1. Niederrhein

Die wichtigsten Erkenntnisse zur modernen Lebenssituation am Niederrhein

: Die wichtigsten Erkenntnisse zur modernen Lebenssituation am Niederrhein

Dass die Mieten in vielen Großstädten förmlich explodieren, ist bekannt. Die Folgen sind absehbar: Immer mehr Menschen ziehen ins Umland, etwa in überschaubare umliegende Dörfer oder Kreisstädte. Auch im Niederrhein hinterlässt diese Entwicklung Spuren: Die Zahl der Pendler steigt, während Kreisstädte dank günstiger Wohn- und Mietpreise immer attraktiver werden.

Hoher Pendelverkehr in und um Nordrhein-Westfalens Großstädte

Nicht nur zu Rush-Hour-Zeiten ist auf der A40 regelmäßig sprichwörtlich der Teufel los. Grundsätzlich ist der Pendlerverkehr entlang nordrhein-westfälischer Großstädte enorm angestiegen. Statistiken zufolge pendelt in Nordrhein-Westfalen jeder zweite Erwerbstätige in andere Gemeinden. Insgesamt würden mehr als 750.000 Erwerbstätige täglich in die Großstädte Düsseldorf, Essen oder Köln pendeln. Auch die Duisburger sind im Pendlerverkehr unterwegs: Mehr als 90.000 Menschen fahren von Duisburg in einen anderen Ort. Die Mehrzahl der Pendler – knapp 100.000 Erwerbstätige – fahren jedoch zur Arbeit aus dem Umland nach Duisburg. Da der Mietspreisspiegel in Duisburg 2019 um 3,1 Prozent erhöht wurde, dürften weiterhin viele Erwerbstätige in umliegende Dörfer und Gemeinden ziehen. Auch in und um Wesel ist der Pendlerverkehr auf ein Rekordniveau angewachsen. Mehr als 121.000 Menschen fahren berufsbedingt regelmäßig ins Umland.

Als Ursache für den „alarmierenden Trend“ sehen Experten den in den Großstädten vorherrschenden Mangel an bezahlbarem Wohnraum an. Viele Menschen können sich hohe Mieten sowie die steigenden Immobilien-Kaufpreise einfach nicht mehr leisten. Hinzu kommt, dass sich viele Banken gegen eine kurzfristige Kreditvergabe sperren, was manch wohnbedingte Investitionen im Keim erstickt. Viele Bürger gehen mittlerweile mithilfe kostenloser Kreditberatungen zur Aufnahme eines Expresskredits über. Da dieser besonders schnell ausgezahlt wird, lässt er sich für wohnraumbedingte Investitionen oder pendlerrelevante Ausgaben wie Autoreparaturen nutzen.

Insbesondere in die Metropolen Düsseldorf und Köln fahren täglich viele Berufspendler. Foto: Pixabay.com/xenostral (CC0 Creative Commons)

Zusammenhängend mit den Wohnraumengpässen in den Ballungsräumen fordern die Kommunen ein Umdenken in der Wohnungspolitik. Es sei zwingend notwendig, von öffentlicher Seite aus mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Auch im Bereich der verkehrsvernetzenden Infrastruktur seien Investitionen unverzichtbar. Gleichzeitig könnten Firmen durch flexible Arbeitszeiten oder Home-Office-Regelungen den Pendlerverkehr entlasten.

Klein- und Kreisstädte in NRW werden immer attraktiver

Durch die steigenden Kauf- und Mietpreise in den Ballungsgebieten zieht es immer mehr Menschen in Kreis-, Klein- und mittelgroße Städte. So erwächst die mittlere Kreisstadt Kamp-Lintfort zur Zuzugsstadt für Auswärtige. So sind viele der neu entstehenden Eigentumswohnungen schon lange vor ihrer Fertigstellung verkauft. Gleichzeitig erwarten die Politiker auch hier einen Engpass an bezahlbaren, sozial geförderten Wohnungen. Um zukünftigen Verknappungen entgegenzuwirken, plant die Stadtverwaltung, in den kommenden Jahren mehr als 600.000 Wohnungen entstehen zu lassen.

Gleichermaßen lassen günstige Mietpreise sowie interessante Ausflugsziele die Kreisstadt Wesel als Wohnraum immer attraktiver erscheinen. Für Familien und Paare mit mittlerem Einkommen, die ein Miet- oder Kaufobjekt suchen, ist die stabile Preislage ein Grund, umzuziehen. Nicht zuletzt sprechen ebenfalls die vielseitigen Ausgeh- und Entdeckungsmöglichkeiten für einen Wohnortwechsel Richtung Wesel. So könnten Interessierte in der Schillkasematte am Haupttor der Zitadellen das historische Erbe preußischer Soldaten erkunden. In den authentischen Räumen verdeutlichen Dokumentationen eindrucksvoll die Hintergründe zur damaligen Gefangennahme elf preußischer Offiziere. Familien indes lädt die weltoffene Stadt zum ungewöhnlichen Esel-Trekking ein. Einst zum Wahrzeichen der Stadt auserkoren, geben die Esel ihre Gelassenheit und Ruhe an die Teilnehmer weiter. Solche geführten Wanderungen finden in Wesel, aber auch in Kleve statt.

Entspannte Wohn- und Lebenssituation in Moers

Im Gegensatz zu anderen Städten am Niederrhein müssen Interessenten in und um Moers nicht mit explosivartig steigenden Mietpreisen rechnen. Vielmehr steigen die Mieten gemäß der Mietspreisspiegel vergangener Jahre moderat an. Nicht die Quadratmeterpreise als solche, sondern die Betriebskosten sind als die wahren Preistreiber auszumachen. Denn: Die Nettomietspiegel liegen selbst in guten Wohnlagen selten bei einem Quadratmeterpreis über zehn Euro. Dafür steigen die Energieabgaben, die oftmals als „zweite Miete“ angesehen werden. Auch hier rufen Experten die Politik zum Handeln auf: Gesenkte Wohnkosten sollten auf allen Ebenen möglich sein.

Abgesehen von steigenden Betriebskosten ist Moers als einzigartige Einkaufsstadt in der Region anzusehen. Inhabergeführte, individuelle Geschäfte sind in der malerischen Altstadt ebenso zu finden wie attraktive Modehausketten. Zudem schließen sich unmittelbar an die Einkaufsstraßen naturreiche Schloss- und Freizeitparks an. Diese besondere Mischung, gepaart mit einer günstigen infrastrukturellen Lage, begründet die seit Jahren konstante Wohnungsnachfrage in Moers.

Für Naturliebhaber und Radfahrer bietet ein Wohnraum in der Region Niederrhein die Möglichkeit, etliche der europaweit schönsten Wander- und Radwegnetze zu erkunden. Foto: Pixabay.com/foto-rabe (CC0 Creative Commons)

Klimawandel und sozialer Wohnraum: Steigende Innovationsbereitschaft in Kamp-Lintfort

In Punkto Innovationsbereitschaft geht Kamp-Lintfort auf vielerlei Ebenen einen anderen Weg. Unter anderem ist der Klimawandel ein großes Thema bei den Bürgerinnen und Bürgern. Anstelle allgemeine Floskeln auszusprechen, hat sich die kommunale Verwaltung längst für eine parteiübergreifende „Verpflichtungserklärung“ ausgesprochen. Das gemeinsame Ziel besteht darin, ressourcenschonend mithilfe fokussierter Umweltschutzmaßnahmen den Klimawandel aufzuhalten. Hierbei geht es im Kern darum, in der Region beispielsweise emissionsarme Mobilität voranzutreiben oder die Fernwärme auszubauen. Auch die Bürger und Bürgerinnen der Stadt werden seitens der Politiker aufgefordert, selbst einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Eine ähnliche Veränderungsbereitschaft ist in Kamp-Lintfort im Bereich Soziales Wohnen beobachtbar. So sollten angebotene Workshops etwa Geflüchteten das Wohnen in der Stadt einfacher machen. Diese in den Flüchtlingsunterkünften angebotenen Kurse beinhalten etwa Hygieneschulungen sowie praktische Anleitungen zum Einkaufen. Auf diese Weise möchte die Stadt Geflüchteten helfen, schnell einen Zugang zum eigenen Wohnen zu erfahren. Überhaupt wendet die Stadt seit Jahren hohe finanzielle Mittel auf, um von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen Perspektiven anzubieten. Gleichzeitig sieht Kamp-Lintfort auf Landesebene nach wie vor einen stetig hohen Bedarf an Fördermitteln.

Eine kombinierte Innovation aus sozialem Wohnbau und Klimaschutz treibt Kamp-Lintfort ebenfalls voran. Ein dutzend neue Wohnungen entstehen in den kommenden Jahren als öffentlich geförderte Klimaschutzsiedlungen. Ein Großteil des geschaffenen Wohnraumes entsteht hierbei aus nachhaltig geförderten Rohstoffen. Weiterhin möchte die Stadt den barrierefreien Wohnraum für integratives Wohnen nutzen. Bei den ausgearbeiteten Standards stellt die Stadt nachhaltige Energiekonzepte in den Vordergrund. Dennoch sollen alle neuen Wohnungen auf harmonische Weise bestehende Siedlungen behutsam ergänzen. Ein Ende der Bebauungspläne ist nicht in Sicht. Hunderte neu geförderte Wohnungen sollen jährlich folgen.