Spiegel gegen Tote Winkel

Spiegel gegen Tote Winkel

Erst kürzlich kam in Duisburg eine Radfahrerin zu Tode, weil sie im „Toten Winkel“ eines Lkw übersehen wurde – der zweite tödliche Unfall dieser Art in diesem Jahr. Jetzt sollen große Spiegel die Radfahrer sichtbarer machen – und auf das Problem aufmerksam.

Acht Verkehrsspiegel sind bereits installiert; vorerst fünf weitere Standorte werden derzeit noch geprüft. Dass der Pressetermin in Ruhrort an der Eisenbahnstraße, Einmündung Friedrich-Ebert-Straße (gegenüber vom Friedrichsplatz) stattfand, hatte wohl damit zu tun, dass Duisport seinen Sitz hier hat – die Duisburger Hafen AG hat die rund 5.000 Euro für die Spiegel gespendet. Ruhrort war aber auch so eine gute Wahl, denn durch die zahlreichen Baustellen im und um den Hafenstadtteil kommt es regelmäßig zum Verkehrsinfarkt – unter anderem mit der Folge, dass Pkw-Fahrer auf sämtliche Regeln pfeifen, um sich zwei Meter Vorsprung herauszufahren. Nicht zuletzt sind die meisten der bisher angebrachten Spiegel rund um den Hafen verteilt; hier gibt es besonders viele neuralgische Punkte in Sachen „Radfahrer versus Lkw“.

Es ist die Konfrontation der Stärksten mit den Schwächsten: „Radfahrer haben keine Knautschzone“, erinnerte Polizeipräsidentin Elke Bartels. Andererseits seien Lkw noch nicht so ausgerüstet, wie es technisch möglich wäre. Weshalb Radfahrer rechts neben einem Lkw ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr gesehen werden können. Fußgänger auch nicht, aber die sind wegen der geringeren Geschwindigkeit weniger gefährdet. „Mit den Spiegeln bieten wir ein Hilfsmittel unabhängig von der Technik“, so Bartels. Die Spiegel sollen, neben der Hilfe für abbiegende Lkw, auch „ein Zeichen setzen“ und zu Rücksichtnahme und defensivem Fahren aufrufen.

„Unerhört wichtig“ sei das, so Bürgermeister Manfred Osenger, da Duisburg sich zwar mehr und mehr von Kohle und Stahl verabschiede, als Logistikstandort aber weiter wachse. Was für die nächsten Jahre eher eine Zu- als Abnahme des Lkw-Aufkommens erwarten lässt. Auch deshalb hat sich Duisport hier gerne engagiert, wie die Ehefrau des Hafenchefs, Unternehmenssprecherin Sylvia Staake erklärte. Sie erinnerte daran, dass es schon mit der Einrichtung mehrerer Routen zum 300-jährigen Hafengeburtstag ein Ziel gewesen sei, „den Hafen auch für Radfahrer erlebbar zu machen“.

Bewusst habe man sich für große, deutlich sichtbare Verkehrsspiegel entschieden, wie man sie von unübersichtlichen Kurven oder Ausfahrten kennt, erklärte Patrick Hoenninger vom Amt für Stadtentwicklung und Projektmanagement. In anderen Städten gebe es zwar zum Teil viel mehr solcher Spiegel, die seien aber oft nicht größer als ein Ampelsignal. Nach der Anbringung der Spiegel wurde außerdem von Lkw-Fahrern getestet und justiert. „Solche Aktionen sind letztlich immer nur ein Minimieren“, so Hoenninger – an Aufmerksamkeit und Rücksicht im Straßenverkehr führt kein Weg vorbei.

Initiiert hat die Spiegelanbringung das Verkehrsnetzwerk „Duisburg - aber sicher“, in dem der ACE und ADFC Duisburg, Bürgerstiftung, DVG, Polizei und Stadt zusammenarbeiten und seit 2016 mit verschiedenen Aktionen – z. B. die orangen Warnfahrräder – auf Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam machen.

(Niederrhein Verlag GmbH)
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