Fachkräfte! Straßen! Kein DOC!

Fachkräfte! Straßen! Kein DOC!

Die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer hat auf ihrer Jahrespressekonferenz Forderungen an eine künftige Landesregierung gestellt. Außerdem wurden erneut die Pläne für das Outlet Center auf dem Güterbahnhofsgelände kritisiert.

Die Konjunktur sei nach wie vor stabil, neun von zehn Unternehmen sind mit der wirtschaftlichen Lage zufrieden, stellt IHK-Präsident Burkhard Landers fest: "Grundsätzlich steht der Niederrhein gut da." Es gehe aber immer noch besser, und Probleme gibt es schon. An erster Stelle stehe bei vielen befragten Unternehmen der Fachkräftemangel. "Wir brauchen gute Leute", so Landers. Von seinem eigenen Unternehmen weiß er, dass beispielsweise Kraftfahrer knapp werden: "Weil die Bundeswehr nicht mehr ausbildet."

Mittlerweile ein "Dauerbrenner" unter den Unternehmersorgen sind die Infrastrukturprobleme: "Weil wir nicht wirklich vorwärts kommen." Die 14 Milliarden vom Bund für den Aus- und Neubau der Fernstraßen in NRW "müssen wir schnell auf die Straße bekommen", so Landers. Das Problem: "Wenn wir länger planen als bauen, machen wir was falsch." Es brauche mehr Personal, aber auch ein neues Planungsrecht. "Fürs Erneuern einer Brücke dürfen nicht die gleichen Anforderungen gelten wie für einen Neubau."

"150 Millionen Tonnen gehen pro Jahr bei Emmerich per Schiff über den Rhein, das entspricht 20.000 Lkw am Tag", für Landers ist deshalb eine Selbstverständlichkeit, dass für Häfen und Wasserstraßen mehr getan werden muss. Das steht auch in allen Parteiprogrammen, allein: Es tut sich wenig. Zu wenig. Marode Schleusen, fehlende Flächen, zu hohe Schifffahrtsgebühren sorgten dafür, dass die Schiffahrt Mengen- und Marktanteile verliert. Auch die Rheinvertiefung zwischen Duisburg und Köln sollte schnell angegangen werden. Landers: "30 Zentimeter mehr Fahrrinnentiefe bedeuten 400 Tonnen mehr Ladung pro Schiff, damit würden unsere Straßen um 20 Lkw entlastet."

Zur "kritischen Infrastruktur, genau wie Autobahnen", gehört für Landers auch der Breitbandausbau: "Die Wirtschaft braucht Glasfaser in jedem Gewerbegebiet."

All diese Forderungen der Wirtschaft am Niederrhein hat die IHK in einem Positionspapier an die Kandidaten der Landtagswahl zusammengefasst. Darüber hinaus gelten die Sorgen der hiesigen Unternehmer zum einen überregionalen Entwicklungen; IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger nennt Brexit, US-Protektionismus, Sanktionen gegen Russland und die unklare Entwicklung in der Türkei als die Faktoren, die die Exporterwartungen deutlich senken.

Auf der anderen Seite sind es lokale Entwicklungen, durch die sich Unternehmen bedroht sehen: "Die Ansiedlung von Handelsbetrieben außerhalb der Zentren", so Dietzfelbinger. Das zieht Umsätze aus Stadt- und Stadtteilzentren ab, die dort ansässigen Händler werden in ihrer Existenz bedroht. "Wir sind nicht generell gegen Outlet-Center", sagt Dietzfelbinger und nennt Bad Münstereifel als positives Beispiel. Dort wurde ein Outlet innerhalb der City gebaut. "Hier in Duisburg halten wir allerdings die Argumentation für die Ansiedlung und den gewählten Standort für falsch." Für die City seien bei der Entfernung zum Güterbahnhofsgelände keine Kundenströme zu erwarten. Und nicht nur auswärtige Kunden würden eher das DOC als die City ansteuern, sondern vermutlich auch viele Duisburger. Auch Moers und Dinslaken würden unter dem geplanten DOC leiden. Die IHK fordert deshalb: Zurück zu Norman Fosters Masterplan und auf die Güterbahnhofsfläche nur Büros und Wohnungen.

Was die umstrittenen verkaufsoffenen Sonntage angeht, plädiert Dietzfelbinger für eine Abschaffung des Anlassbezuges. Der Nachweis, dass — wie bisher vorgeschrieben — ein Stadt(teil)fest mehr Besucher anziehe als die geöffneten Geschäfte, sei nahezu unmöglich.

(Niederrhein Verlag GmbH)
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