1. Niederrhein

Anil Tutmaz will im Model-Business durchstarten

: Ausgebremst

Eigentlich wollte Anil Tutmaz in diesem Jahr richtig durchstarten. Im vergangenem Jahr entdeckt, sollte ihm 2020 zum Durchbruch im Model-Business verhelfen. Und es ging auch gut los - bis ihm, wie vielen anderen Menschen auch, die Coronakrise einen fetten Strich durch die Rechnung machte.

2020 sollte sein Jahr werden. Und es ging ja auch alles richtig gut los. Wobei, so richtig los ging es eigentlich auch schon ein Jahr davor. 2019 wurde der heute 25-Jährige im Zug von einer Modelagentin angesprochen. Sein Stil, sein Gang, seine Figur und seine Ausstrahlung seien ihr aufgefallen. Ob er gerne Fotos mache und sich vorstellen könnte, als Model zu arbeiten, fragte sie. „Im ersten Moment“, denkt Anil gerne an die Situation im Bordrestaurant zurück, „dachte ich natürlich, dass das alles nur ein Scherz ist. Ich konnte es nicht glauben.“

Es war aber kein Scherz. Unterstützt von seinen Freunden („Die Frauen feiern das total, die Jungs sind eher zurückhaltend“), lässt der Duisburger professionelle Fotos für seine Sedcard produzieren. „Da musste ich viel Geld in die Hand nehmen, aber es hat sich gelohnt.“ Heute ist es umgekehrt, heute sprechen ihn die Fotografen an, ob sie Fotos mit ihm machen können. Denn mit seiner Setcard bewirbt er sich bei einer Hand voll Modelagenturen - und wird nach einigen Monaten unter Vertrag genommen. Es folgen Schulungen und Catwalktraining sowie die ersten Jobs. Seinem Hauptjob als Fachmann für Systemgastronom geht er weiter nach, aber er darf auch seine ersten Auftragsshootings machen - und vor allen Dingen seine ersten beiden Modenshows laufen.

Schon bei der Premiere bei der Abschlussshow der Fashion Design Schule in Düsseldorf pocht ihm das Herz bis zum Hals. Aber das war noch gar nichts im Vergleich zum Folgeauftrag: Da läuft er gemeinsam mit 200 anderen Models bei der Eröffnungsfeier des CHIO in Aachen - vor unfassbaren 40.000 Zuschauern.

„Das war von der Atmosphäre her wie in einem Fußballstadion, ich war schon sehr sehr aufgeregt“, erinnert er sich der begeisterte Fan von Fenerbahce Istanbul gerne zurück. Sein CHIO-Auftritt wird im Fernsehen übertragen, entsprechend groß ist die anschließende Resonanz bei Bekannten und bei den Agenturen. Und so nahm sein Traum, mit dem modeln richtig Geld zu verdienen, immer weiter Konturen an.

Drei weitere Agenturen, eine davon aus Istanbul, meldeten sich bei ihm. Nach einem Spot-Auftrag für die Bundeswehr und einer Fashionshow für „Pottliebe“ standen noch eine ganze Reihe an weiteren Jobs in seinem Auftragsbuch. „Es fing gerade an, richtig zu rollen. 2020 sollte mein Jahr werden.“ Wurde es aber nicht. Denn das Coronavirus hat seinen großen Traum vorerst auf Eis gelegt. Gebuchte Shows wurde abgesagt, Jobs wieder storniert. „Dieses Jahr wird vermutlich nicht mehr viel gehen. Alle Großveranstaltungen sind vorerst abgesagt und damit fallen auch die großen Modenshows ins Wasser“, macht sich Anil Tutmaz keine Illusionen. Klar, einzelne kleine Aufträge, zum Beispiel von Hochzeitsmodeläden, gibt es schon wieder, aber der ganze große Wurf wird auf sich warten lassen müssen. So furchtbar lange kann der Neudorfer aber nicht mehr warten. „So doof das klingt: Aber ich bin jetzt 25 und damit bald zu alt, um noch ganz groß durchzustarten.“

Aber bei allem Zeitdruck; den einen, ganz großen Model-Wunsch will er sich unbedingt noch erfüllen: auf der offiziellen Internetseite von Fenerbahce Istanbul im Onlineshop das aktuelle Trikot seines Lieblingsvereins präsentieren ...