Nach 30 Jahren am Sonntag letzte Messe in Rheinhausen: Klimkait geht in den Ruhestand

Nach 30 Jahren am Sonntag letzte Messe in Rheinhausen : Klimkait geht in den Ruhestand

Sieghard Klimkait verlässt die Gemeinde, aber nicht die Herzen - nach 30 Jahren geht der Pfarrer der Ev. Christuskirche Rheinhausen in den Ruhestand.

Rheinhausen. „Manche werden mich vermissen, manche wollten eigentlich von mir noch beerdigt werden. Für viele wird es eine Umstellung. Für mich natürlich auch. Ich war ja lange hier.“ Genaugenommen 32 Jahre. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern kam Pfarrer Sieghard Klimkaitmitten in der großen Krupp-Krise nach Rheinhausen und das prägte seine Arbeit. „Als Pfarrer ist man für die Menschen da, so wie sie sind und da, wo sie leben“, sagt er.Das wurde nicht von allen geteilt.So stand er bald mit seinem damaligen Kollegen kurz vor einer Abberufung, weil ihre Ideen dem damaligen Presbyterium nicht passten. Aber die Gemeinde kämpfte erfolgreich für ihre Pfarrer. „Diese Unterstützung hat mich getragen, das vergesse ich nie.“

Seit damals hat sich viel verändert. Eine große Zahl von Ehrenamtlichen bestimmt heute das Bild der Gemeinde. Jugendliche arbeiten mit Kindern und Konfirmanden, Senioren leiten Freizeiten und Gruppen, das Presbyterium schafft Freiräume für Initiativen und neue Ideen, die Hauptamtlichen verstehen sich als ein Team, das gerne zusammenarbeitet. „Ich wollte den Glauben weitergeben, durch das Studium ist meine sozialpolitische Prägung dazu gekommen.“ Passend für einen Pfarrer, der nach Rheinhausen kam, als gerade die Pläne der Krupp-Werkschließung bekannt wurden und die Demonstrationen begannen.

Seitdem hat er viele Veränderungen erlebt und begleitet. Den Bezirk Asterlagen etwa, für den er sich damals beworben hatte, gibt es nicht mehr. Demnächst steht die Fusion aller fünf Gemeinden des Verbandes an. „Ich habe bewegende Erfahrungen mit der Gemeinde gemacht, die alle Umstrukturierungen mitgetragen hat, so schmerzhaft sie auch waren. Als wir die Wahl hatten, die Asterlager Kirche oder den Kindergarten und die Jugendarbeit zu finanzieren, haben die Asterlager trotz aller Wehmut für den Kindergarten und unsere Jugendarbeit gestimmt.“

Auch seine eigenen Schwerpunkte haben sich in den Jahren verlagert. Hatte er zunächst dieJugend- und Familienarbeit geleitet, so verantwortete er im Laufe der Jahre auch Seniorenarbeit und „ichfinde aber nach wie vor spannend, was die Jugend macht.“ Übergemeindlich hat Klimkait im Kreissynodalvorstand die Geschicke des Kirchenkreises Moers mitgeleitet und zudem im Finanzausschuss darauf geachtet, wie das Geld für die sozialen Dienste der Kirche bis zur Erwachsenenbildung verwendet wird. Auf der Ebene der Landeskirche wirkte er lange Jahre im Theologieausschuss mit. Geblieben ist in all den Jahren die Grundarbeit des Pfarrers: Menschen zu begleiten, Taufeltern und Paten, Konfirmanden, Heiratende, Frauen und Männer in Lebenskrisen, Sterbende und Trauernde. „Es ist ein Privileg, dass ich Zeit hatte für die Menschen und ihre Situationen. Und es ist ein Privileg, dass ich so vielseitig tätig sein konnte. Es war die richtige Entscheidung, Pfarrer zu werden.“

Für die Gemeinde wird der Abschied schwer. Aber mit Andreas Prumbaum-Bidovsky, der ab Anfang kommenden Jahresneben Pfarrerin Anne Wellmann als Pfarrer in der Christuskirche tätig sein wird, bekommen die Gemeindeglieder einen Nachfolger, der ganz eng mit Klimkait verbunden ist: „Er war der erste Vikar, den ich ausgebildet habe.“

Am 1. Dezember um 15 Uhr wird Pfarrer Sieghard Klimkait in der Rheinhauser Christuskirche, Friedensstraße 3, in einem großen Gottesdienst offiziell verabschiedet und von Superintendent Wolfram Syben entpflichtet, wie es in der Kirche heißt.

Dann sind vielleicht Reisen angesagt, vielleicht fotografieren und möglicherweise wieder heimwerkern. „Ich habe ja das Schreinern von meinem Vater im Blut“, lacht Klimkait. „Auf jeden Fall freue ich mich, mehr Zeit für meine Enkel, meine Familie und für unsere Freunde zu haben. Der Gemeinde wünsche ich, dass sie mit soviel Wohlwollen wie bisher neue Ideen unterstützt, sei es für andere Gottesdienstformen, sei es für Projekte. Und dass weiterhin so viele Ehrenamtliche daran mitarbeiten, dass die Kirche vor Ort so einladend und lebendig bleibt, wie sie sie in den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben.“

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