40. Duisburger Akzente: „Jeder stirbt für sich allein“

40. Duisburger Akzente : „Jeder stirbt für sich allein“

Nur in der Kunst, das machte „Madame Bovary“ mit anderem Text und anderer Melodie am Wochenende deutlich, gibt es ein geglücktes Dasein. Ansonsten beantworten die Utopien-Akzente die entscheidende Frage, wie wir leben wollen, vor allem mit: So nicht.

Als das Buch 2002 neu herausgebracht wurde, war es eine Sensation und wurde zum Bestseller — 2011 dann auch in Deutschland: „Jeder stirbt für sich allein“, Hans Falladas unmittelbar nach Kriegsende verfasster Roman nach der wahren Geschichte eines Ehepaares, das nach dem Tod des Bruders der Frau (im Roman des gemeinsamen Sohnes) im Zweiten Weltkrieg Postkarten gegen Hitler verteilte, denunziert, zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Die völlige Wirkungslosigkeit des Widerstands zweier einsamer anständiger kleiner Menschen in der Viermillionenstadt Berlin schnürt einem die Kehle und das Herz zu. Der zuständige Kommissar markiert auf einem Stadtplan jeden gemeldeten Fundort einer Postkarte, der Ring schließt sich immer enger — für die Theaterfassung des Thalia Theaters Hamburg hat Annette Kurz als (preisgekröntes) Bühnenbild den Stadtplan Berlins aus lauter Alltagsgegenständen nachgebaut. Luk Perceval hat das als großes Ensemble-Theater mit allen Stars des Thalia-Theaters inszeniert. Es wird mit zwei Pausen und insgesamt vier Stunden und 15 Minuten der längste Abend des Theatertreffens zu den „Utopien“-Akzenten, am Samstag, 30. März, um 19.30 Uhr und am Sonntag, 31. März, um 18.30 Uhr im Theater Duisburg.

Wo Utopien und Illusionen enden, dahin geht am Freitagabend, 29. März, Neville Tranters Stuffed Puppet Theatre um 19.30 Uhr in der Liebfrauenkirche: „Mathilde – Szenen aus dem Altersheim“. Und ab Montag übernimmt dann der Projektraum 47 auf der Münzstraße 47 die Rolle als Festivalzentrum mit dem Mann, der die Ruhrgebietsutopienschraube noch weiter dreht bzw. lockerer hat als alle anderen: Klaus Steffen als „Emschamane“ auf Mythenreise in „Ruhrleer“ (18 Uhr). Zugleich erprobt sich das „47“ dann als soziokulturelles Zentrum – in Duisburg haben die selbstverständlichsten Dinge oft utopischen Charakter ...

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