige Gegen- und Erfolgsgeschichte aufbietet. Erstmal nur für ein weiteres Jahr ist der Fortbestand des größten alternativen Archivs Deutschlands gesichert, das sich in Duisburg befindet und dem die Landesregierung die Fördermittel streichen will. Harald Küsts Beitrag macht klar, warum das auf keinen Fall geschehen, das "afas" unbedingt erhalten werden muss: Das gibt's nur hier!

100 Jahre Volkshochschule, vor 100 Jahren die ersten freien und gleichen Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung, die MSV-Arena im Maßstab 1:100 und Hunderte weiterer bemerkenswerter Daten, Namen und Fakten versammelt das Duisburger Jahrbuch — ein Geschenk!

Das Duisburger Jahrbuch 2019, erschienen im Mercator Verlag, hat 204 Seiten, kostet 16,90 Euro und ist im gut sortierten Buchhandel erhältlich.

(Niederrhein Verlag GmbH)
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