Absage des Feuerwerks beim 25. Ruhrorter Hafenfest: War das der städtische Genickschuss?

Absage des Feuerwerks beim 25. Ruhrorter Hafenfest : War das der städtische Genickschuss?

Der veranstaltende Ruhrorter Hafenfest e.V. hat eine Stellungnahme zur Absage des Feuerwerks am vergangenen Freitag veröffentlicht. Abgesehen von der Blamage für die Stadt Duisburg sei ein Schaden in Millionenhöhe entstanden.

Natürlich gab es am Freitag keine andere Wahl, als abzusagen. Doch die Situation war seit Tagen klar, es hätten vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden können. Jetzt ist die Zukunft des beliebtesten Volksfests Duisburgs mit der größten überregionalen Anziehungskraft gefährdet.

Die Duisburger, die den Leinpfad trotz der Absage am Freitagabend gut füllten, nahmen's gelassen und freuten sich an Kirmes, Wasser- und Bühnenprogramm. Bei den Veranstaltern dagegen herrschten Zorn und Verzweiflung, die bis jetzt nicht abgeklungen sind. Nach wie vor treffen bei ihnen erboste E-Mails ein von Leuten, die beispielsweise "Kölner Lichter" haben sausen lassen, um sich lieber ein Hotel in Duisburg zu nehmen und beim Ruhrorter Feuerwerk dabei zu sein. Zahlreiche Schiffsfahrten wurden kurzfristig abgesagt; da sind im einzelnen Entschädigungen bzw. Rückzahlungen auszuhandeln. Vom schweren Imageschaden gar nicht zu reden.

Am Freitagvormittag war die Abnahme des Hafenfestes durch die verschiedenen Sicherheitsgremien (Ordnungsamt, Feuerwehr, Polizei ...) erfolgt. Eine intensive Beratung galt dabei dem Feuerwerk. Vertreter des Hafenfestvereins waren laut interner Richtlinien der Stadt Duisburg dabei nicht zugelassen. Nach längerem Hin und Her erfolgte die Absage durch Oberbürgermeister Sören Link. Wohlgemerkt nicht wegen des Feuerwerks selbst, sondern wegen der Brandgefahr durch Besucher auf einigen nicht gemähten Wiesen am Homberger Rheinufer. Das Gras dort war tatsächlich so versteppt, dass eine glühende Zigarette einen Flächenbrand hätte auslösen können. Das war allerdings auch Tage vorher schon so, unabhängig von der Heraufsetzung der Flurbrandgefahrstufe von 4 auf 5 (die Waldbrandgefahrstufe übrigens war am Freitag nach wie vor 4).

"Aber warum stellt man das erst am Freitagmittag fest?" heißt es in der Stellungnahme des Hafenfest e.V., und weiter: "Die Wetterlage war mindestens schon eine Woche bekannt. Hätte man die Brandgefahr nicht schon Tage davor beseitigen können? Zum Beispiel, indem man die Wiesen rechtzeitig mäht und mit dem Feuerlöschboot so lange unter Wasser setzt, bis die Brandgefahr gebannt ist?

Und wenn das wirklich unmöglich gewesen wäre, warum hätte man dann nicht schon Tage davor 'Plan B' umsetzen können, der wenigstens die Kosten in Höhe von etwa 1 Mio. Euro verhindert hätte. Wäre nämlich das Feuerwerk schon am Mittwoch abgesagt worden, hätten z. B. die Kosten des Feuerwerkers eingespart werden können. Ebenso die Kosten der Fahrgastschiffe, die vom Siebengebirge, Köln, Düsseldorf, Wesel, Emmerich, Mülheim, Rees usw. gekommen sind, sowie die Kosten der Unternehmen, die diese gechartert hatten. Schließlich auch die Kosten der Hotelgäste, die ein Wochenende 'Ruhrorter Hafenfest mit Feuerwerk' gebucht hatten. Ist sowas in Duisburg nicht wichtig?"

Die Vermutung der Hafenfestmacher ist nicht neu: Veranstaltungen, auf denen nicht "Stadt Duisburg" draufsteht, können nicht nur nicht mit Unterstützung der Stadt rechnen, sondern bekommen noch Knüppel zwischen die Beine geworfen. "Die Frage sei erlaubt, ob das Feuerwerk nicht doch hätte durchgeführt werden können, wenn das Ruhrorter Hafenfest eine Veranstaltung der Stadt Duisburg wäre", heißt es gleich zu Beginn der Stellungnahme.

Das Ruhrorter Hafenfest wird ausschließlich von engagierten Ehrenamtlichen organisiert, getragen allein von Sponsoren, an erster Stelle Duisport, die Duisburger Hafen AG, aus deren Mitteln anstatt für Programm an Wasser und Land immer mehr Gelder für die Erfüllung der zunehmenden Sicherheitsauflagen fließen. Wenn dann in letzter Minute die "Ankerveranstaltung" im Festprogramm abgesagt wird, kann das unabsehbare Folgen haben: bei der Gewinnung von Sponsoren wie von Schaustellern. "Fast könnte man sich ja fragen, ob einer lästigen, aber sehr beliebten Veranstaltung der Garaus gemacht werden soll", schreiben die Veranstalter und schließen: "Der Imageschaden ist für alle Beteiligten immens hoch, und wir als Veranstalter befürchten, dass die Zukunft des beliebtesten Festes in Duisburg jetzt auf der Kippe steht."

Update 31. Juli, 13.30 Uhr: Duisport schließt sich an

Mittlerweile hat sich auch Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG ("duisport"), gegenüber Stadt-Panorama geäußert: "duisport schließt sich der Stellungnahme des Ruhrorter Hafenfest e.V. vollumfänglich an. duisport wurde als alleiniger Sponsor des Feuerwerks nicht konsultiert und einbezogen. Der Imageschaden ist immens."

Update 2, 1. August, 12 Uhr: Stellungnahme der Stadt

Gestern Abend nach Redaktionsschluss erreichte Stadt-Panorama eine E-Mail der Sprecherin des Oberbürgermeisters mit einer Stellungnahme der Stadt Duisburg. Darin wird festgehalten, dass die Absage am Freitag unumgänglich gewesen sei. Das allerdings haben auch die Veranstalter nicht bestritten. Zur entscheidenden Frage, warum im Vorfeld keine Maßnahmen ergriffen oder die Absage nicht schon zu einem früheren Zeitpunkt erfolgen konnte, um den Schaden für die Veranstalter zu mindern, steht in der Stellungnahme nichts. Ein Passus insinuiert allenfalls, der Veranstalter hätte die Absage vorhersehen können (wohlgemerkt wegen einer Fläche, die nicht Teil des Veranstaltungsgeländes ist, für das es ein Sicherheitskonzept gab); darüber hinaus hätte laut Stadt der Hafenfestverein für die Kosten aufkommen müssen, die Mähen, Wässern oder Absperren der Wiesen verursacht hätten.

(Niederrhein Verlag GmbH)
Mehr von Stadt-Panorama