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Nachhaltig entspannter Talk

Fußballmanager Andreas Rettig beim 44. Landhaustreff : „Belass es mal bei deinem Steak ...“

Keinen leichten Stand hatte FußballfunktionärAndreas Rettig als Stimme der Vernunft und Fürsprecher der Nachhaltigkeit beim 44. Landhaustreff. Am Ende war’s eine sehr runde Sache.

Rudi Völler soll ihn mal als „Schweinchen Schlau“ bezeichnet haben. „Man nennt ihn auch ’die Greta Thunberg des deutschen Fußballs’“, witzelte Manni Breuckmann über Andreas Rettig – tut man natürlich nicht, aber durchs Herrengelächter konnte sich der Moderator bestätigt fühlen: „Ich weiß doch, wie ich euch kriege.“

Und so durfte Rettig nach der ausgelösten Wachtelbrust auf Wildkräutersalat mit deliziösem Blaubeer-Balsamico-Jus erzählen, wie sie vor zwei Jahren am Millerntorstadion Bienenvölker angesiedelt haben: „Ich sah vor meinem inneren Auge schon Schwärme überm Rasen und Spielabbrüche in Serie ...“ Stattdessen wurde der nach dem Trainer benannte Ewald-Bienen-Honig zum Verkaufserfolg, der sogar der New York Times eine Erwähnung wert war. „Und nebenan entwickelt sich Fußball zum globalen Showgeschäft“, hakte Breuckmann ein, womit er zwar nicht den Lokalrivalen HSV gemeint haben konnte, aber jedenfalls mal implizit den Dreisatz St. Pauli – nachhaltig – abgehängt in den Raum stellte. „Ausgemachter Blödsinn“ ist das für Rettig, der bis Ende September Geschäftsleiter beim Kiez-Club war: „Es läuft ja keiner langsamer, nur weil wir über Nachhaltigkeit reden. Wenn wir nicht die Stimme erheben, wer macht es denn dann?“ St. Pauli jedenfalls ist der Club, der den Unterschied darstellt, „und das find’ ich großartig.“ Das Image vom „etwas anderen Club“ sei ja nicht am Marketing-Reißbrett entstanden, „da wird schon viel diskutiert“ – und am Ende kommen dann so lustige Sachen heraus wie das Weltpokalsiegerbesieger-T-Shirt oder die Aktion „Saufen für St. Pauli“, bei der Wirte für jedes Bier zehn Cent mehr nahmen. „Da ist ganz schön was bei rumgekommen.“

Dass er nicht mehr bei St. Pauli ist, hat übrigens rein private Gründe: „Eine bessere Frau finde ich nicht“, und die Gattin hat gerade ein paar andere Dinge für ihn auf dem Zettel. „Aber wirst Du noch irgendwas machen?“, wollte Breuckmann wissen, „Experte bei Sky?“ – „Danach kann man ja nichts mehr machen.“ – „Doch. In Krefeld den Russenknecht.“

In solcher Rolle freilich ist Rettig wirklich nicht vorstellbar, zumal er zur rasenden Kapitalisierung des Fußballs eine klare Meinung hat: „Wir drohen, den Fan zu verlieren.“ Dass deutsche Vereine in Europa nicht mehr konkurrenzfähig sind? „Am Ende kannst du den Wettlauf gegen internationale Oligarchen nicht gewinnen.“

Zwei Jahre hat er sich mit solch globalen Fragen als Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga rumschlagen dürfen. „Da hab ich viel gelernt. Aber beim Verband kannst du am Wochenende keine Spiele gewinnen.“

Immerhin war er beim Verband aber beim Zwangsabstieg des MSV Duisburg beteiligt: „Ich habe selten so einen unnötigen Abstieg erlebt.“ Es seien handwerkliche Fehler, nicht eingehaltene Termine gewesen. „Die viel größere Liquiditätslücke durch den Ausfall der TV-Gelder in Liga drei, die haben sie ja gepackt.“ Erstaunlich nebenbei, dass anders als sonst niemand vom MSV unter den Gästen war – zumal der Landhaustreff wegen des Lokalderbys gegen Krefeld um einen Tag nach hinten verschoben worden war.

Sei’s drum, der Hauptgang wartete, Angusfilet mit Steinpilzsauce, dazu getrüffelte Polenta und Blumenkohlröschen. „Für dich nur Blumenkohl? – Kann ich dein Steak haben?“ – „Manni, du bist gut beraten, wenn du’s bei deinem belässt.“

Vorm Bonet piemontese mit Vanillebirne schloss René Steinberg („Sarko de Funès“) noch gut zu Rettig auf, indem er untergründig vorführte, wie schwer es ist, Witze zu machen, ohne Vorurteile zu bedienen – zumal die derzeit herrschenden Macker-Typen à la Trump mit Ressentiments um sich werfen, auf die ein Komiker unmöglich noch was draufsetzen kann.

Beim nächsten Landhaustreff am 3. Februar 2020 ist TV-Koch Johann Lafer zu Gast.