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: Thyssenkrupp will 11.000 Arbeitsplätze abbauen

: Thyssenkrupp will 11.000 Arbeitsplätze abbauen

Thyssenkrupp treibt den Konzernumbau weiter voran – unter anderem mit Stellenstreichungen: Statt der ursprünglich geplanten 6.000 sollen insgesamt 11.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass das Grobblechwerk in Duisburg-Hüttenheim geschlossen werden soll.

„Thyssenkrupp kommt bei Umbau trotz Corona-Pandemie gut voran“, lautet die Überschrift der Konzernmitteilung zur Bilanzpressekonferenz. Gestärkt wurde die Bilanz demnach vor allem aus den rund 15 Milliarden Euro Erlös durch den Verkauf der Aufzugssparte Elevator; dadurch kommt die Bilanz auf einen Überschuss von 9,6 Milliarden Euro. Heißt unterm Strich: Auf fortgeführter Basis – also ohne den Cash-Beitrag des Aufzuggeschäfts – hat der Konzern rote Zahlen geschrieben und weist ein Minus von 5,5 Milliarden Euro aus. Insbesondere die Werkstoff- und Komponentengeschäfte hätten den coronabedingten Nachfrageeinbruch der Automobilindustrie zu spüren bekommen. Im Zuge der Wiederaufnahme der Produktion bei Kunden habe sich die Geschäftsentwicklung zwischen Juli und September aber zunehmend stabilisiert.

Derzeit werde an Anpassungen bei der Umsetzung der Stahlstrategie 20–30 und auch an weiteren Kostensenkungen gearbeitet, hin zu einer „leistungsstarken ’Group of Companies’“. Angepasst wird da erstmal der Arbeitsplatzabbau: Von den 2019 verkündeten 6.000 Stellenstreichungen seien 3.600 bereits erfolgt, doch der Konzern sieht „zusätzlichen Abbaubedarf“ um insgesamt 11.000 Stellen. Heißt: 7.400 Arbeitsplätze sollen in den kommenden drei Jahren abgebaut werden.

Wie Personalvorstand Oliver Burliver Burkhard sagte, befinde man sich im größten Restrukturierungsprozess seit Bestehen von Thyssenkrupp. An weiterem Stellenabbau führe kein Weg vorbei. Zu betriebsbedingten Kündigungen sagte Burckhardt: „Wir können sie im Moment nicht ausdrücklich ausschließen.“

Im Stahlbereich würden weitere Optionen sondiert. Eine Grundsatzentscheidung dazu soll voraussichtlich im Frühjahr 2021 getroffen werden. Immer wahrscheinlicher wird, dass das Grobblechwerk im Herbst 2021 geschlossen wird, da sich laut Thyssenkrupp kein Interessent mehr im Bieterprozess befinde. Die 800 Beschäftigten in Hüttenheim hätten aber eine Arbeitsplatzgarantie bis 2026.

„Das ist eine furchtbare Nachricht für den Stahlstandort Duisburg“, so der Vorsitzende der Duisburger SPD-Arbeitnehmer Rainer Bischoff, „Wir als SPD-Arbeitnehmer fordern, dass die Beschäftigten im Fall der Schließung des Werks schnell neue Angebote im Konzern erhalten. Sie sollen nicht die Fehler der obersten Konzernetage ausbügeln.“ Ein Staatseinstieg bei Thyssenkrupp sei dringend erforderlich, so Bischoff.

Der Duisburger CDU-Ratsfraktionsvorsitzende Thomas Mahlberg erklärte: „Es ist sehr traurig, wie eine der tragenden Schlüsselindustrien in Duisburg samt ihres Know-Hows Stück für Stück aufgegeben wird und damit zahlreiche qualifizierte Arbeitsplätze in unserer Stadt wegfallen.“ Die Zukunft liege im klimaneutralen, also CO2-frei produzierten Stahl: „Duisburg ist als Wasserstoff-Technologiestandort auf einem sehr guten Weg und dieser muss in Zukunft beschleunigt beschritten werden.“