: Sie schreiben Geschichte

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Ruhrort, Marxloh, zweimal Meiderich, Waldfriedhof und Kaiserberg – sechs von insgesamt 18 ruhrgebietsweit vergebenen Stadtteilhistoriker-Stipendien gehen nach Duisburg.

Ruhrort ist quasi das Ruhrgebiet in klein und damit immer ein gutes Beispiel, wenn es um die besonderen Lebensverhältnisse hier geht. Wie das gesamte Revier erlebte die einst eigenständige Hafenstadt ein rasantes Bevölkerungswachstum – und, wie Stadtteilhistorikerin Tina Deckert festgestellt hat, eine sehr hohe Kindersterblichkeitsrate: In den Ruhrorter Sterberegistern kommen in der Zeit von 1875 bis 1884 auf einen verstorbenen Erwachsenen vier verstorbene Kinder unter 18 Jahren. Die Umstände, unter denen Familien zu dieser Zeit lebten und arbeiteten, welche hygienischen und wirtschaftlichen Verhältnisse vorherrschten, das wird Tina Deckert in den nächsten 18 Monaten herausarbeiten. Wie alle ausgewählten Stadtteilhistoriker bekommt sie dafür fachliche Begleitung und 1.500 Euro Recherchebudget. Die Bürgerstiftung Duisburg hatte mit mehreren Kooperationspartnern zur Teilnahme am Projekt Stadtteil-Historiker aufgerufen.

Klaus Becker, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Duisburg, hat als Jurymitglied bei der Auswahl mitgewirkt: „Die Duisburger Bewerbungen haben mich nicht nur aus Liebe zur Heimatstadt besonders fasziniert, sondern auch wegen ihrer Bandbreite.“

Eugen Schilke sucht ehemalige Bewohner des Papageienhauses in Obermeiderich, um aus Fragebögen und Interviews das 2015 abgerissene Gebäude an der an der Emmericher Straße als Erinnerungsort wieder lebendig zu machen. Dieter Lesemann lädt zu einer imaginären Wanderung von Hof zu Hof durch das Meiderich um 1800 ein. Silke Meyer betrachtet den Waldfriedhof als Spiegel der Duisburger Gesellschaft. Gülperi Kara sammelt Erinnerungen der ersten Generation von Migrantinnen in Marxloh. Jonas Krüning untersucht den Interpretationsstreit um die Siegfried-Figur auf dem Ehrenfriedhof Kaiserberg, die immer wieder linkem wie rechtem Vandalismus anheimfällt.

Nur in Bochum gibt es noch einen Stipendiaten mehr als in Duisburg, zwei Stipendien gehen nach Dortmund, jeweils eines nach Essen, Recklinghausen und nach Dinslaken. Dort untersuch Ulrich Kahn den Rotbach und schreibt über „ verschwundene Wasserwege rund um das Castell Dinslaken“.