Theatertreffen der 40. Duisburger Akzente (16. März bis 7. April 2019): Solo-Show und zwei gegen vier Millionen

Theatertreffen der 40. Duisburger Akzente (16. März bis 7. April 2019): Solo-Show und zwei gegen vier Millionen

Die Liebestragödie schlechthin und ganz viele Romane bringt das Theatertreffen zu den "Utopien"-Akzenten 2019 auf die Bühne des Theaters Duisburg.

Als das Buch 2002 teilweise neu und teilweise erstmals übersetzt in den USA, Großbritannien, Israel und Frankreich erschien, wurde es zum Bestseller — 2011 dann auch in Deutschland: "Jeder stirbt für sich allein", Hans Falladas unmittelbar nach Kriegsende verfasster Roman nach der wahren Geschichte eines Ehepaares, das nach dem Tod des Bruders der Frau (im Roman des gemeinsamen Sohnes) im Zweiten Weltkrieg Postkarten gegen Hitler verteilte, denunziert, zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Es ist eine Geschichte, die einem die Kehle und das Herz zuschnürt. Die völlige Wirkungslosigkeit des Widerstands zweier einsamer anständiger kleiner Menschen in der Viermillionenstadt Berlin. Der zuständige Kommissar markiert auf einem Stadtplan jeden gemeldeten Fundort einer Postkarte, der Ring schließt sich immer enger — für die Theaterfassung des Thalia Theaters Hamburg hat Annette Kurz als (preisgekröntes) Bühnenbild den Stadtplan Berlins aus lauter Alltagsgegenständen nachgebaut. Luk Perceval hat das als großes Ensemble-Theater mit allen Stars des Thalia-Theaters inszeniert. Es wird mit zwei Pausen und insgesamt vier Stunden und 15 Minuten der längste Abend des Theatertreffens zu den "Utopien"-Akzenten (30. und 31. März). Die Utopie in diesem Stück ist die größte von allen: dass Liebe und Menschlichkeit herrschen könnten.

Der vielleicht am besten geschriebene Roman der Weltliteratur ist Gustave Flauberts "Madame Bovary". Dass die auch hier uneingelöste Utopie der Liebe aber auch am Beginn der Groschenromane und Soap Operas steht, zeigt "Madame Bovary — allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie" vom Schauspiel Hannover (23. März). "Es werden die möglichsten und unmöglichsten Lieder gesungen", berichtet Schauspielintendant Michael Steindl. Ilja Trojanow hat sich in die kommunistische Vergangenheit seines Heimatlandes Bulgarien verbissen, davon erzählt sein Roman "Macht und Widerstand". Als Theaterstück, ebenfalls vom Schauspiel Hannover, ist das mit Samuel Finzi (Til Schweigers Partner in "Kokowääh") und dem Duisburger Markus John zu sehen (26. und 27. März).

Wie es sich anfühlt, wenn man "Die Welt im Rücken" hat, zeigt nach dem Roman von Thomas Melle der phänomenale Joachim Meyerhoff vom Burgtheater Wien als bipolar Gestörter in einer dreistündigen Solo-Show. Wobei erstmal mit dem Publikum Tischtennis gespielt wird.

Lauter Romane auf der Bühne — bis auf den Auftakt mit Duisburgs Spieltrieb: Der bringt, mit einem Profi-Laien-Ensemble, die Liebesutopietragödie schlechthin auf die Bühne: Shakespeares "Romeo und Julia".

Karten: (0203) 283 62 100

(Niederrhein Verlag GmbH)
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