: Der Hafen für Kultur und Sprache

: Der Hafen für Kultur und Sprache

Am Montagabend ist die 43. Duisburger Filmwoche mit „Hambi – Der Kampf um den Hambacher Wald“ eröffnet worden. Den Film gibt’s noch mal am Sonntag bei den „Filmen für die Stadt“. Stadt-Panorama verlost Karten.

. Auch ein Film wie gemacht für Duisburg läuft am heutigen Mittwochabend um 22.30 Uhr: „Welt an Bord“ von Eva Könnemann zeigt den einsamen Blick eines Binnenschiffers. Zu Bildern vom vorbeiziehenden Ruhrort, vom Hafen Schwelgern oder den Rheinauen philosophiert er über „einen der letzten Männerberufe der Welt“. Und die Filmemacherin an Bord gerät selbst ins Träumen ...

Davor um 20 Uhr in Katrin Schlössers „Szenen meiner Ehe“ scheint der Ehevertrag darin zu bestehen, dass die Kamera das Recht hat, immer dabei zu sein. Wahrheit oder Pflicht?

Völlig egal ist die Privatsphäre der Protagonistin in „Searching Eva“ (Samstag, 10.15 Uhr): Eva ist viel, Influencer, Model, Autorin, Feministin, Sexarbeiterin, und ist vor allem: nicht festgelegt. Sie spielt mit den Codes, stellt alles aus und sofort online – Leben als Pose, es rattern die Likes ...

„Die Tochter von ...“ dagegen wünscht sich endlich Privatsphäre, ein selbstbestimmtes Leben. Die Mutter der 19-jährigen Micaela wurde entführt, die Großmutter wurde zur Aktivistin gegen Frauenverschleppung in Argentinien. Der Film von Joakim Demmer und Verena Kuri (Donnerstag, 7. November), wirft einen scharfen Blick auf immer noch sehr patriarchale Verhältnisse.

„Wer erstickt, wo wir atmen“, lautet das Motto der 43. Duisburger Filmwoche. Wie immer ist es keine Vorgabe für die Auswahl der Filme, sondern eher eine Standortbestimmung – wortwörtlich: Wo stehen wir? Wo steht die Kamera? Und was wird üblicherweise ausgeblendet? „Wer erstickt ...“, das fragt, so erklärt es Christian Koch, „nach den blinden Flecken, die im Selbstverständlichen liegen“. Und wenn dann, in den Filmen der Filmwoche, zu sehen ist, was sonst „selbstverständlich“ nicht gezeigt wird, „dann löst das eine Art von Erschrecken aus“.

Am Sonntag: Filme für die Stadt

In permanenter Erwartung, erschreckt bzw. aus dem Hinterhalt erschossen zu werden, leben die Clanmitglieder in „Another Reality“: „Gerade isst du noch ein Eis, und dann isst du eine Kugel ...“ Hießen sie Achim statt Ahmed, sie kämen wohl leichter zurecht in der deutschen Gesellschaft. Doch der Film sucht die Nähe der fünf Großstädter wohl auch, um ihrem Gangster-Lifestyle „lustvoll auf den Leim zu gehen“.

Die Stadt sei ein überzeugter Unterstützer beider Festivals als „Umschlagplatz für Kultur und Sprache“, hatte Bürgermeister Ercan Kocalar zur Eröffnung gesagt. Er begrüße die Einladung der Filmwoche an die Duisburger, die Filmwoche zu besuchen: „Mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort als Gesprächspartner kann der Dialog während des Festivals nur gewinnen.“ Weshalb es am Sonntag im Filmforum „Filme für die Stadt“ gibt, präsentiert von der Sparkasse Duisburg: um 13.30 Uhr den viel diskutierten Eröffnungsfilm „Hambi – Der Kampf um den Hambacher Wald“, und um 15.30 Uhr „Another Reality“.

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