: Seebrücke nach Dinslaken?

: Seebrücke nach Dinslaken?

Der Evangelische Kirchenkreis Dinslaken, die Diakonie Dinslaken und die Eine-Welt-Gruppe Dinslaken haben einen gemeinsamen Bürgerantrag für die Stadtrat-Sitzung am 10. Oktober eingereicht. Darin fordern sie die Stadt auf, sich offiziell zum sicheren Hafen für Flüchtlinge zu erklären und über den Verteilschlüssel hinaus im Mittelmeer in Seenot geratene Flüchtlinge aufzunehmen.

. Das unwürdige und menschenverachtende Geschachere um in Seenot geratene Flüchtlinge im Mittelmeer ist für viele Menschen nur ganz schwer zu ertragen. Dazu gehören auch die Mitarbeiter von Kirchenkreis, Diakonie und Eine-Welt-Gruppe sowie der Flüchtlingspfarrer im Ruhestand, Gerhard Greiner, die sich gemeinsam seit vielen Jahren in einer Partnerschaft zur NGO Lesvos Solidarity in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Doch angesichts der immer größer werdenden Not so vieler Menschen, die im Mittelmeer um ihr Leben kämpfen und den überfüllten Booten, die zwischen den Küstenlinien der Anrainerstatten hin und her geschoben werden, wird nun ein weiterer Schritt gegangen.

„Als Menschen schockiert uns, wie Menschen mit Menschen so umgehen, wie es gerade im Mittelmeer passiert. Wir engagieren uns schon seit vielen Jahren. Aber wir wollen nicht länger nur Feuerwehrleute sein, sondern wir müssen uns jetzt direkt an die politischen Akteure wenden“, verdeutlicht Superintendent Friedhelm Waldhausen.

Das Bündnis der engagierten Dinslakener Akteure hat gemeinsam mit dem Fachausschuss Migration und Flüchtlingsarbeit, dem Gerhard Greiner vorsitzt, eine Beschlussvorlage für den Rat der Stadt Dinslaken erarbeitet. In der wird gefordert, dass Dinslaken sich offiziell zum sicheren Hafen für Flüchtlinge erklärt und sich bereit erklärt, zusätzlich zum offiziellen Verteilungsschlüssel in Seenot geratene Flüchtlinge aufnimmt.

Wenn der Rat der Vorlage folgen würde, würde sich Dinslaken in das Bündnis von mittlerweile 86 Städten einreihen, die als sichere Häfen Druck auf Innenminister Horst Seehofer machen. Dem Bündnis gehören bereits große NRW-Städte wie Düsseldorf, Köln, Dortmund Krefeld an. Das Innenministerium ist es am Ende, das die Aufnahme von zusätzlichen Flüchtlingen durchwinken müsste. Am besten wäre es aus Bündnis-Sicht natürlich, wenn Kommunen das autark und ohne Zustimmung aus Berlin tun könnten. „Durch das Städte-Bündnis machen wir Druck auf das Innenministerium und ermutigen vielleicht andere Kommunen und Städte, es uns gleich zu tun“, hofft Waldhausen.

Gerhard Greiner betont, dass auf kommunaler Ebene die Finanzierung der zusätzlichen Aufnahmen nicht geklärt sei. Und so steht in dem Bürgerantrag auch, dass die Verwaltung die Kostenfrage klären und die notwendigen zusätzlichen Kapazitäten für die Aufnahmen bereitstellen müsse. Es gäbe also noch viel zu tun, das weiß auch Gerhard Greiner: „Aber man muss einfach irgendwie anfangen. Wir müssen probieren, Menschen zusätzlich aufzunehmen und sie in ein Asylverfahren zu bringen.“

Diakonie-Geschäftsführerin Alexandra Schwedtmann ist froh, dass sich so viele ihrer Mitarbeiter für den Antrag engagieren. „In Zeiten, in denen die Gegenseite immer besonders laut ist, ist es gar nicht einfach, durchzudringen und wahrgenommen zu werden. Unsere Aktion zeigt aber deutlich, dass wir viele sind, dass wir Gesicht und Flagge zeigen.“