In Mündelheim wird gebohrt: Deich auch im Untergrund

In Mündelheim wird gebohrt : Deich auch im Untergrund

Nachdem der erste und zweite Bauabschnitt des neuen Deichs fast fertig gestellt sind, begeben sich die Wirtschaftsbetriebe nun an den dritten Abschnitt, der jedoch im Unterschied zu den ersten beiden Bauabschnitten räumlich näher an Mündelheim gebaut wird.

Dies ist nötig, um dem Rhein bei Hochwasser mehr Möglichkeiten zu geben, sich in der Landschaft auszubreiten. Das hat den Vorteil, dass dieser Abschnitt komplett von Land und Bund bezahlt wird. Zugleich gibt es aber auch den Nachteil, dass dies dazu führen könnte, dass das Grundwasser im Bereich Mündelheim steigt.

Damit dies nicht passieren wird, bekommt der Deich nicht nur einen oberirdisch sichtbaren Bereich, sondern wird bis zu zwanzig Meter tief mit einer unterirdischen Sperre versehen, die das Grund- und Drängewasser zurückhält.

Der erste kleine Teilabschnitt ist bereits auf einer Länge von rund zehn Meter erstellt. Bauingenieurin Christine Grommes erläuterte vergangene Woche das neue Verfahren, das von der Firma Bauer Spezialtiefbau entwickelt wurde. Dabei werden drei Löcher parallel in den Untergrund gebohrt, wobei das Bohrmaterial – also die Erde – im Bohrloch verbleibt. Nachdem die Erde aufgelockert ist, wird über den mittleren Bohrer eine Mischung aus Zement, Wasser und Bentonit zugeführt, die mit der Erde direkt im Bohrloch vermischt wird. Mit weiteren Bohrung, die leicht versetzt stattfinden, wird so eine Absperrung in der Tiefe erreicht, die nach Abschluss der Arbeiten eine Dichtwand bilden.

Die Bauabschnitte 1 und 2 sind inzwischen abgeschlossen. Die grüne Linie markiert den neuen Deichverlauf im dritten Bauabschnitt. Foto: vowie

Das Konzept ist dabei schon seit Jahren an anderen Stellen in der Republik im Einsatz und hat sich bewährt.

So sieht das Bohrloch aus, das von den drei Schneckenbohrern erstellt wurde. Foto: vowie

Projektleiterin Christine Grommes betonte, dass es damit möglich sei, eine gute Abdichtung zu erreichen und trotzdem die Nachteile des klassischen Dichtmauerbaus zu verhindern: „Hätten wir klassisch gebaut, hätte man den gesamten Aushub abfahren müssen. Zudem wären anschließend viele hundert Betontransporter nötig gewesen, um die Dichtwand zu erstellen.“ Nun bleibe alles an Ort und Stelle, was den Anwohnern viele Verkehrsbewegungen erspare.

Christine Grommes und Uwe Linsen erläutern das Verfahren auf der Pressekonferenz. Foto: vowie

Trotzdem bleibt die Zeit bis zur Fertigstellung des nunmehr begonnenen dritten und vor allem des vierten Bauabschnitts nicht einschätzbar. Der Vorstand der Wirtschaftsbetriebe Duisburg, Uwe Linsen, verwies dabei auf die zahlreichen alten Kampfmittel, die im Deich stecken könnten, und Christine Grommes ergänzt: „Zu Anfang des ersten Bauabschnitts, der in Düsseldorf beginnt, konnten wir nach einer Prüfung, die keine Kampfmittel erwarten ließ, den Deich mit dem Bagger gleich wegschieben und neu bauen. Je weiter wir in Richtung Krupp-Mannesmann kamen, desto häufiger wurden Kampfmittel tief im Deich gefunden.“

Die erste Probebohrung mit der ausgehärteten Masse ist schon fertig. Foto: vowie

Da man mit den nächsten beiden Abschnitten in unmittelbare Nähe zum Stahlwerk kommen wird, rechnen die Experten damit, dass jetzt noch häufiger entschärft werden muss. Zudem musste das Verfahren der Kampfmittelsuche auf Anweisung der Bezirksregierung geändert werden. Wurde zu Anfang einmal der gesamte Deich untersucht, muss nun nach Abtragung in Höhe von 1,50 Meter wieder untersucht werden. Dies geht so weiter, bis der gesamte Deich abgetragen worden ist. „Das dauert“, sind sich Christine Grommes und Uwe Linsen sicher.

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