Die Freiheit auf dem Rhein

Die Freiheit auf dem Rhein

Großer — nicht Bahnhof, sondern: Hafen für eine Urkunde. Die Mannheimer Akte, mit der vor 150 Jahren die Rheinschifffahrt geregelt wurde, ist nach Ruhrort ins Binnenschifffahrtsmuseum gebracht worden.

Sie ist das älteste noch gültige Vertragswerk Europas. Die Organisation dahinter, die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, ist die erste internationale Organisation weltweit und gleichzeitig auch die älteste noch heute bestehende.

Lang war die Liste der zu begrüßenden Gäste im Museumsrestaurant "Schiffchen", noch länger die ihrer Funktionsbezeichnungen: Achim Wehrmann, Präsident der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt und Leiter der Unterabteilung Schifffahrt im Bundesverkehrsministerium, Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels, Prof. Dr. Hiram Kümper, Universität Mannheim, Martin Staats, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt und Bruno Georges, Generalsekretär der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, Frank Wittich von der Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort (dem Verein, nicht dem "Lokal") ... "Ich glaube, alle aus Ruhrort sind da", schloss Kulturdezernent Thomas Krützberg seine Begrüßung ab. Tatsächlich standen schon draußen am Eisenbahnbassin zahlreiche Schaulustige, um zu sehen, wie aus einem Polizeiboot ein schwerer grauer Koffer übergeben wurde.

Mit tatsächlich wertvollem, vor allem bedeutenden Inhalt: der Mannheimer Akte. Die offiziell "Revidierte Rheinschiffahrtsakte" ist 150 Jahre alt. Sie wird mittlerweile bei der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt im Palais du Rhin in Straßburg aufbewahrt und kehrte zum Jubiläum nach Mannheim zurück, wo sie am vom 17. Oktober 1868 im Schloss unterzeichnet wurde. Am 1. Juli wird sie 150 Jahre in Kraft sein, damit ist sie das älteste noch gültige Vertragswerk Europas. Bis bis zum 28. April wird sie im Museum der deutschen Binnenschifffahrt in Ruhrort präsentiert, in einem verhängten und für das empfindliche Papier abgedunkelten Raum auf der Galerie der ehemaligen Herrenschwimmhalle.

Für Krützberg ist die Mannheimer Akte ein Beispiel für die positive Wirkung eines Papiers, dass im Büro entstanden ist und mit Leben gefüllt wird. "Wo die Mannheimer Akte ist, scheint die Sonne", freute sich ZKR-Präsident Achim Wehrmann nicht nur übers gute Wetter und mahnte mit einem Zitat von Martin Schulz: "Die Idee von Europa müssen wir hochhalten." Und das werde hier getan: "Der Rhein ist das Kraftzentrum für die europäische Binnenschifffahrt. Die Zentralkommission ist das Kompetenzzentrum für die europäische Binnenschifffahrt."

Welcher lange Weg hinter Baden, Bayern, Frankreich, Hessen, den Niederlanden und Preußen lag, die 1868 die Akte unterzeichneten, machte Historiker Hiram Kümper von der Uni Mannheim deutlich: "Spätestens seit dem 15. Jahrhundert streitet man darüber, wer was am Rhein darf." Die Freiheit von Zöllen, auch die Freiheit des Zugangs zum Rhein, Ideen der Aufklärung — das alles ist nach Jahrhundert in die Akte eingeflossen. Achim Wehrmann hatte ein Beispiel dafür, wie weit die Mannheimer Akte ihrer Zeit voraus war: Seit 150 Jahren ist die Schifffahrt auf dem Rhein abgabenfrei. Auf Deutschlands Flüssen und Kanälen ist sie das (mit zwei Ausnahmen) erst seit diesem Jahr.

"Das wirklich Revolutionäre ist die Idee dahinter", sagte Hiram Kümper und meinte damit die erste internationale Organisation überhaupt: die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt. Und er schloss seinen Vortrag mit einer Ermahnung, die gefälligst viele Besucher ins Binnenschifffahrtsmuseum spülen sollte: "Achtet auf eure Akten!"

Mehr über die Zentralkommission für Rheinschifffahrt erfahren Sie hier: http://www.stadt-panorama.de/ausgaben/2.349964/nicht-nur-sauber-sondern-rhineheart-aid-1.4956537

(Niederrhein Verlag GmbH)
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