Kober will Duisburg herausputzen

Kober will Duisburg herausputzen

Quasi gerade noch rechtzeitig vor seinem internationalen Höhenflug haben sich die Duisburger Philharmoniker Axel Kober als Generalmusikdirektor gesichert.

Das hat Wellen geschlagen in der Welthauptstadt der klassischen Musik: Nur mit Solisten-, aber ohne eine einzige Orchesterprobe hat Rheinopern-GMD Axel Kober an der Wiener Staatsoper Wagners kompletten „Ring“ dirigiert – mit überwältigendem Erfolg. „Der eigentliche Schatz, der hier gehoben wurde, war der Dirigent“, lautete der Tenor in der Wiener Presse.

Zu dem Zeitpunkt war schon ausgemacht, dass Axel Kober Generalmusikdirektor der Duisburger Philharmoniker werden soll; jetzt gab es auch den – einstimmigen – Ratsbeschluss dazu, so dass Kulturdezernent Thomas Krützberg die Verpflichtung „eines der renommiertesten Dirigenten Deutschlands“ vergangene Woche freudig verkündigen konnte.

Kober leitet das Orchester bereits kommissarisch seit der Saison 2017/18 und wird es als GMD für drei Jahre tun, bis einschließlich zur Spielzeit 2012/22. Außerdem ist Kober, seit Jahren auch Gastdirigent der Bayreuther Festspiele, seit 2009/10 Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein, kennt die Duisburger Philharmoniker also bestens – diese Spielzeit wird er hier mit ihnen ebenfalls Wagners Ring mit der „Götterdämmerung“ komplettieren.

Eine Saison lang gastierten aussichtsreiche Kandidaten für die vakante GMD-Stelle, trotzdem setzte sich Kober durch. „Er hat den großen Vorteil, dass er nahe bei uns ist“, so Philharmoniker-Intendant Alfred Wendel. „Wir haben anderthalb Spielzeiten tolle Dirigenten bei uns gehabt, aber den besten hatten wir sowieso schon“, sagt Wendel und berichtet: „Das Orchester freut sich.“ „Und nicht nur, weil es weiß, dass es seine Ruhe hat“, verspricht Kober. Er wird jeweils vier Philharmonische Konzerte (also acht Abende) pro Saison dirigieren, „aber ich bin ja viel öfter da“, sagt Kober, der seine Aufgabe auch als Ansprechpartner sieht. Für weitere drei Programme wird pro Spielzeit ein „Erster Gastdirigent“ verpflichtet, 2019/20 Benjamin Shwartz.

„Wenn nach so langer Zeit der Zusammenarbeit – nach zehn Jahren ist schon mal der Lack ab – dieses Vertrauen ausgesprochen wird, dann macht mich das schon stolz“, erklärte Kober. Er will sich hier vor allem als Kapellmeister profilieren und nicht als Jetset-Pultstar. „Man kann immer klarer, deutlicher artikuliert spielen“, beschreibt er die Herausforderung Finetuning. Zumal, wie Wendel ergänzt, mit der Mercatorhalle ein Konzertsaal da ist, in dem die Dynamik bis in die Extreme vom hauchzartesten Pianissimo bis zum kräftigen Forte ausgelotet werden kann. Kober strebt – nach vielen Programmen eher in Fortissimo-Richtung wie zuletzt Bruckners 7., eine größere Durchhörbarkeit an und will deshalb verstärkt Wiener Klassik aufs Programm setzen, von Mozart und Haydn bis hin zu Mendelssohn. „Orchesterputzen“ wird die Arbeit am perlend klaren Klangbild auch gerne genannt.

„Ich muss mich nicht mit einem Mahler-Zyklus profilieren“, sagt Axel Kober, freuen darf man sich trotzdem auf Mahlers 2. „Auferstehungssinfonie“, mit der sich Jonathan Darlington einst als GMD verabschiedete und die Kober noch in dieser Spielzeit im 10. Philharmonischen Konzert am 15. und 16. Mai dirigieren wird. Dann erscheint auch das Programm für die nächste Saison.

(Niederrhein Verlag GmbH)
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