Bernhard Weber, scheidender Leiter des Binnenschifffahrtsmuseums

Bernhard Weber im Interview : „Bewegung im Haus!“

Bernhard Weber, Direktor des Museums der deutschen Binnenschifffahrt, hört Ende des Monats auf – offiziell. Stadt-Panorama-Redakteur Thomas Warnecke sprach mit ihm über Hafen und Haniel, Ruhrort und Ruhestand.

Stadt-Panorama: Stellenneubesetzungen können in Duisburg mitunter eine Weile dauern. Auch für Dich ist noch kein Nachfolger benannt. Wie geht’s im Museum der deutschen Binnenschifffahrt weiter?

Bernhard Weber: Über meine Nachfolge müssen sich andere Gedanken machen, das ist nicht mein Job. Es ist wohl eine neue wissenschaftliche Leitung für Anfang 2020 in Aussicht gestellt. Die Fördergesellschaft arbeitet daran, dass ich bis dahin vielleicht mit ein paar Wochenstunden weitermachen kann. Dass Haniel aber noch einmal quasi eine volle Leitungsstelle finanziert, darf man nicht erwarten.

Nicht nur die Haniel-Finanzierung läuft ja aus; 2023 endet auch die Zweckbindung des umgebauten Hallenbads als Museum. Muss man sich ernsthaft Sorgen um den Fortbestand des Binnenschifffahrtsmuseums machen?

Dazu kann ich nichts sagen. Es wäre auf jeden Fall sinnvoll, wenn das Museum eine breitere Trägerschaft bekäme. Das Museum der deutschen Binnenschifffahrt kann ja nicht nur eine kommunale Aufgabe sein.

Wäre denn vorstellbar, das Museum (wieder) dem Kultur- und Stadthistorischen Museum einzugliedern?

Verwaltungstechnische Fragen, die Bearbeitung von Urlaubsanträgen und so weiter, das geht auch mit einer kommissarischen Leitung. Aber: Es braucht einen Wissenschaftler! Jede Woche bekommen wir Nachlässe, Archivalien angeboten. Die müssen erfasst und bearbeitet werden. Wir bekommen Anfragen zu bestimmten Schiffen oder Reedereien. Jetzt gerade haben wir angefangen, die großen Info-Tafeln zu erneuern, neue Texte, neue Fotos zusammenzustellen. Mit all dem können wir nicht ein Jahr pausieren. Es gibt Standards für Museen, welche Aufgaben zu erfüllen sind: Sammeln, bewahren, forschen und dokumentieren, ausstellen und vermitteln.

Ging das denn überhaupt, mit den knappen Mitteln?

Es ist ja eine attraktive Herausforderung, mit wenig Ressourcen möglichst viel zu machen. Für eigene Ausstellungen reicht’s hinten und vorne nicht, aber wir konnten die eine oder andere attraktive Wanderausstellung hier zeigen, über die Geschichte der Hanseschifffahrt oder Seenotrettung zum Beispiel. Die Dauerausstellung wurde erweitert um das Kapitel „Deutsche Flüsse — die Ströme und ihre Zuflussgebiete“, zum reichen Modellbestand kommen Schenkungen hinzu wie das Zollboot aus Emmerich, das uns anlässlich des Geburtstags des Duisburger Hauptzollamts übergeben wurde. Und dann die Flaschenpost-Ausstellung war natürlich ein Volltreffer.

Der sich auch in den Besucherzahlen niederschlug ...

Ja, 37.000 waren’s ungefähr in dem Jahr. Bis auf vorletztes Jahr waren wir eigentlich immer das besucherstärkste Museum in Duisburg. Im Moment sind die Zahlen allgemein rückläufig, was bei uns auch damit zusammenhängen könnte, dass das Museumsrestaurant „Schiffchen“ seit über zwei Jahren geschlossen ist. Gruppen buchen gerne Kombi-Angebote. Die Personenschifffahrt merkt das auch. Möglicherweise tut sich da demnächst aber was.

Was waren denn Deine persönlichen Highlights in den letzten Jahren?

Die großen Veranstaltungen wie Extraschicht oder Nikolausmarkt – wenn was los ist im Haus, dann macht’s richtig Spaß. Auch vor kurzem die Ankunft der Mannheimer Akte: Für den normalen Museumsbesucher ist das jetzt nicht so reizvoll wie die Modelle oder so, aber für die Branche war das ein Highlight. Was das für ein Aufmarsch von Prominenten war ...

Und wenn Du Dich im Museum umsiehst, was sind da Deine Highlights?

Zum Beispiel die vielen Einrichtungen, die wir zusammen mit der FH Düsseldorf realisieren konnten, wie das Suchscheinwerferprojekt am Werftmodell auf der Empore der Herrenschwimmhalle. Oder die Simulation der Meidericher Schleuse; da kann man eine Durchfahrt genau nachspielen, mit Sirenengeheul, das ist richtig lustig. Dann unbedingt die Smartphone-Führung, damit waren wir die ersten in Duisburg. Das halte ich für ein zukunftweisendes Projekt. Bewegung im Haus, darum geht’s!

Du bleibst ja Ruhrort auf jeden Fall auch durch den Hafenfestverein erhalten. Wie siehst Du da die Zukunft?

2018 war finanziell verheerend. Ums nochmal klar zu sagen: Die Feuerwerksabsage war richtig, kam aber viel zu spät. Wir müssen manche Schraube zurückdrehen, ich möchte da noch nicht konkret werden. Das Programm auf der großen Bühne wird aber grandios, obwohl wir uns das gar nicht leisten können … Es sind viele Baustellen, das wird auch im Mai noch so sein …

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