Unternehmen im Portrait: Seit 30 Jahren fest an Bord der GFW

Unternehmen im Portrait : Seit 30 Jahren fest an Bord der GFW

Christine Nawrot feierte am 1. Februar ihr 30-jähriges Dienstjubiläum bei der Duisburger Gesellschaft für Wirtschaftsförderung. Ihre großen Themen sind Messeauftritte, das Unternehmerinnen-Netzwerk in.DU, der Baustammtisch und das Mittelstands-Forum.

Christine Nawrot und Duisburg - das passt seit jeher. Sie selber bezeichnet sich "als Duisburgerin mit Leib und Seele." Der Blick auf ihre Vita bestätigt das: Ein Großteil ihres Lebens spielte sich entlang der Straßenbahnlinie 901 ab; in Beeck geboren und aufgewachsen, am Elly Heuss-Knapp-Gymnasium in Marxlo

h zur Schule gegangen und später an der Duisburger Uni Ökonomie und Wirtschaftswissenschaften studiert. Direkt nach dem Abi folgt ein Sprung über die Stadtgrenze in Richtung Süden: Beim Düsseldorfer Konzern Henkel macht Christine Nawrot eine Ausbildung zur Stenokonturistin und bekommt "einen spannenden Einblick in einen großen Konzern."

Doch der Einblick genügt ihr, es zieht sie zum Studieren zurück in die Montanstadt. Während ihrer gesamten Ausbildung ist die Wirtschaft, und hier besonders der Bereich Marketing und Public Relation, nicht das einzige Thema, das sie fesselt. Christine Nawrot war und ist ein kritischer Geist, sie engagiert sich bei Terre des hommes; Philosophie und Gesellschaftstheorie begleiten sie ständig. Auch heute wälzt sie in ihrer Freizeit Geschichts- und philosophische Fachbücher. "Mein kritisches Denken ist geblieben", so Nawrot.

Im Anschluss an ihr Studium bleibt Christine Nawrot als studentische Hilfskraft mit Promotionsstipendium der Universität am Kaiserberg treu. Dann bekommt sie einen Tipp, dass in Duisburg gerade eine neue Wirtschaftsförderungsgesellschaft gegründet wird. Sie bewirbt sich, stellt sich vor und wird genommen. An die Anfänge denkt die Marketing-Fachfrau gerne zurück: "Das Modell der Private Public Partner war ganz neu. Wir waren die erste kommunale Gesellschaft in Duisburg, die Wirtschaftspartner an Bord hatte. Dazu kam der Strukturwandel, der Flächenengpass, drohende Arbeitsplatzverluste, die Gründung des Freihafens — das war alles sehr spannend und es herrschte eine ungeheure Aufbruchsstimmung."

Die GFW wird aufgebaut und wächst. Für den Start braucht es viel öffentliches Trommeln. Christine Nawrot ist seinerzeit für die PR und fürs Marketing zuständig. "Wir mussten ja ganz von vorne anfangen und vom simplen Logo, über den PR-Film und die ganze Imagekampagne haben wir alles zum ersten Mal auf die Beine gestellt." Als Bereichsleiterin Marketing und ab 1996 als Projektmanagerin durchläuft sie viele Bereiche der GFW.

Ihr Steckenpferd wird die Messepräsentation, werden die Auftritte der Stadt Duisburg — alleine oder als Teil der Metropole Ruhr — auf den Immobilienfachmessen "MIPIM" in Cannes und "Expo Real" in München. Auf allen Messen gilt, Duisburgs Immobilienpartnern eine Präsenz-Plattform zu bieten, den Ruf der Stadt zu prägen, mit den Akteuren der Immo-Wirtschaft ins Gespräch zu kommen, Investoren zu gewinnen, Projekte vorstellen und anzustoßen. Das passiert auf vielen Wegen. Einen sehr erfolgreichen hat Christine Nawrot, die immer schon andere Wege gehen wollte und will, bei der "MIPIM" beschritten.

Das "Duisburger Marktfrühstück" an den Markthallen von Cannes wird ab der Jahrtausendwende und bis 2014 zum Magneten für "Investoren, die sich wahrhaftig für Duisburg interessieren.". Dazu kommt ein maritimes Boule-Turnier, "wirklich eine der schönsten, authentischsten und entspanntesten Veranstaltungen auf der Messe", findet Nawrot. "Da bin ich auch heute noch stolz drauf. Mit den beiden Veranstaltungen hatten wir ein echtes Alleinstellungsmerkmal."

Seit zwölf Jahren kümmert sich Christine Nawrot federführend um das Unternehmerinnen-Netzwerk. Sie stellt den organisatorischen Rahmen und führt jeden Monat "30 bis 60 sehr erfahrene Unternehmerinnen und Frauen aus leitenden Positionen" zum Frühstück plus Fachvorträgen im Haus der Unternehmer zusammen. Dabei hat sie beobachtet, "dass Damen anders netzwerken": Den Unternehmerinnen ginge es erstmal um die Person. "Es wird erst Vertrauen aufgebaut und dann ganz verlässlich kooperiert."

Ein weiteres ihrer Steckenpferde ist das Mittelstands-Forum, bei dem Firmen sich an kleinen Ständen vorstellen und fleißig genetzwerkt wird. Das Format gibt es seit 1994 und es zeichne sich "durch die immer wechselnden, spannenden Orte und echte Begegnungen" aus. "Die Leute wollen von Angesicht zu Angesicht kommunizieren. Es muss nicht immer alles in der Cloud passieren", hat sie beobachtet. Die Anmeldezahlen gäben ihr da recht. Außerdem: "Wir wollen zeigen, wo Duisburg sich wie verändert hat." Und so wird sich beispielsweise mal im MSV-Stadion, mal bei Zoo Zajac, mal in der Villa Rheinperle, mal im Steinhof und mal in der Gebläsehalle des Landschaftsparks getroffen.

Ebenfalls unter ihrer Regie gibt es seit 15 Jahren den Duisburger Baustammtisch, an dem Christine Nawrot mit dem Bauindustrieverband NRW Architekten, Ingenieuren und Baufirmen eine Plattform für Gespräche bietet.

30 Jahre bei einem Unternehmen sind eine lange Zeit. Trotzdem kommt Christine Nawrot jeden Tag gerne zur Arbeit. Gründe dafür gibt's viele: "Wir machen hier fast alles im Team. Die Themen sind spannend und Orte, Partner und Herausforderungen wechseln ständig, so dass es nie langweilig

wird. Wir arbeiten auf ein Ziel hin, das dann auch wirklich stattfindet." Der menschliche Faktor sei ihr dabei am wichtigsten: "Ich probiere, jedes Projekt mit Seele zu versehen. Das zu schaffen, ist auch nach 30 Jahren sehr befriedigend und motivierend."

(Niederrhein Verlag GmbH)
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