Hafenbilder vom „Pedanten“

Hafenbilder vom „Pedanten“

Bis zum 29. Oktober ist im Museum der deutschen Binnenschifffahrt, Apostelstraße 84, die Ausstellung "Schiffsblicke" von Alexander Calvelli zu sehen. 70 Bilder, viele mit Motiven aus dem Duisburger Hafen, alle detailgetreu gemalt: Augenschmaus für Jedermann!

Bis zum 29. Oktober ist im Museum der deutschen Binnenschifffahrt, Apostelstraße 84, die Ausstellung "Schiffsblicke" von Alexander Calvelli zu sehen. 70 Bilder, viele mit Motiven aus dem Duisburger Hafen, alle detailgetreu gemalt: Augenschmaus für Jedermann!

"Toll, die Fotos sehen ja aus wie gemalt", dachte Museumsleiter Bernhard Weber, als er zum ersten Mal die Ausstellung von Alexander Calvelli im Binnenschifffahrtsmuseum betrat — und stellte dann fest: Es ist genau umgekehrt. Tatsächlich könnte man sagen, Alxander Calvelli ist einer der (wenigen) Maler der Gegenwart, die sich der Konkurrenz zur Fotografie stellen — die ja oft genug, mittels Photoshop und anderer Nachbearbeitungsprogramme, selbst zur Malerei wird.

"Meine Staffelei steht in Köln, aber meine Motive stehen im Ruhrgebiet" sagt Calvelli. Und überall dort, wo es Industrie noch gibt — im LVR-Industriemuseum Solingen zeigt er gerade "Eisenwelten" mit Bildern aus Hüttenwerken. Calvelli sucht bevorzugt Orte auf, an denen noch industrielle Produktion oder Industriegüterumschlag stattfindet, die aber oft schon Spuren ihres Verschwindens zeigen. Deutlich wird das an zwei Bildern, die er extra für die Ausstellung im Binnenschifffahrtsmuseum gemalt hat, der "Franz Haniel XIV" und der "Oscar Huber". Die Fotos, die als Vorlage dienten, hat er aufgenommen, als die Cargotrans-Kräne noch standen.

Der Fotorealismus entstand mit der amerikanischen Pop-Art als Abkehr von der "heiligen Abstraktion". In Deutschland wurden Bernd und Hilla Becher mit ihren dokumentarischen Fotos wichtig, erst dadurch wurde Industriekultur überhaupt erkannt und zum Begriff.

Alexander Calvelli ging nach dem Studium erstmal ins Ausland, nach Florenz und Brasilien. "Aber immer nur den Zuckerhut malen, das wird irgendwann zu Postkartenkitsch", sagt Calvelli. Zurück in Deutschland, als Stadtmaler in Leverkusen, fand er das Gegengift.

Cornelia Garwer-Schier, die Kuratorin der Ausstellung, weist darauf hin, dass Calvelli zwar gigantische Dinge malt, die Bilder aber vergleichsweise kleine Formate haben. "Man kann Kunst für Banken und Firmenzentralen machen oder was für 'normale Leute'", sagt Calvelli knapp dazu, sieht sich eher als "Pedant" denn als "Barockmaler", und die ausliegenden Preislisten bestätigen diesen menschenfreundlichen Zug seiner Kunst.

(Niederrhein Verlag GmbH)
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