„Darmgesund in Moers“ zieht Zwischenbilanz: Zahl der Vorsorgeuntersuchungen innerhalb von vier Monaten deutlich gestiegen

„Darmgesund in Moers“ zieht Zwischenbilanz : Zahl der Vorsorgeuntersuchungen innerhalb von vier Monaten deutlich gestiegen

Seit vier Monaten läuft die Kampagne „Darmgesund in Moers“. Die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen ist bereits deutlich gestiegen.

25 Events fanden bisher im Rahmen der Kampagne statt, 10.000 Zugriffe verzeichnete www.darmgesund-in-moers.de, 17.000 Flyer wurden unters Volk gebracht und 2.500 Darmgesund-Klopapierrollen wurden verteilt - „ganz Moers weiß Bescheid“, stellen Ralf H. Nennhaus, Geschäftsführer der St. Josef Krankenhaus GmbH, und Dr. Ralf Engels, Geschäftsführer Krankenhaus Bethanien, erfreut fest. Und das Gute: Die Bürgerinnen und Bürger kommen der Aufforderung „Komma zur Vorsorge“ nach: Im St. Josef Krankenhaus und im Bethanien Krankenhaus wurden seit Kampagnenstart rund 15 % mehr Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt, in der Praxis von Dr. Purrmann wurden 350 Untersuchungen mehr als sonst gemacht.

Um noch mehr Menschen zu erreichen, wird nun zusätzlich mit einem NIAG-Bus für das Wahrnehmen von Vorsorgeangeboten geworben. „Darminspektion.Jetzt.“, „Heute Kontrolle? Klar doch!“ und die Comic-Darmpolypen sind auf dem Fahrzeug zu sehen, das nicht nur in Moers sondern auch in Duisburg, Neukirchen-Vluyn, Rheinberg und Wesel eingesetzt werden soll.

Wie nötig Aufklärung zum Thema Darmkrebs ist, weiß Dr. Christoph Vogt: „Von 60.000 Darmkrebserkrankungen im Jahr wären 50.000 durch Vorsorge vermeidbar gewesen“, erklärt der Chefarzt des Zentrums Innere Medizin und Leiter des Darmzentrums im St. Josef Krankenhaus. Zwar wäre mit Einführung der Vorsorge im Jahr 2002 die Sterblichkeitsrate bei Darmkrebs bereits deutlich gesunken, aber Statistiken belegen, dass in 2017 nur jeder 5. der entsprechenden Altersgruppe eine Vorsorgeuntersuchung wahrgenommen hätte. Der Grund: Darmkrebs ist - obwohl es die zweithäufigste Krebserkrankung ist, ein Tabuthema. Scham spielt eine Rolle und die Darmspiegelung hat leider immer noch einen schlechten Ruf. „Dabei ist die Untersuchung absolut schmerzfrei“, klärt Prof. Dr. Ralf Kubitz, Chefarzt der Gastroenterologie im Krankenhaus Bethanien, auf. Es bestehe die Möglichkeit, den Patienten in einen schlafähnlichen Zustand zu versetzen, einige hätten später gar von schönen Träumen berichtet, erzählt der Mediziner über die positiven Patientenreaktionen nach einer Darmspiegelung. „Und auch ohne Sedierung ist die Untersuchung so zu gestalten, dass es nicht unangenehm wird“, fügt er hinzu.

Männer können sich ab dem 50. Lebensjahr vorsorglich einer Darmspiegelung unterziehen und ihren Stuhl auf Blut untersuchen lassen, Frauen bekommen ab 50 von der Krankenkasse zwar den Blutstuhltest bezahlt, jedoch erst ab dem 55. Lebensjahr eine Spiegelung. „Das liegt daran, dass das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, bei Männern höher ist“, so Vogt.

Aber genau die wären die „Vorsorgemuffel“, wie auch die Erfahrungen im Kampagnenalltag bisher gezeigt hätten. „Frauen kommen deutlich häufiger zu unseren Ständen. Viele wollen sich für ihre Männer informieren“, weiß Kampagnenleiter André Filipiak zu berichten.

Bei einem regulären Risiko und ohne Symptome werden die Vorsorgeuntersuchungen alle zehn Jahre von der Krankenkasse übernommen. Wer allerdings familiär vorbelastet ist, hat schon vorher Anspruch: „Wenn bei dem Vater mit 50 Darmkrebs diagnostiziert wurde, haben Sie bereits mit 40 das Recht auf eine Darmspiegelung“, so Dr. Hans-Reiner Zachert, Chefarzt der Gastroenterologie des Bethanien, der bei den Risikofaktoren zwischen harten und weichen Fakten unterscheidet: „Die Erbanlage und bestimmte Erkrankungen wie chronische Entzündungen im Darm stehen im direkten Zusammenhang mit der Entstehung von Darmkrebs. Schwieriger wird es, einen ungesunden Lebensstil damit in Verbindung zu bringen.“ Alkohol, Zigaretten, rotes Fleisch stünden in Verdacht, Darmkrebs zu begünstigen. Obst, Gemüse und eine ballaststoffreiche Ernährung würden sich zweifelsfrei positiv auf die Darmgesundheit auswirken, aber wären natürlich keine Garantie, verschont zu bleiben.

Wurden Veränderungen der Darmschleimhaut bei einer Spiegelung festgestellt, verkürzt sich der Zeitraum zwischen den Vorsorgeuntersuchungen. Statt 10 hätte man etwa alle drei bis fünf Jahre Anspruch auf eine Darmspiegelung. „Das kommt auf die Art der Polypen an. Bei einem flach wachsenden Polypen besteht ein erhöhtes Risiko, dass er sich zum Karzinom entwickeln kann“, so Zachert.

Wer Symptome hat, hat natürlich jederzeit Anspruch auf Untersuchungen wie Darmspiegelungen und Stuhltests. „Blut ist immer ein Kennzeichen, dass was nicht stimmt. Auch Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Stuhlunregelmäßigkeiten oder ein Blähbauch gehören abgeklärt“, zählt Dr. Karen Harmsen, Leitende Oberärztin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im St. Josef, auf. In ihrer Proktologie-Sprechstunde hätte sie jedoch die Erfahrung gemacht, dass Patienten bei Blutungen eher an Hämorrhoiden als an Darmkrebs denken. Hier läge es natürlich an den Ärzten weiterhin aufzuklären.

Die Kampagne „Darmgesund in Moers“ endet im September, der Bus wird allerdings noch bis Januar 2020 im Einsatz sein.

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