Hauptsaison im Garten: Urban Gardening: Vom Trend zum Standard

Hauptsaison im Garten : Urban Gardening: Vom Trend zum Standard

Vor einigen Jahren tauchte Urban Gardening als Nischentrend für Öko-Fans auf. Mittlerweile erfreut sich der städtische Gartenbau allgemein großer Beliebtheit. Doch was umfasst Urban Gardening im Einzelnen und welche Vorteile bietet es den Stadtbewohnern?

Vor einigen Jahren tauchte Urban Gardening als Nischentrend für Öko-Fans auf. Mittlerweile erfreut sich der städtische Gartenbau allgemein großer Beliebtheit. Doch was umfasst Urban Gardening im Einzelnen und welche Vorteile bietet es den Stadtbewohnern?

Wo Anwohner städtische Flächen innerhalb von Siedlungsgebieten gärtnerisch nutzen, spricht man vom urbanen Gartenbau bzw. Urban Gardening. Dabei fallen die Parzellen aufgrund der dichten Bebauung meist klein aus. Im Fokus stehen dennoch die nachhaltige Bewirtschaftung sowie der umweltschonende Anbau landwirtschaftlicher Erzeugnisse wie Obst, Gemüse und Kräuter.

Diese Grundregeln sollten Stadtgärtner beachten, damit die Ernte reich ausfällt:

  1. Licht, Schatten und Temperatur: Bevor die Pflanzen gesetzt werden, sollten sich Stadtgärtner über ihre Bedürfnisse klar sein. Nicht jede Sorte kann in jedem Winkel gut gedeihen.
  2. Gewächshaus: Wer statt Blumen lieber einen Naschgarten anpflanzt, profitiert von einem Gewächshaus. Es schützt die Pflanzen vor schädlicher Witterung und bietet gerade wärmeliebenden Sorten die ideale Umgebung. Durch die frühere Aussaat ermöglicht es darüber hinaus eine längere Erntezeit. Viele Hersteller bieten Mini-Gewächshäuser an, die optimal auf kleine Grünflächen oder Balkone ausgelegt sind.
  3. Gartenhaus: Ein Gewächshaus ist dabei nicht mit einem Gartenhaus zu verwechseln. Letztere eignen sich vor allem zum Unterbringen von Gartengeräten oder zum gemütlichen Beisammensein. Für die richtige Wahl sind die Kriterien dabei jedoch vielfältig: Von der Raumplanung, dem verwendeten Material über bauliche Maßnahmen bis zum Kauf des richtigen Modells sollten Gartenbesitzer zahlreiche Entscheidungen treffen.
  4. Optimale Raumausnutzung: Mit Hochbeeten, Pflanzkübeln oder Hängeampeln lässt sich auch der kleinste Raum optimal ausnutzen. Kreativ und charmant wirkt das Recycling alter Gießkannen oder Kaffeesäcke als Pflanzgefäße.
  5. Pflegeleicht: Anfänger wählen im Idealfall Pflanzen, die bis zur Ernte wenig Pflege brauchen, wie z.B. Salat, Zucchini und ölige Kräuter. Tomaten eignen sich für Fortgeschrittene und versprechen bei guter Behandlung einen schmackhaften Ertrag. Ein Kulturpflanzen-Spezialist wie der Spargel ist für den Stadtgarten eher ungeeignet.
  6. Kaffeesatz, Kamillentee oder Lavendelöl: Es existieren diverse natürliche Hilfsmittel, um Pflanzen zu düngen und sie vor Schädlingsbefall zu schützen. Vom Vergraben tierischer Küchenabfälle raten Experten jedoch ab. Dies zieht insbesondere im urbanen Umfeld Ratten an.

Im eigenen Viertel gemeinsam Grünflächen zu bewirtschaften bewirkt mehr, als die technisierte Stadtbevölkerung zu neuer Naturverbundenheit zu erziehen.

Frisches Gemüse zu ernten, trägt nicht nur im Einzelfall zu einer vitaminreichen Ernährung bei. Die Produktion vor Ort spart zusätzlich Transportkosten und die Emission von Kohlendioxid. Der Anbau in Gewächshäusern hilft, die Erträge auf den knapp bemessenen Anbauflächen zu maximieren. Auf diese Weise sichern Stadtgärten einen Teil des wachsenden Bedarfs an Lebensmitteln, die sozial gerecht und umweltverträglich angebaut werden.

Urban Gardening weckt das Interesse für saisonale Ernährung und lokal produzierte Lebensmittel. Es steigert die Popularität von gesundheitlich und regional ausgerichteten Bewegungen wie z.B. Slow Food.

Städtische Gärten schaffen Lebensräume für diverse Spezies, insbesondere Insekten. Da Urban Gardening auf Pflanzenvielfalt auf kleinstem Raum setzt und Pestizide vermeidet, avancieren die städtischen Flächen verglichen mit ländlichen Monokulturen zur attraktiveren Nahrungsquelle. Nutznießer ist unter anderem die Honigbiene, die in agrarwirtschaftlich geprägten Gebieten teilweise nicht genügend Nahrung findet und durch Pflanzenschutzmittel dezimiert wird. Auf diese Weise helfen Stadtgärten, dem Bienensterben entgegenzuwirken und die Bestäubung von Blütenpflanzen zu gewährleisten. Der Artenschutzreport des Bundesamtes für Naturschutz sieht eine Hauptursache in der Seltenheit von 46 Prozent aller heimischen Tierarten vor allem in der Zunahme von Monokulturen. Städte weisen laut wissenschaftlichen Studien einen größeren oder zumindest gleich hohen Artenreichtum auf wie ländliche Gebiete.

Indem kompostierbare Abfälle, Ab- und Regenwasser im Stadtgarten direkt wiederverwendet werden, entwickeln sich umweltschonende Stoffkreisläufe vor Ort.

Das von Smog belastete Sommerklima in Großstädten resultiert zum Teil aus der urbanen Bebauung: Versiegelte Böden und große Baukörper speichern hohe Temperaturen länger als natürliche Landschaften, sodass die Temperatur in Städten durchschnittlich höher, die Luft trockener und die Emissions-Belastung intensiver ausfallen. Grünflächen hingegen leiten Wasser aus dem Erdreich und geben es als Verdunstungsfeuchtigkeit in die Umwelt ab. Pflanzen sind darüber hinaus fähig, schädliche Gase in der Luft zu reduzieren und reichern sie mit Sauerstoff an. Insbesondere an trockenen Hochsommertagen helfen Stadtgärten, das klimatische Ungleichgewicht in den Metropolen auszugleichen.

Fachleute prognostizieren, dass der urbane Gartenbau in Anbetracht des städtischen Bevölkerungswachstums und dem Schwinden landwirtschaftlicher Anbauflächen, zur Prävention von Armut beitragen kann.

Wer Grünflächen in seiner Umgebung gestaltet, prägt das Stadtbild und engagiert sich für sein Viertel. Idealerweise begegnen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft, Berufe oder Altersgruppen innerhalb derselben Projekte. Auf dieser Weise kann neben den Pflanzen auch ein tieferes Gefühl der Gemeinschaft wachsen.

Zwar stammt der Trend Urban Gardening ursprünglich aus Metropolen wie New York und San Francisco, aktuell findet er jedoch direkt vor der Haustür statt:

  1. Garten auf Zeit in Moers: Ein Projekt vom städtischen Grünflächen-Fachdienst und dem Kleingärtnerverein ermöglicht jedem interessierten Bürger in Moers, seine Ernteparzelle mitten in der Stadt zu mieten. Die 40 m² großen Flächen befinden sich in der NIAG-Kleingartenanlage in Moers-Hochstraß. Wer von April bis Oktober anbauen und ernten möchte, zahlt dafür 160 Euro Miete pro Saison. Gärtner-Neulinge erhalten dafür tatkräftige Hilfe: Mitglieder des Kleingartenvereins unterstützen sie bei der Bodenaufbereitung und beim Säen oder Setzen der gewünschten Gemüsesorten.
  2. Gemeinschaftsgarten in Duisburg-Hochfeld: Auf 400 Quadratmetern haben Jugendliche des Schülerwohnheims in der Hochfelder Straße einen Gemeinschaftsgarten geschaffen. Unterstützung erhielten sie dabei vom Amt für Umwelt und Grün, das sechs Betonkübel von der Bahnhofsplatte samt Befüllung mit frischer Erde organisierte. Die Gefäße dienen als Hochbeete für Obstbäume und -sträucher.
  3. Hochbeete für den City-Wohnpark: In insgesamt 420 Wohnungen leben hier 1.200 Menschen. Hochbeete erweitern den Raum in der Siedlung in Zukunft für zahlreiche Pflanzenarten. Das Jobcenter und die Gesellschaft für Beschäftigungsförderung (GfB) koordinierten den Bau der Pflanzkisten über Arbeitsmaßnahmen. Seit die Hochbeete aufgestellt und bepflanzt wurden, kommen Anwohner nicht nur leichter miteinander ins Gespräch, sondern beobachten auch weniger Vandalismus.

Fazit

Im Jahr 2016 förderte Duisburg insgesamt 18 öffentliche Urban Gardening-Projekte und setzt damit ideelle und sichtbare Zeichen. Immerhin setzt das städtische Gärtnern neben dem Klimaschutz, Artenschutz und dem umweltverträglichen Nahrungspflanzenanbau vor allem visuell attraktive Akzente im Stadtbild.

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