Sommerlicher Badespaß eingetrübt: Multiresistente Keime im Wasser?

Sommerlicher Badespaß eingetrübt : Multiresistente Keime im Wasser?

Zahlreiche Menschen lockt das Sommerwetter an den heimischen Badesee. Doch ist ungetrübter Badespaß noch möglich? Bereits im März wurden bei Untersuchungen in niedersächsischen Badeseen multiresistente Keime nachgewiesen.

Auch in Stichproben aus der Ruhr, dem Baldeneysee und dem Kemnader See ließen sich Erreger nachweisen, gegen die die meisten Antibiotika wirkungslos sind.

Resistente Erreger und Keime gelangen aus den Ställen über Mist, Gülle, Dung und Gärresten auf die Felder und über den Regen auch in Böden und Wasser. Dass derartige Keime ein Risiko darstellen, ist unbestritten. "Doch wie gefährlich multiresistente Erreger aus der Umwelt, beispielsweise in Badegewässern, für die Gesundheit sind, ist noch weitgehend unklar", so die Grünen-Fraktion NRW und fordert sofortige Gewässerkontrollen im Sinne eines verantwortungsvollen Gesundheitsschutzes. Die schwarz-gelbe Landesregierung in NRW sieht Gewässerkontrollen auf multiresistente Keime jedoch erst ab 2019 vor und belässt es dabei, geschwächte Menschen auf das Infektionsrisiko hinzuweisen. Besonders gefährdend seien solche Erreger für Vorerkrankte, Ältere und Neugeborene.

"Auch wenn die Keime bei gesunden Menschen nicht unmittelbar eine Erkrankung auslösen, können sich diese in Wunden ausbreiten, sich im Darm ansiedeln und zu einem späteren Zeitpunkt eine Infektion verursachen. Darüber hinaus bleibt das Risiko, die Keime weiterzutragen und geschwächte Personen, beispielsweise in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, in Lebensgefahr zu bringen", so die Grünen-Fraktion NRW in einem Positionspapier und führt dramatische Zahlen an: "Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums zufolge sterben in Deutschland jährlich 15.000 Menschen an Erkrankungen durch multiresistente Keime, die Europäische Arzneimittelbehörde schätzt die Zahl der Todesfälle sogar auf 25.000 jährlich. Experten des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Charité gehen davon aus, dass bereits in wenigen Jahren mehr Menschen an multiresistenten Keimen sterben werden als an Krebs."

Stadt-Panorama empfiehlt: Immungeschwächte oder Menschen mit offenen Hautwunden sollten auf das Baden in Seen verzichten. Und alle anderen sollten möglichst kein Seewasser verschlucken und sich nach dem Baden gründlich abduschen.

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