Vom Denkmal zum Mahnmal - die Dorfeiche in Friemersheim: Denkmale erhalten

Vom Denkmal zum Mahnmal - die Dorfeiche in Friemersheim : Denkmale erhalten

Im Nachgang des Denkmaltages in Friemersheim, bei dem Dorfrat und Architekt Arno Gollner u.a. auf die Bedeutung von Naturdenkmalen anhand des besonderen, aber nicht geschützten Baumbestandes auf dem alten Dorffriedhof an der Dorfkirche aufmerksam machte, soll an die Geschichte der alten Dorfeiche erinnert werden, die 1992 gefällt wurde und anschließend den "Rohstoff" für ein Kunstwerk lieferte und somit "weiterlebt".

Seit der Außerkraftsetzung der Baumschutzsatzung in Duisburg zu Beginn des Jahres ist ein vermehrtes Fällen von Bäumen im Stadtgebiet festzustellen. Einige wenige Bäume, die als Naturdenkmale geschützt sind, sollten jedoch von der Kettensäge verschont bleiben. Es sind meist Bäume, die besonders gewachsen und besonders alt sind, oder in der Landschaft herausragen oder ortsbildprägend sind, einen kulturgeschichtlich bedeutenden Ort zeigen oder mit einem anderen Kulturdenkmal wie Kirchen und Kapelle, Brunnen und Quellen, oder Flur- und Wegekreuz ein Ensemble bilden. Auch werden Bäume oder Baumgruppen, die in ihrem Standort eine botanisch-ökologische Besonderheit darstellen, als Denkmal ausgewiesen. Die einst denkmalgeschützte Dorfeiche in Friemersheim musste dennoch weichen - lebt aber in anderer Form als Kunstwerk weiter.

Die alte Dorfeiche in Friemersheim wurde 1992 gefällt, aber existiert als Kunstwerk weiter. Hierzu der Friemersheimer Dorfrat und Architekt Arno Gollner unter dem Titel "`Schwerer Stand´ an einem besonderen Ort": "Sie wuchs heran, als in Deutschland Friedenseichen gepflanzt wurden. Der Wurzelbereich wurde beim Deichbau 1870 überschüttet. Die Eiche stand danach genau am Fuß des alten Dorfdeiches und wurde bei starkem Rheinhochwasser überspült. Die Luftverschmutzung des Rheinhauser Hüttenwerkes von 1897—1988 und Granatsplitter der Bombardierung des Deiches und des Dorfes Friemersheim 1945 behinderten das Wachstum der Jahresringe. Fäulnis setzte ein und der Stamm begann hohl zu werden. Dennoch wurde die Eiche ein Wahrzeichen für das Dorf und Wegweiser zum Rheinufer vor der Dorfkirche, ein "Architektonischer Baum".

Der Baum störte nach Verwaltungsmeinung die öffentliche Ordnung durch Astwurf und die geplante so genannte `Deichsanierung´, ein Neubau zur Verbreiterung des Deiches. Das Naturdenkmal wurde im Duisburger Stadtrat von der Liste gestrichen. Als Nutzholz wertlos wurde die Eiche am 8. Oktober 1992 abgesägt und abgefahren. Der zu schwere Torso des Eichenstamms wurde nach Bürgerprotesten als sogenanntes `Ökologisch wertvolles Totholz´ vor dem Damm liegengelassen. Die Dorfeiche wäre ohne Wurzeln beim schweren Hochwasser 1994 beinahe weggeschwommen und wurde vom `Dorfrat Friemersheim´ als `Treibholz´ über den Deich in Sicherheit gebracht und von Klaus Simon zur Skulptur "Schwerer Stand" gestaltet.

Geschnitten mit der Kettensäge wie ein Bauholz ruht die Eiche jetzt durch ihre eigene Schwere auf drei Fundamentsteinen wie ein kleines Haus auf dem alten Dorffriedhof neben der Kirche. Mit der T-förmigen Dachform schützt sie sich vor dem Wetter, den alten Bauernhäusern gleich, eingereiht in deren Kette entlang des Rheindammes und ebenso alt wie diese. Sie bildet einen beschützten Raum unter sich auf dem alten Kirchhof, bockig und schwer in der Form und mahnend wie ein Grabmonument.
Die Lüftungskanäle im Holz erlauben Durchblicke und Ausblicke, wie Fenster, auf die Nachbarschaft, das Dorf und die Hochöfen am Rheinufer gegenüber dem Naturschutzgebiet, der Rheinaue Friemersheim. Kinder reiten auf ihr.

Wie die noch verbliebenen Bauernhäuser des Dorfes konnte die Eiche als Denkmal erhalten werden, eine architektonische Plastik, ein "Schwerer Stand" zwischen Dorfkirche und Pastorat inmitten des Denkmalbereiches Friemersheim, wo zwischen Pastorat und Kirche aus dem Friedhof eine Festwiese geworden ist und die alten Bauernhäuser vor der Kirche abgerissen wurden als es noch keinen Denkmalschutz gab." Kürzlich wurde "Schwerer Stand" übrigens grundgereinigt und erstrahlt aktuell frisch "mahnend" in der Sonne. Denkmale erhalten!

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