NRW-Innenminister Herbert Reul beim 43. Landhaustreff

NRW-Innenminister Herbert Reul beim 43. Landhaustreff : Entspannter Gesetzeshüter

So gut besucht wie lange nicht mehr war der 43. Duisburger Landhaustreff. Talkgast war NRW-Innenminister Herbert Reul von der CDU. Das Schimpfen übernahm Wolfgang Trepper.

Zwei schwarze Limousinen mit Blaulicht vorm Landhaus Milser, ansonsten schien Innenminister Herbert Reul ohne große Furcht angereist zu sein. Dabei hatte Manni Breuckmann, der bei Gelegenheit ja gerne mit dem SPD-Parteibuch wedelt, schon beim letzten Mal angekündigt, er werde für Reul „die Messer wetzen“. Stattdessen hatte er’s bei guter Vorbereitung belassen und zeigte sich zwischen Roastbeef und Steinbutt mit Weißwein von Andrea Pirlo als geradezu braver Stichwortgeber.

Seine Kritik an der Polizei im Missbrauchsfall Lügde habe Reul ja erstaunlich früh und scharf vorgetragen, bemerkt Breuckmann und fragt, ob er sich da nicht als „Verräter“ fühle. „Wenn Leute bei der Polizei Fehler machen, müssen sie dafür geradestehen“, so der Innenminister, der sich mit den Kollegen vor Ort „drei Stunden so richtig in den In-Clinch“ begeben habe. „Aber davon werde ich hier nichts erzählen.“

Stattdessen flachsten sie über Reul als „Kämpfer gegen die Zeitumstellung“ und seine Vorliebe für Bayer Leverkusen. Breuckmanns „Verschenken die immer noch Karten, auch wenn Bayern München kommt?“ konterte Reul mit einem dezenten Hinweis auf Schalkes letzte Saison.

Der Fußball bot auch ein gutes Stichwort, um sich beim Thema Gewalt gegen Beamte nicht zu Ressentiments hinreißen lassen. „Kommt mangelnder Respekt eher von Migranten?“ wollte Breuckmann wissen, darauf Reul: „Sie glauben gar nicht, wer alles dabei ist ...“ Es sei ein merkwürdiges Verhalten in der Gesellschaft, dass jeder immer glaube, im Recht zu sein. Stattdessen müsse die Gesellschaft sich hinter die Polizei stellen – und auch die Politik; dann wäre schon viel gewonnen.

„Jetzt gehen wir’s an“, sagte Reul zum Stichwort Clankriminalität. Es ginge dabei weder um „gegen die Ausländer“, noch darum, wie viele letztlich verhaftet würden, sondern darum klarzustellen: „Hier gilt nicht das Recht der Familie. Hier gilt das Recht des Staates.“ Auch dabei, den Clans wirtschaftlich das Wasser abzugraben, „kommen wir ganz gut voran.“

Sein Duisburger Amtsvorgänger war zwar nicht da, dafür aber Oberbürgermeister Sören Link, der sich zwischendurch beim Rauchen durchaus angetan zeigte vom Law-and-Order-Mann.

Abschließend machte Reul vor der Wahl am Sonntag noch Werbung für Europa: „Frieden, Wohlstand, Lebensqualität, Bildung ... Ich kenne kaum einen Nachteil.“ Und überließ das Schimpfen nach dem Hauptgang dem „Kulturprogramm“ mit Wolfgang Trepper, der Andrea Nahles als „Charismakloake“ bezeichnete und feststellte: „In der Politik gibt’s in Europa nur zwei Kerle: Theresa May und Angela Merkel.“ Das war vorm kulinarischen Höhepunkt, der Eistorte, ein sicherer Heimsieg mit Standing Ovations und als Zugabe einem Zitat aus Shopping Queen: „Die Hose macht überhaupt nichts für die Schuhe.“

Auch beim nächsten Mal, nach der Sommerpause, soll’s wieder ein Politiker werden: Wenn terminlich alles passt, kommt am 4. November Arnold Schwarzenegger.