Plan: Mit dem Rad zur Arbeit

Plan: Mit dem Rad zur Arbeit

In der vergangenen Woche stellte der Regionalverband Ruhr (RVR) einen Bedarfsplan für den künftigen Radverkehr in der Metropole Ruhr vor. Hatte man zu Anfang der Woche die Pläne für das östliche und mittlere Ruhrgebiet und angrenzende Gebiete vorgestellt, war man am Freitag in Moers.

Hier tagte die Teilraumkonferenz für das westliche Ruhrgebiet und den Niederrhein. Rund 55 Anwesende, darunter etwa 30 Lokalpolitiker, diskutierten die Pläne, die konkret das bestehende regionale Radwegenetz in Duisburg, Bottrop, Oberhausen, Mülheim an der Ruhr und im Kreis Wesel auf rund 560 Kilometer ausbauen wollen.

Ziel ist es, das bestehende Radnetz, das jedoch überwiegend freizeitorientiert ist, für den alltäglichen Verkehr zur Arbeit, zu Einkäufen oder auch zum Schulbesuch fit zu machen. Dabei gehen die Planer um Maria Wagener und Thomas Pott vom Regionalverband Ruhr davon aus, dass es Fahrradstrecken in drei Kategorien geben wird.

Diese sind unterteilt nach Nutzungskriterien: Von den so genannten Radschnellverbindungen werden nach den derzeitigen Plänen 143 Kilometer gebaut. Diese sind für über 2.000 Fahrradfahrer pro Tag ausgelegt und werden eine Breite von mindestens vier Metern haben. Zudem wird auf diesen Strecken ein Fußgängerweg „angehängt“, der aber von der Fahrradbahn durch beispielsweise einen Grünstreifen abgetrennt ist. So wird man in Zukunft zum Beispiel von Kamp-Lintfort oder auch Wesel über Duisburg nach Oberhausen oder Mülheim kommen. Dabei sollen diese Radwege in aller Regel kreuzungsfrei gebaut werden, um zu verhindern, dass Radfahrer wieder ins Verkehrsgetümmel kommen.

Die zweite Kategorie firmiert unter dem Namen „Radhauptverbindung“ und ist für Routen konzipiert, auf denen täglich 500 bis 2000 Fahrradfahrten erwartet werden. Diese sollen in der Regel ebenfalls etwa vier Meter breit sein. Rund 130 Streckenkilometer sollen von dieser Art entstehen.

Den größten Umfang werden jedoch die „Radverbindungen“ haben, wo denen 286 Kilometer im westlichen Ruhrgebiet gebaut werden sollen. Diese werden quasi auch eine Zubringerfunktion zu den schnellen Fahrradstrecken haben. Hier geht man von 2,50 bis drei Meter Breite aus, wobei hier auf separate Fußgängerstrecken verzichtet wird.

Für alle Strecken gilt, dass diese durchgängig asphaltiert werden sollen, damit sie für den Alltagsgebrauch nutzbar sind. Ein Beispiel dafür ist der RS1 – der Radschnellweg Ruhr –, der zwischen Essen und Mülheim in Teilbereichen fertig gestellt ist.

Grundlage der Planung war das Rad-Freizeitnetz, das in der genehmigten Planung seit 2012 vorliegt. Auf diesen Erfahrungen, zum Teil aber auch auf diesen Wegstrecken basiert das Alltags-Fahrradnetz, das seit Ende 2016 beim RVR bearbeitet wird. In Zusammenarbeit mit dem Planungskonsortiums Planersocietät, Dortmund, dem Planungsbüro VIA, Köln, der Emschergenossenschaft, Verkehrs- und Wirtschaftsverbände sowie den beiden RVR-Tochtergesellschaften, die RuhrTourismus GmbH (RTG) und die Business Metropole Ruhr GmbH (BMR) sollen im gesamten Ruhrgebiet 1.800 Kilometer Alltags-Radwege entstehen. Dabei geht man von der Prognose aus, das sich der Verkehr im Jahr 2035 zu jeweils einem Viertel auf Auto, Fußgänger, öffentlichem Nahverkehr und Fahrrad verteilt.

Nach der Vorstellung der Planungen werden sich jetzt die Kommunen, Städte und Kreise damit beschäftigen. Im Juni 2019 wird dann die Verbandsversammlung beraten und „hoffentlich“ auch beschließen, kommentierte Maria Wagener. Dass wäre dann der Startschuss zur Verwirklichung, wobei in Moers eingeräumt wurde, dass man zumindest derzeit nicht sagen könne, wann der Plan auch Realität sein wird.

Ein Hindernis sind dabei durchaus die Kosten. Als ein Maßstab mag dabei der Streckenkilometer für den Radschnellweg Ruhr dienen: Dort hat der Kilometer 1,84 Millionen Euro gekostet. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass hier eine Vielzahl von Brücken neu gebaut oder aufwendig saniert werden mussten. Die einfache Strecke ist bedeutend billiger zu haben.

(Niederrhein Verlag GmbH)
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