Thyssenkrupp-Steel-Betriebsräte: Keine betriebsbedingten Kündigungen

Nächste Neuausrichtung bei Thyssenkrupp : Vorerst keine Kündigungen

Thyssenkrupp hat das Joint Venture mit Tata und die Aufspaltung in zwei Unternehmen abgesagt. Stattdessen ist eine Neuausrichtung des Konzerns mit Börsengang der Aufzugssparte geplant – und Stellenabbau. Heute gab’s eine Konferenz sämtlicher Betriebsräte der Thyssenkrupp Steel Europe AG.

Zwischendurch gab’s noch rote Zahlen: Gestern Morgen legte Thyssenkrupp den Zwischenbericht fürs zweite Halbjahr des Geschäftsjahres 2018/19 vor. Das EBIT, der Gewinn vor Zinsen und Steuern, ist von 943 auf 685 Millionen Euro gesunken. Im Stahl hätten das historische Niedrigwasser des Rheins, eine geringere Nachfrage aus der Automobilindustrie sowie der neue Tarifabschluss das Ergebnis belastetet, heißt es in der Konzernmitteilung.

In der letzten Woche gab der Konzern bekannt, dass er nicht mehr mit einer Genehmigung der Zusammenlegung der Stahlaktivitäten mit Tata Steel durch die EU-Wettbewerskommission rechnet und deshalb auch auf die Aufteilung in „Thyssenkrupp Industrials“ und „Materials“ verzichtet. Stattdessen sieht die neue Strategie des Vorstands vor, „ein grundlegend neues Thyssenkrupp zu bauen“: Mehr unternehmerische Freiheit für die einzelnen Bereiche, mehr Flexibilität, schlankere Verwaltungsstrukturen. Und: „Die Pläne umfassen auch ein konzernweites Performance-Programm, das den Abbau von 6.000 Stellen vorsieht.“ 4.000 Stellen davon in Deutschland, 2.000 Stellen in der Stahlsparte. Wie Personalvorstand Oliver Burkhard twitterte, soll es betriebsbedingte Kündigungen nur „in Ausnahmen (ultima ratio)“ geben, das sehe eine Grundlagenvereinbarung mit der IG Metall vor.

„Ultima Ratio wollen wir nicht“, sagte Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW, heute (14. Mai) in der Rheinhausenhalle. Dort waren rund 200 Betriebsräte aus sämtlichen Standorten von Thyssenkrupp Steel Europe zusammengekommen. „Uns war klar, dass die Grundlagenvereinbarung für den Stahlbereich nicht ausreicht“, so der TKSE-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Tekin Nasikkol. Deshalb wurde mit der Konzernholding ein Ergänzungstarifvertrag für den Stahlbereich abgeschlossen: Bis Ende des Jahres bleibt der „Tarifvertrag Zukunft“, wie er im Zuge des angestrebten Joint Ventures ausgehandelt worden war, gültig – abzüglich der Punkte, die mit dem Aus des Joint Ventures hinfällig geworden sind. „Bis mindestens Ende des Jahres gilt: Alle Standorte sind gesichert, keine Anlage wird angerührt“, so Nasikkol. „Während der Laufzeit finden keine betriebsbedingten Kündigungen statt“, ergänzt Giesler. Und „mindestens“ heißt: Bis Thyssenkrupp ein neues Konzept für die Zukunft vorlegt. Die sollte, unterstrich Dieter Lieske von der IG Metall Duisburg-Dinslaken, den Stahl wieder mehr in den Mittelpunkt der Konzernaktivitäten rücken. In diesem Zusammenhang forderte er mit Blick etwa auf das Grobblechwerk im Duisburger Süden, dass wieder deutlich mehr investiert werde: „Man kann da richtig Geld mit verdienen.“

Nachdem jetzt wieder eine Konzernstrategie umgeworfen wurde, glaubt Knut Giesler, dass sich alle Vorstände das Vertrauen der Belegschaft zurückerarbeiten müssen: „Goss muss liefern“, sagte er im Hinblick auf den TKSE-Vorsitzenden. Erwartet werden Gespräche zu einer Neuausrichtung nach den Sommerferien. „Betriebsbedingte Kündigungen gab’s bei uns nie und wird es auch in Zukunft nicht geben“, gab sich Tekin Nasikkol kämpferisch und markierte zugleich eine rote Linie für den neu zu verhandelnden „Tarifvertrag Zukunft 2.0“. „Wenn’s etwas gibt, das wir können, ist es, uns zu verteidigen“, so Nasikkol, der sich für harte Verhandlungen gerüstet sieht: „Es gibt keine besser mobilisierbare Belegschaft als die bei uns im Stahl.“

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