: „Wohnzimmer“ im Wandel

: „Wohnzimmer“ im Wandel

Es geht voran auf der Großbaustelle Kathrin-Türks-Halle. Wir durften vergangene Woche einen Blick ins Innere der ehemaligen Stadthalle werfen. Es gab tolle, sehr ungewohnte Einblicke und eine ziemlich aufgeräumte Baustelle.

. Nahezu jeder Dinslakener verbindet große persönliche Erinnerungen mit seiner Stadthalle, die ja auch gerne als „Wohnzimmer“ der Dinslakener gehandelt wurde. In meinem Fall wären das meine beiden Liveauftritte mit meiner damaligen Band 1995/96, mein flatternder Blick durch den Vorhang in Richtung bis auf den letzten Platz besetzten Zuschauerraum vor meiner Abi-Rede 1998, und die komplett bierseelige Ekstase bei der ersten Auflage der DIN-Arena zur Heim-Fußball-WM 2006.

Einiges von den Gefühlen von damals kommt hoch, als ich vergangene Woche die ersten Schritte ins Innere der Kathrin-Türks-Halle mache. Nur passen die Gefühle nicht mehr zu dem, was sich jetzt vor meinem Auge ausbreitet. Die Stadthalle ist nackt, im wahrsten Sinne des Wortes. Die seltsame Kupferfassade - nur noch in Resten da. Der typische Stadthallengeruch - auf ewig verschwunden. Der schmuddelige 70er-Jahre Charme, den diese Halle verströmte – weg. Die amtliche Plakatsammlung von Josch Springer, die leicht angeranzte Kegelbahn im Keller, das Bistro, von wo aus der Rauch durch die ganze Halle zog, die Konferenzräume mit Teppichboden, die glorreichen Backstageräume hinter der Bühne - alles perdu.

Jetzt laufen wir durch kahle Gänge, entkernte Räume, Aufzugschächte ohne Aufzüge. Die Halle hallt. Gerade der in spärliches Baulampenlicht gehüllte große Saal, der in Zukunft Platz für etwa 550 Menschen bieten wird, hat etwas Gespenstisches. Und die Baustelle wirkt herausgeputzt. Ist sie auch. „Wir haben vor dem Pressetermin ein bisschen aufräumen lassen“, gibt Walburga Wüster, Geschäftsführerin der Pro Zehnt GmbH und damit quasi Bauherrin, freimütig zu. Sie führt die kleine Pressedelegation auf einem Rundgang über die Baustelle. Und erklärt, was in den kommenden Monaten alles ansteht. Erster Schritt: Rohbauarbeiten. Denn die Halle soll um 135 Quadratmeter und einen Mehrzweckraum in Richtung Ententeich/Kutscherstube wachsen. Dafür muss ordentlich Erdreich ausgehoben werden. Um ausreichend Platz für Kran, Gewerke und Material zu haben, muss Platz geschaffen werden. „Deswegen wird der Durchgang entlang des Ententeichs für etwa vier Wochen gesperrt. Auch im Nachgang kann es zu tageweisen Sperrungen kommen, dann aber nur unter der Woche“, erklärt Walburga Wüster.

In den kommenden Monaten wird außen nicht wirklich viel von den Baustellen-Fortschritten zu sehen sein. Sobald Bodenplatte und Wände des neuen Raums fertig sind, einige Betonwände im Untergeschoss verschwunden und Leitungen gelegt sind, geht es ab September an den neuen Haupteingang inklusive Glasfassade und die Stützen.

Und dann wird auch den anderen Dinslakenern klar sein, dass die neue Kathrin-Türks-Halle nicht mehr viel mit der alten Stadthalle gemein hat. Aber trotz aller nostalgischer Schwelgerei: Das ist auch gut so.