Hilfe aus Marxloh in Ghana

Hilfe aus Marxloh in Ghana

Dieser Tage eröffnete das in Marxloh beheimatete Deutsche Blindenhilfswerk (DBHW) ein Wohnheim für Kinder und Jugendliche mit Seheinschränkungen in der Volta-Region im Norden von Ghana.

Bis zu vierzig Kinder haben hier die Möglichkeit, grundlegende Fähigkeiten wie Braille-Schrift und den Umgang mit dem Langstock zu erlernen, damit sie erfolgreich zur Schule gehen und einen Abschluss erlangen können. Bisher blieb ihnen diese Chance verwehrt. In Ghana werden blinde und sehbehinderte Kinder oft nicht zur Schule geschickt: Das Schulgeld wird eher für die sehenden Kinder ausgegeben, damit diese ihre Geschwister unterstützen. „Daher setzt die Arbeit unserer Partnerorganisation New Horizon Foundation of the Blind (NHFB) sehr viel grundlegender an“, erklärt Heike Maus, stellvertretende Vorsitzende des DBHW. „NHFB sucht die Kinder wortwörtlich, spricht mit den Eltern und überzeugt sie von der Notwendigkeit des Schulbesuchs.“ Dabei ist es förderlich, dass es sich bei der ghanaischen NGO um eine gemeinsame Initiative blinder und sehender Menschen handelt. „Im Gespräch mit blinden Vertretern der Organisation realisieren die Eltern, dass auch ihre Kinder ohne Sehkraft ein gutes und selbstbestimmtes Leben führen können – sofern sie gefördert und unterstützt werden“, führt Maus weiter aus. Die Kooperation zwischen dem Deutschen Blindenhilfswerk und der New Horizon Foundation of the Blind besteht seit 2013 und geht auf die Vermittlung der deutschen Botschaft in Accra zurück.

Zunächst wurde mit Unterstützung des DBHW und der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Ghana ein Förderzentrum aufgebaut und eingerichtet. In diesem Zentrum werden mit Hilfe eines Braille-Druckers die Schulaufgaben in Punktschrift ausgegeben. Die Kinder und Jugendlichen lernen darüber hinaus den Umgang mit modernen Medien, beispielsweise der Sprachausgabe beim Computer oder Vergrößerungen für sehbehinderte junge Menschen. Mit diesem Angebot erreicht der Verein Kinder und Jugendlichen, die in der Kleinstadt Ho mit 60.000 Menschen wohnen. Um auch Betroffene aus den umliegenden Dörfern erreichen zu können, wurde nun das Wohnheim gebaut, cofinanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Wichtig bei diesem Projekt war auch die Einbeziehung der Eltern. Die blinden und sehbehinderten Kinder aus dem Umland leben nur wenige Monate bis maximal zwei Jahre in dem Wohnheim, dann kehren sie in ihr Elternhaus zurück. „Sie sind auf die Unterstützung der Eltern weiter angewiesen, um ihren weiteren Weg erfolgreich gehen zu können – Wohnheim und Förderzentrum sind nur der Startschuss, die Voraussetzung, für ein späteres, selbstbestimmtes Leben.“, betont Heike Maus. Und: „Jedes blinde oder sehbehinderte Kind, das erfolgreich seinen Abschluss schafft und arbeitet, zeigt seinen Mitmenschen, dass ein Schulbesuch Sinn macht und dass blinde und sehbehinderte gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können.“

(Niederrhein Verlag GmbH)
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