: „Es fehlt wirklich an allem“

: „Es fehlt wirklich an allem“

Vergangenen Herbst war eine siebenköpfige Gruppe aus Dinslaken auf Initiative des Eine-Welt-Laden auf der griechischen Insel Lesbos zu Besuch. Es ging darum, sich ein Bild der Geflüchteten vor Ort zu machen und Kontakte zu knüpfen. Beides hat geklappt. Die Eindrücke waren verstörend und erschreckend. Das Kontaktknüpfen hat dazu geführt, dass Efi Latsoudi, die Leiterin der Organisation „Levsos Solidarity“, am Montag nach Dinslaken kommt und berichtet.

. Edith Bruckwilder vom Eine-Welt-Laden engagiert sich schon fast 30 Jahre in der Flüchtlingsarbeit. Nicht anders sieht es bei ihrem Mann aus. Gerhard Greiner ist Flüchtlingspfarrer im Ruhestand und hat ebenfalls schon viel gesehen und erlebt. Trotzdem: Die Bilder von ihrem Besuch des Flüchtlings-Hot Spots auf der griechischen Ägäis-Insel Lesbos haben sich eingebrannt.

Die so genannten „Hot Spots“, es gibt fünf davon auf den griechischen Inseln, sind von der EU durchgesetzte Registrierungszentren für die Flüchtlinge. Die Flüchtlinge in den Hot Spots haben Aufenthaltspapiere mit räumlicher Begrenzung. Sie müssen erst registriert werden, bevor später über das Asylverfahren entschieden werden kann und es eventuell weiter geht. „Das Leben der Geflüchteten dort besteht aus Warten und in endlosen Schlangen anstehen. Die Menschen, die wir getroffen haben, haben teilweise ein Jahr gewartet, um überhaupt einen Antrag auf ihr Asylverfahren stellen zu können“, erzählt Gerhard Greiner. Das bedeutet, dass die Camps aus allen Nähten platzen, dass die Bedingungen vor Ort kaum vorstellbar sind. Hygiene? Ausreichende medizinische Versorgung? Ein schützendes Dach über dem Kopf? Alles Fehlanzeige. „Die armen Menschen hausen in abgewetzten, löchrigen, alten Zelten. Und sie versinken im Schlamm, sobald Regen kommt. Auch wenn wir hier in Deutschland davon nicht mehr viel mitbekommen: Die Situation der Flüchtlinge in den Camps ist dramatisch“, berichtet Edith Bruckwilder.

Für 3100 Flüchtlinge ist das Camp auf Lesbos nahe des Dörfchens Moria angelegt. Im September 2018 mussten dort 8500 Menschen leben. Bruckwilder: „Es fehlt wirklich an allem. Zwei Ärzte müssen sich um über 8000 Menschen kümmern. Von den 3000 Kindern im Camp bekommen nur 40 einen Schulplatz.“

Die Flüchtlinge sind verzweifelt, die Helfer überfordert und die vor Ort lebenden Menschen sehen sich in ihrem Lebensraum und ihrer Lebensqualität massiv beeinträchtigt.

Für ein Stück Menschlichkeit in all diesem unmenschlichen Chaos sorgen Leute wie Efi Latsoudi, die die siebenköpfige Delegation aus Dinslaken kennen lernen durfte. Sie leitet die Nicht-Regierungs-Organisation „Levsos Solidarity“. Und sie sorgt mit ihren Mitarbeitern, Flüchtlinge und Griechen, dafür, Inseln in dem Meer aus Verzweiflung zu schaffen. Eine dieser Inseln ist das „Mosaik Center“. Das ist eine Art Volkshochschule, an der 600 bis 800 Menschen in den Genuss von Sprach- und Computerkursen, Musikunterricht und Theaterprojekten kommen. Hier gibt es auch eine Rechtsberatung in den Asylverfahren. Auch die Fabrik, in der aus den am Strand zurückgelassenen Schwimmwesten der Flüchtlinge Taschen genäht werden, ist hier untergebracht. Die Taschen verkauft Edith Bruckwilder seit dem Besuch in Griechenland auch im Eine-Welt-Laden auf der Duisburger Straße. Und sie hofft, dass sie den Verkauf auch in anderen Eine Welt Läden am Niederrhein ausgeweitet bekommt.

„Das Mosaik Center ist ein Ort, der die Begegnungen und die Menschen verändert, der die Flüchtlinge das Camp für ein paar Stunden vergessen lässt“, erzählt Superindendent Friedhelm Waldhausen, der mit seiner Frau ebenfalls zur Lesbos-Reisegruppe gehörte. „Aber“, so Waldhausen weiter, „diese Ideen brauchen Geld. Und wir sind ein reiches Land. Wir wollen schauen, was wir als Kirche da fördern können.“

Um Hilfe für Moria zu organisieren und den Dinslakenern Informationen aus erster Hand zu ermöglichen, kommt Efi Latsoudi am kommenden Montag, 13. Mai, auf Einladung des Kirchenkreises nach Dinslaken. Dinslaken ist neben Hamburg, München, Berlin, Frankfurt und Erfurt die einzige NRW-Station, in der Latsoudi Halt macht. Darauf sind Gerhard Greiner, Edith Bruckwilder und Friedhelm Waldhausen stolz. Wer mehr über den Hot-Spot auf Lesbos, die Arbeit von „Levsos Solidarity“ und die Möglichkeiten zur Hilfe erfahren will, kann am Montagabend um 19 Uhr in die Stadtkirche kommen und hören, was Efi Latsoudi zu sagen hat.

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