Duisburgs rote Auszeichnung

Duisburgs rote Auszeichnung

Das Zentrum für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie zeigt in den Räumlichkeiten des Kultur- und Stadthistorischen Museums die Ausstellung "Das rote Hamborn — Politischer Widerstand in Duisburg 1933—1945".

"Das ist eine Sache, die Duisburg wirklich auszeichnet", weiß Stadtarchivar Andreas Pilger von vielen überregionalen Konferenzen und Kollegentreffen: der politische Widerstand gegen das nationalsozialistisch regierte Deutschland. Dieser Widerstand war die Sache von einigen wenigen Menschen. Es ist die Stärke der Ausstellung "Das rote Hamborn", dass sie diese Menschen in den Mittelpunkt stellt: August Kordahs, Hermann Runge und Johanna Niederhellmann von der Widerstandsgruppe der Brotfabrik Germania, Kommunisten wie Heinrich Schmitz oder Julius Adler, Adolf Graber und andere Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterpartei. "Parteiisch" ist die Ausstellung strukturiert; nach einem Prolog zur Zerschlagung der Opposition folgen Abteilungen zur SPD, KPD und SAP. Der Epilog befasst sich mit dem demokratischen Wiederaufbau nach 1945, beispielhaft hierfür Duisburgs Oberbürgermeister August Seeling.

Zwei bis heute bohrenden — und, traurig genug, schon wieder ziemlich aktuellen — Fragen geht die Ausstellung nach, wie SPD-Historiker Hartmut Pietsch sagt: Wie konnte der Nationalsozialismus die erste Demokratie Deutschlands aushebeln? Und die "Eltern- bzw. Großelternfrage": Was habt ihr dagegen getan?

Ganz praktisch, sozusagen handfest, war der Widerstand: verbotene Schriften in Fahrradschläuchen schmuggeln oder in einer im Kleiderschrank versteckten Schreibstube abtippen. Unglaublich mutig war er auch; es gab Razzien, Massenverhaftungen, Sippenhaft und jede Menge "zufällige Tote", wie Susanne Sommer, Leiterin des Stadtmuseums und mit Archivar Andreas Pilger auch des Zentrums für Erinnerungskultur, berichtet: "Es war — auch wenn es den Tatbestand der Vorbereitung des Hochverrats erfüllte — leichter, etwas zu Papier zu bringen, als dann auch zu transportieren und unter die Leute zu bringen."

"Aus der Ablehnung des Regimes wird Widerstand durch das Bekenntnis und die Bereitschaft, Konsequenzen der Haltung und Handlung zu tragen", zitiert die Ausstellung den Historiker Wolfgang Benz. Deutlich wird: Der Widerstand in Duisburg kam aus der Arbeiterklasse, Hamborn war sein Zentrum. Von hier aus bildeten sich, wenn man so will, Netzwerke tätiger Solidarität und Aufklärung. "Nicht bestelln, nicht bitten/nur mutig gestritten", steht auf einer roten Fahne: "Nie kämpft es sich schlecht/für Freiheit und Recht."

Die Ausstellung "Das rote Hamborn" ist ab dem heutigen 3. Mai bis zum 28. Januar 2018 im Kultur- und Stadthistorischen Museum, Johannes-Corputius-Platz 1, zu sehen.
Am Sonntag, 7. Mai, um 12 Uhr wird die Ausstellung offiziell eröffnet; bis 16 Uhr gibt es bei freiem Eintritt Führungen, Informationen und Gespräche.
Es gibt ein umfangreiches Rahmenprogramm zur Ausstellung: Sonntagsführungen jeweils um 15 Uhr am 28. Mai, 18. Juni, 16. Juli, sowie von September bis einschließlich Januar.
Ein Stadtrundgang durch Hamborn "Auf den Spuren des Nationalsozialismus" gibt es ab dem Rathaus Hamborn am 21. Mai, 11. Juni, 17. september und 29. Oktober, jeweils um 14 Uhr.

(Niederrhein Verlag GmbH)
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