„Tore zur Welt“ oder „Warten auf Asyl“

„Tore zur Welt“ oder „Warten auf Asyl“

Syrischer Flüchtling aus Rheinhausen beteiligt sich an Kunstprojekt im Rahmen der Duisburger Akzente und berichtet über sein Leben und das Warten auf die Anerkennung als Asylbewerber.

Mohamed Sadek Loula ist einer von derzeit 5000 in Duisburg lebenden Flüchtlingen. Der 23-Jährige stammt aus Syrien, ist in 55 Tagen über die so genannte Balkan-Route geflohen und von Dortmund ins Flüchtlingsheim an der Werthauser Straße nach Rheinhausen zugewiesen worden. Hier lebt er seit nun mehr als 15 Monaten und teilt sich mit sechs anderen Syrern einen Klassenraum im Untergeschoss. Mehr als ein Spind und ein altes ausrangiertes Krankenbett stehen ihm hier nicht zur Verfügung. Mohamed ist traumatisiert, hat Schlimmstes gesehen und erlebt. Seine Heimatstadt, Dier Alzor, im Südosten Syriens ist größtenteils durch die Kampfhandlungen des Krieges zerstört. Sein Elternhaus, was er mit seinen 13 Geschwistern bewohnte, existiert nicht mehr, ebenso wie die Universität an der er Biologie studierte. In Syrien wurde Mohamed grundlos verhaftet und 11 Monate eingesperrt, man hielt ihn für einen Rebellen, weil er Fotos auf seinem Handy hatte, die Bekannte zeigten, die wiederum im Verdacht standen Rebellen zu unterstützen. Nach seiner Freilassung traf er die schwerste Entscheidung seines bisherigen Lebens, sein Land, seine Familie und Freunde zu verlassen. Ihm folgten zwei jüngere Brüder, die derzeit in Bünde im Kreis Minden-Lübbecke in einer Flüchtlingsunterkunft leben. Kontakt zum Rest der Familie ist nur sporadisch über das Internet oder Bekannte in der Türkei möglich.

Der syrische Flüchtling Mohamed Sadek Loula lebt seit 15 Monaten im Flüchtlingsheim an der Werthauser Straße in Rheinhausen und wartet auf die Anerkennung als Asylbewerber. Foto: Reffgen

Nach wie vor ist Mohamed nicht als Asylbewerber offiziell anerkannt. Der Antrag wurde bis heute nicht bearbeitet. Das belastet ihn enorm und schränkt ihn massiv ein. Selbst ein Sprachkurs bei der VHS ist kürzlich ausgelaufen und kann nicht fortgesetzt werden, solange er nicht offiziell als Asylbewerber anerkannt ist. Gerne würde er sein Studium in Deutschland fortsetzen und arbeiten, was sich aber eben auch als schwierig erweist, solange er nicht den Anerkennungsstatus hat. Zudem sind sämtliche Prüfungsdokumente vernichtet, was eine Immatrikulation an der Universität ebenso erschwert. Mit einem Grundwortschatz Deutsch versucht Mohamed seinen Alltag so gut es geht zu meistern. Duisburg und insbesondere Rheinhausen hat er bereits ausgiebig erkundet. Gerne geht er am Rhein spazieren, das beruhigt ihn und hier kann er mal für sich sein und seinen Gedanken nachhängen. Als Frühaufsteher ist der Tag lang, jetzt wo der Sprachkurs nicht mehr täglich läuft, gefühlt noch länger. Er liest viel, versucht sein Deutsch bei jeder Gelegenheit zu verbessern. Abends verbringt er die Zeit mit seinen Mitbewohnern. Unter den jungen Menschen wird es dann trotz der schwierigen Situation auch mal albern und heiter, nicht zuletzt um nicht immer an das Elend zu denken. Das Unerträglichste ist jedoch das Warten, das die Behörde endlich seinen Antrag auf Asyl stattgibt.

So wie Mohamed geht es vielen Flüchtlingen, nicht nur in Rheinhausen. Es bedarf großer gesamtgesellschaftlicher Anstrengung, um die Unterbringung, Verpflegung, Versorgung und letztlich die Integration zu meistern. Nicht zuletzt müssen die Asylverfahren beschleunigt werden, damit es vorwärts gehen kann. Individuelle Aufnahmeprüfungen müssen an Universitäten, Handwerkskammern oder bei Kaufmannsverbänden eingeführt werden, damit auch hier Abschlüsse und Anstellungen, auch bei Dokumentenverlust, zeitnah möglich sind.

Fakt ist, für Mohamed und viele andere Flüchtlinge gibt es kein "Zurück" mehr. Es ist nicht davon auszugehen, dass in absehbarer Zeit Frieden und demokratische Verhältnisse in Syrien einkehren.

Die Lehrerin der Lise-Meitner-Gesamtschule, Annegret Keller-Steegmann, engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich für Zuwanderer und Flüchtlinge in Rheinhausen. So betreut sie Mohamed und einige andere Flüchtlinge derzeit im Kunstprojekt "Tore zur Welt" im Rahmen der "Duisburger Akzente". In Kooperation mit art@work & Junges Ensemble Ruhr, sowie dem Medienbunker Marxloh, kommen hier Flüchtlinge aus Rheinhauen und den Partnerstädten Nijmegen (NL) und Gaziantep (TR) zusammen, um sich über ihr Leben in dieser Welt auszutauschen und das was sie derzeit erleben künstlerisch zu verarbeiten. Musik, Performances und Bilder zeigen, dass in einer globalisierten Welt Integration alle angeht, denn "wir könnten auch die anderen sein".

Die große, finale Vorstellung findet am kommenden Sonntag, 13. März, 16 Uhr, im Social Club des Forums Rheinhausen am Alfred-Hitz-Platz statt. Eintritt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro.

Mohamed und alle anderen Beteiligten würden sich über zahlreiche Besucher sehr freuen.

(Niederrhein Verlag GmbH)
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