Ministerin auf Kollisionskurs?

Ministerin auf Kollisionskurs?

Die Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka versuchte sich am Donnerstag als Binnenschifferin. Bei der Ausfahrt mit einem Containerschiff aus dem Ruhrorter Hafen, kam es fast zur Kollision. Der Vorfall ereignete sich allerdings nur als Simulation beim Besuch des Schiffer-Berufskollegs Rhein in Homberg.

Angehende Binnenschifferinnen und Binnenschiffer standen der Ministerin zur Seite, zeigten ihr den sicheren Fahrweg und diskutierten über den Einsatz von digitalen Medien in der Ausbildung. Dank einer "bedienerfreundlichen" Simulation wich das entgegenkommende Schiff glücklicherweise im letzten Moment aus, so dass es nur zu einer "Steuerbord-Steuerbord-Begegnung" kam.

Gerade in der Ausbildung zum Binnenschiffer ist der Einsatz digitaler Medien unerlässlich, sei es das Üben in computergestützten Fahrsimulatoren oder das Lernen mittels Internet. Denn die Auszubildenden kommen nur zu intensiven Wochenblöcken in das Berufskolleg, sind hier dann internatsmäßig untergebracht, und ansonsten auf den Schiffen ihrer Ausbilder im Einsatz. Das Schiffer-Berufskolleg Rhein in Homberg ist bundesweit die einzige Schule für Binnenschifffahrt, die Auszubildende für die Binnenschifffahrt in Theorie und in Praxis im Rahmen der dualen Ausbildung auf die Bedürfnisse des Berufslebens vorbereitet - und das bereits seit nunmehr 125 Jahren. Seit den Anfängen hat sich vieles verändert, nicht zuletzt durch die technische Entwicklung. Die Anforderungen an die Besatzungsmitglieder eines Binnenschiffes sind beständig komplexer geworden. Ähnlich wie das Navigationssystem im Auto haben Binnenschiffe elektronische Flusskarten und Informationssysteme. Schiffssysteme sind zudem vernetzt, zentrale Steuersysteme bei Schiffsmaschinen sind mit moderner Sensorik ausgestattet, es gibt Datenaustausch zur Schiffsidentifikation, rechnergestützte Befrachtungssysteme und vieles mehr. "Diesen Veränderungen und auch künftige Neuerungen begegnet das Schiffer-Berufskolleg Rhein mit moderner Ausbildung - in der Schule, auf dem Schiff und mittels Simulation", so Schulleiter Manfred Wieck.

Vor diesem Hintergrund wurde auch das Forschungsprojekt "SmartQu@alification" in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen und anderen Partnern initiiert, um neue Konzepte für Aus- und Weiterbildung in der Binnenschifffahrt zu erarbeiten. Es geht um lebensbegleitendes Lernen mittels digitaler Medien, die auf E-Learning-Plattform rund um die Uhr und ortsunabhängig abgerufen werden können. "Somit wird mittel- und langfristig die Qualität der Aus- als auch der Fort- und Weiterbildung gesteigert und letztlich auch die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Verkehrsträgers Binnenschifffahrt nachhaltig gestärkt", so Bundesbildungsministerin Wanka, deren Ressort das Forschungsprojekt zur Förderung auswählte und noch bis Ende des Jahres mit etwa 900.000 Euro unterstützt.

Nach der Fahrt im Simulator besuchte die Ministerin zum Abschluss dann noch das echte "Schulschiff Rhein", wo die Auszubildenden während ihrer Berufsschulblöcke untergebracht sind.

(Niederrhein Verlag GmbH)
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