Bezirksvertretung Homberg will Plange Mühlenwerke schützen: Getreidemühle wird zum Baudenkmal

Bezirksvertretung Homberg will Plange Mühlenwerke schützen: Getreidemühle wird zum Baudenkmal

Die Bezirksvertretung Homberg wird am Donnerstag darüber beschließen, die Plage-Mühlenwerke an der Königstraße 2-8 unter Denkmalschutz stellen zu lassen.

Ein Gutachten gibt Auskunft über den Umfang der Unterschutzstellung. "Die Plangemühle, vormals Mühlenbetrieb Joh. Küppers Söhne war 2015 die letzte verbliebene aktive Industrie-Getreidemühle auf Duisburger Stadtgebiet. In ihrem Baubestand lassen sich bis heute die unterschiedlichen Etappen der baulichen Entwicklung der Mühlenindustrie seit der Jahrhundertwende ablesen. Zum Umfang des Denkmals gehören die 1904/06 gebauten und erhaltenen Mühlengebäude Silo, Putzerei, Mühle und Mehlmagazin, Maschinengebäude und Comptoir, sowie das 1936/39 ergänzte Silogebäude an der Rheinfront. Zum Schutzumfang gehören die Fassaden mit ihrer das Denkmal prägenden Substanz, die bauzeitlichen Dachaufbauten sowie im Inneren das Treppenhaus der Putzerei mit den historischen Fenstern, sowie die Tragkonstruktionen im 1904 errichteten Mehlmagazin und Mühlengebäude. Des weiteren gehört die durchlaufende Flutmauer oberhalb des Leinpfads als städtebaulich erlebbare rheinseitige Begrenzung des Grundstückes zum Denkmal, welche die Ausdehnung des Areals ab 1936 darstellt. Die Villa von Peter Küppers an der Königstraße 12 von 1901 steht heute nicht mehr in Verbindung mit den Mühlenbetrieben; sie befindet sich in Privatbesitz und wird daher separat in die Denkmalliste eingetragen."

Die Denkmalwürdigkeit der Mühlenwerke wurden nach verschiedenen Kriterien geprüft, so hinsichtlich ihrer "Bedeutung für die Geschichte des Menschen". Das Gutachten kommt hier zu dem Ergebnis: "Die als Baudenkmal erkannten Gebäudeteile, einschließlich des Silos aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, belegen mit ihrem gestalterischen Kontrast — hier das detailgeprägte Fabrikschloss von 1904, dort das entsprechend des nüchternen Stils der 30er Jahre streng und rein funktional gestaltete Silo — die Entwicklung der Mühlenindustrie Deutschlands im 20. Jahrhundert."

Ein weiterer Aspekt beleuchtet die "Bedeutung für Städte und Siedlungen". "Innerhalb dieser vielfältigen Wasserfront bilden die Bauten der Plangemühle durch die aufragenden Silo- und Mühlengebäude eine prägnante Landmarke. Die später als 'Fabrikschlösser' bezeichneten, der Tudorgotik nachempfundenen Industriegebäude mit neugotischem Formenrepertoire und repräsentativen, auf Fernwirkung angelegten Dachaufbauten und Ecktürmen gehören zu den heute als bedeutsam wahrgenommenen Zeugnissen der Industrie des Deutschen Kaiserreichs; die Plangemühle überliefert hier einen für Homberg prägnanten und qualitätvollen, zudem aus nördlicher Richtung weiterhin als Einheit erlebbaren Ursprungsbestand. Die architektonische Gestaltung des Baukörpers und der Fassade des Silos in ihrer schlichten, strengen Form an dieser weithin sichtbaren Lage stellt auch ohne die verloren gegangene Aufschrift "Mehl" am Gebäude erkennbar den Gebäudetyp Getreidesilo der 30er Jahre dar und belegt somit ablesbar die Dimension der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Homberg in dieser Epoche."

Auch die "Bedeutung für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse" ist an der Plangemühle nachzuzeichnen. "Die Plangemühle, vorm. Mühlenbetrieb Joh. Küppers Söhne, kann als Ergebnis globaler Entwicklungen auf lokale Akteure in dem bereits nachhaltig durch eine globalisierte Wirtschaft geprägten ausgehenden 19. Jahrhundert gesehen werden. Modernisierungen (Windkraft-Dampf-Elektrizität) leiteten sich von technische Entwicklungen und der Forderung nach mehr Effizienz durch weltweite Konkurrenz (Import-Weizen/Zölle) ab. "Die ursprünglichen Funktionen sind in den Bauten von 1904/06 auch im Inneren ablesbar, obwohl keine Maschinen der ersten Bauphase mehr erhalten sind und sich mit den Funktionen im Laufe der Zeit auch die räumlichen Zuordnungen geändert haben."

Nicht zuletzt sei die Mühle architektur- und ortsgeschichtlich als Primärquelle für Forschungen wichtig und daher zu erhalten.

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