: Die Schüler wenden sich ab

: Die Schüler wenden sich ab

Besonders auf Facebook schlägt den Fridays for Future-Schülern mitunter eine seltsame Woge der Ignoranz und des Hasses entgegen. Wir haben mit Mirkan Alpaslan, einem der Organisatoren der Schülerdemonstrationen, gesprochen, wie man dem begegnet, was die Schüler sich von ihrem Engagement erhoffen und was man persönlich in Sachen Umweltschutz tun kann.

. Als sich die erste Woge der Verachtung und des Hasses über die Schüler ergoss, war Mirkan Alpaslan erstmal perplex und frustriert. Auch wenn ihm und seinen Mitstreitern klar war, dass es so kommen wird. „Wir waren darauf vorbereitet. Weil wir Facebook kennen. Wir haben probiert, es mit Humor zu nehmen.“ Wie ihm ging es Tausenden Schülern im ganzen Land. Denn kaum gingen die Schüler für ein so wichtiges Thema auf die Straße, kaum engagierten sie sich energisch, kamen die Heckenschützen aus ihren Büschen. Die beliebtesten Aussagen der Facebook-Trolle: „Die lassen sich von Mami mit dem SUV zur Schule bringen und gehen dann fürs Klima demonstrieren“; „Für die Umwelt demonstrieren, aber selber teure Markenklamotten tragen und ein IPhone besitzen“; „Wenn die Demos samstags wären, würde da keiner mehr hingehen.“

Mirkan Alpaslan kann nur noch müde lächeln, wenn er diese Sprüche hört. „Wenn wir samstags demonstrieren würden, würde es doch sowieso keinen interessieren. Und: Ich kenne keinen einzigen Menschen, der wirklich klimaneutral lebt. In einer globalisierten Welt ist es fast nicht möglich, nur faire Kleidung zu kaufen. Das kann man nur ändern, wenn man die Gesetzgebung ändert. Und genau da setzen wir mit unserem Protest an.“ 86 Prozent aller Emissionen würden weltweit von Industrie, Verkehr und Energieerzeugern verursacht. „Das können wir mit unserem persönlichen Verhalten nur wenig beeinflussen. Wenn ich mein Handy wegschmeiße, gibt es die Emission ja trotzdem. Wir müssen uns für klimaneutraleren Herstellungsbedingungen und für Verzicht auf Konsum, insbesondere auf den eingeschränkten Fleischkonsum, einsetzen.“ Er selber fahre privat sowieso nur Fahrrad und ÖPNV, will aber auch in Zukunft kein Auto haben. Und er hat seinen Fleischkonsum drastisch zurück gefahren.

Die Dinslakener Schüler haben auch die Klimapolitik auf kommunaler Ebene im Blick. Vergangene Woche war eine kleine Schülerdelegation bei Bürgermeister Michael Heidinger zu Gast. „Das war ein guter Auftakt. Er hat sich aufrichtig interessiert und wir haben gemerkt, dass sie sich im Rathaus bemühen, uns einzubinden.“

Im echten Leben gab es ohnehin von allen Seiten viel Zuspruch für die jungen Aktivisten. „Das hat uns bestärkt, das hat gut getan.“ Er selber nutzt Facebook privat schon lange nicht mehr. Und das hat gute Gründe. Denn die Umgangsformen und der Ton, der dort in den Diskussionen angeschlagen wird, hat nicht nur viele Jugendliche verschreckt und vertrieben. Trotzdem hat er zuletzt seinen Account aktiviert und sich in die Diskussion in einer Dinslaken-Gruppe eingeklinkt. Weit gekommen ist er dabei aber nicht. „Ich habe es mit einer sachlichen Diskussion auf Faktenbasis probiert. Nur da kommt man leider nicht weit mit. Denn viele haben sich im Internet ihre eigene Wahrheit gebastelt. Irgendwann habe ich es dann eben mit Ironie probiert“, berichtet der THG-Schüler. Wie solle man auch argumentieren und diskutieren, wenn das Gegenüber nicht glauben mag, dass es der Mensch ist, der den Klimawandel verursacht und beschleunigt hat.

Das grundsätzliche Problem hat aber auch er erkannt: Durch das starke Polarisieren und die polemischen Diskussionen wenden sich auch die letzten Schüler von Facebook ab. Und da die Fridays for future-Gegner lieber Zuhause vom Handy aus gegen die Schüler schießen, findet kein Austausch, keine Diskussion mehr statt und die Fronten verhärten sich. „Das ist einfach schade“, findet auch Mirkan Alpaslan, „denn wir freuen uns nicht nur über Zuspruch der Leute, sonder eben auch über kritische Diskussionen. Nur leider traut sich von den Kritikern keiner, mit uns die Diskussion von Angesicht zu Angesicht zu führen.“ Er selber könne die Einladung an alle Kritikern nur erneuern. „Kommen Sie gerne zu einer unseren nächsten Demonstration. Wir freuen uns auf einen fairen, faktenbasierten Austausch.“

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