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Geniales Werk, umjubelte Premiere

„La Bohème“ in der Rheinoper : Herrlicher Hipster-Fiebertraum

Das war eine tolle Premiere neulich im Theater Duisburg mit Szenenapplaus und stehenden Ovationen, Bravo- und herzhaften Buhrufen – „La Bohème“ ist einfach eine zum Verrücktwerden herrliche Oper.

Flamboyant in Schale geworfene Damen und Herren, viele verschiedene Sprachen, ein großartiges Durcheinander – und das war erst das Publikum!

Auf der Bühne vollzieht sich das Geschehen, so will es das Konzept von Regisseur (und Darkwaver) Philipp Westerbarkei, als Erinnerung Rodolfos. Das ist eine ziemlich abgestandene Idee, macht aber nichts, man muss es auch nicht wissen (und nicht verstehen, dass die Kumpels sich verabschieden, aber auf der Bühne bleiben). Dass Rodolfo als Dichter Mimìs „eiskaltes Händchen“ eben nicht einfach besingt, sondern als bereits fertiges Gedicht vom Blatt abliest, passt auch so. Denn: „La Bohème“, dieses Meisterwerk des genialen Giacomo Puccini und seiner nicht minder genialen Textdichter Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, ist von vornherein schon hochironisch, ein Spiel mit den Klischees. Und in Tatjana Ivschinas Ausstattung eben ein Hipster-Fiebertraum im kühl gekachelten Rund, das im zweiten Bild mit der Pariser Postkartenstraße darüber aussieht, als hätten sich die Bohemiens in einer Metro-Station eingerichtet („Hallenbad Ruhrort“ war die Premierenfeiergästeassoziation), und das schlussendlich zur Nervenheilanstalt wird. Als Geld- wie als Todbringer ist Peter Nikolaus Kante, der beste Darsteller der Rheinoper, quasi das kalte, schwarze Herz dieser Inszenierung – die komplett mit Haussängern bestritten wird, ausnahmslos großartig: Eduardo Aladrén als Rodolfo stimmschön verzweifelt wie die herausragende Liana Aleksanyan als sterbenskranke Mimì, zu der Lavinia Dames den aufreizend oberflächlichen Gegenentwurf macht, und dann fällt noch der brillante Bariton von Bogdan Baciu mit ein und „Quando m’en vo“ ist für immer das herrlichste Stück Musik!