Die "Sheriffs" im Bezirk - Bezirkspolizisten in Homberg/Hochheide /Baerl

Bezirkspolizisten in Homberg/Hochheide /Baerl : Die "Sheriffs" im Bezirk

Der Begriff „Dorfsheriff“ klingt zwar etwas flapsig, aber die Bezirkspolizisten für Homberg, Hochheide und Baerl können ganz gut mit dieser Bezeichnung leben, wie sie bei einem Pressebesuch in ihrer Stammwache an der Viktoriastraße 8 in Homberg augenzwinkernd bestätigten.

Der Weihnachtsbaum stand bereits geschmückt im Besprechungsraum sowie Spekulatius und Kaffee auf dem Tisch. Nach kurzer Vorstellungsrunde war klar, dass man sehr erfahrenen und verdienten Polizeibeamten gegenüber saß, die viele Dienstjahre mit allen erdenklichen Situationen erlebt haben und die so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Auch wenn es für die Beamten wahrscheinlich der letzte Posten vor der Pensionierung ist, entstand gleichzeitig jedoch nicht der Eindruck, als wären sie eine amtsmüde Truppe in der „Endverwendung“. Klar sei man froh, keine Nachtdienste mehr übernehmen und in vorderster Front gefährlich eingreifen zu müssen, aber die Tätigkeiten eines Bezirkspolizisten seien so vielfältig und jeden Tag anders, als dass Langeweile aufkommen würde, wie Udo Kaminski, seit 42 Jahren Polizist, seit sieben Jahren Bezirksbeamter in Baerl, bestätigt. „Aber bald ist Schluss. In einem halben Jahr können Sie meinen Nachfolger vorstellen“, so der 62-Jährige, der dann in den verdienten Ruhestand geht.

Auf die Frage, welche Tätigkeiten das denn sind, kamen die Antworten der Kollegen ergänzend reihum: „Zum einen sind wir die Hälfte der Dienstzeit zur Überwachung und Kriminalitätsbekämpfung auf der Straße unterwegs und dort direkter Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger. Sorgen und Hinweisen gehen wir in diesem Zusammenhang gerne nach“, berichtet Andreas Lorenz, seit fünf Jahren als Bezirkspolizist in Hochheide unterwegs. Sein Kollege aus Homberg, Alfred Matschulat, ebenfalls seit fünf Jahren im Bezirk, ergänzt: „Darüber hinaus sind wir im Rahmen der Verkehrserziehung und Schulwegsicherung häufig an Schulen aktiv, aber auch bei diversen Veranstaltungen, wie Stadtfesten und Fußballspielen, sind wir in die Organisation eingebunden und halten vor Ort die Augen auf.

„Die Vollstreckung von Haftbefehlen (Geldforderungen/Haftstrafen) und Vorführungsterminen falle ebenso in den Aufgabenbereich der Bezirkspolizisten. „Das kann dann schon mal gefährlicher werden“, kommentiert Harald Arns, ebenfalls Bezirkspolizist in Hochheide, „,so dass Amtshilfe nötig wird.“ Die Kontrolle von Rückkehrverboten im Fall von häuslicher Gewalt und regelmäßige Überprüfung von Besitzern eines Waffenscheines seien zudem weitere Aufgaben, die die Bezirkspolizisten übernähmen. Zugenommen habe nach der Flüchtlingswelle 2015/16 insbesondere auch das Überprüfen von Personendaten und Aufenthaltsgenehmigungen, ergänzt Kollege Lorenz.

„Die andere Hälfte der Dienstzeit sind wir als Sachbearbeiter im Büro und mit Recherchen beschäftigt. Ein wesentlicher Unterschied zum normalen Wachdienst ist, dass man überwiegend alleine arbeitet und nicht, wie im operativen Streifendienst in der Regel, nach Dienstschluss den Schreibtisch leer hat“, berichtet der Homberger Bezirkspolizist Matschulat. Schließlich sei man auch Ansprechpartner für Jugendhilfen, Amtsgerichte und andere polizeiliche Dienststellen und eben nicht zuletzt für die Bürgerinnen und Bürger, „die uns auch telefonisch erreichen können – mit Rückrufgarantie“, vervollständigt Matschulat das Aufgabenspektrum, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass bei dringenden Anliegen oder Notfällen selbstverständlich die „110“ zu wählen sei.

Gefragt nach den Straftaten im Bezirk, ergab sich die gesamte Bandbreite. Ob Wohnungseinbrüche Diebstahl, Drogen, Sachbeschädigungen, Körperverletzungen oder Verkehrsdelikte, in jedem Stadtteil kämen diese mal mehr, mal weniger vor. Objektiv hat sich an den Fallzahlen in den vergangenen Jahren wenig geändert. „Ist man als Bürger/in aber selber von einer Straftat betroffen, wächst das subjektive Sicherheitsbedürfnis enorm. Und gerade deshalb sind wir als Bezirkspolizisten besonders gefragt, erkennbar und ansprechbar vor Ort zu sein“, betonen unisono alle Gesetzeshüter.

Vieles könne mit zuhören und durch miteinander reden (auf-) geklärt werden – vorausgesetzt man spreche dieselbe Sprache. Hier sei es mitunter schon mal schwierig, räumt man ein. Während ihrer Tätigkeit als Bezirkspolizisten haben sie jedenfalls noch nicht einmal von der Schusswaffe Gebrauch machen müssen – und das sei auch sehr gut so und soll so bleiben!

KONTAKT:

Die Bezirksbeamten sind nicht immer in ihrer Stammwache an der Viktoriastraße 8 in Homberg anzutreffen. Daher ist der telefonische Kontakt sinnvoll.

- Udo Kaminski (Baerl): 0203/280 2292

- Alfred Matschulat (Homberg): 0203/280 2291

- Andreas Lorenz (Hochheide): 0203/280 2294

- Harald Arns (Hochheide): 0203/280 2293

In dringenden Angelegenheiten und Notfällen wählen Sie aber stets die „110“.

(TV)