Gesundheitsreport 2019 : Weniger Tote durch Lungenkrebs

Gesundheitsreport 2019 : Weniger Tote durch Lungenkrebs

Mit dem nun veröffentlichten Gesundheitsreport 2019 der AOK liegt eine umfangreiche Auswertung zur Gesundheits- und Versorgungssituation der Menschen im Kreis Wesel vor.

Männer im Kreis Wesel werden im Durchschnitt 78,2 Jahre, die Frauen hier haben eine Lebenserwartung von 82,9 Jahren. Mit diesen Daten vom Statistischen Bundesamt beginnt der Gesundheitsreport sein erstes Kapitel „Lebenserwartung und Mortalität“. Zu allen Themen wurden die Zahlen von allen 27 Kreisen oder Städten, die zum Einzugsbereich der AOK Rheinland/Hamburg gehören, erfasst und in Landkarten und Balkendiagrammen aufbereitet. „Lungenkrebs“ lässt sich so zum Beispiel deutlich als klassische Ruhrpottkrankheit zuordnen: Oberhausen (101,4) und Duisburg (91) haben die meisten Sterbefälle je 100.000 Einwohner. Im Kreis Wesel sind es „nur“ 71,3 Fälle. „Im Vorjahr waren es noch 80 Fälle. Es zeichnet sich eine positive Entwicklung ab“, ordnet Barbara Nickesen das Ergebnis ein. Die Altersentwicklung, aber auch den medizinischen Fortschritt hat die Regionaldirektorin der AOK Kreis Kleve-Kreis Wesel als entscheidende Faktoren ausgemacht. Beim Brustkrebs haben sich die Zahlen hingegen verschlechtert. Der Kreis Wesel sei mit zwei Zentren gut versorgt, stelle sich die Frage, ob Mammografieangebote nicht genutzt werden, versucht Nickesen eine Erklärung. Dabei sind gerade Früherkennungsuntersuchungen doch ein Frauending, wie im Kapitel „Prävention und Gesundheitsförderung“ nachzulesen ist: Jede 2., bei der AOK versicherte Frau nutzt die gynäkologische, aber nur jeder 10. Mann geht zur urologischen Krebsfrüherkennungsuntersuchung. Liebe Männer, da geht mehr! Und wenn wir ehrlich sind: Auch die Frauen können sich noch deutlich verbessern. Denn nur eine Mitgliedschaft im Sportverein reicht als Prävention nicht - auch wenn wir hier mit erfreulichen 274 Mitgliedschaften je 1.000 Einwohner zu den Spitzenreitern gehören.

Neben diesen Themen-Evergreens setzt der Gesundheitsreport in jedem Jahr auch neue Schwerpunkte. Dieses Mal sind’s Zahngesundheit und Sepsis.

Und das kommt dabei unter anderem raus: Nur knapp die Hälfte der Versicherten über 18 Jahre ging 2017 zur Mundgesundheitsuntersuchung, jede 5. Person hat eine Füllung erhalten und 1/3 der Sechsjährigen hat schon eine oder mehrere Füllungen. Im Vergleich liegen wir damit nicht schlecht, trotzdem sind diese Zahlen nicht gut. Eine positive Entwicklung sieht Barbara Nickesen hinsichtlich der kieferorthopädischen Behandlungen: In 2017 sind 7,5 % der Kinder und Jugendlichen von 8 bis 17 Jahren in Behandlung. Damit liegt der Kreis Wesel an Platz 6 im Ranking.

Das Thema „Im Krankenhaus erworbene Sepsis“ wird im Kapitel „Stationäre Behandlung“ aufgegriffen. 1,3 % der in einem Krankenhaus operierten Patienten erleiden eine Blutvergiftung. Hier gibt es deutlich regionale Unterschiede, da Städte mit Unikliniken, die schwierigere Operationen durchführen, auch ein höheres Risiko tragen. Der Kreis Wesel sei unauffällig, lautet das Urteil der Expertin. Dr. Volquart Stoy, der die Statistiken erstellt hat, kennt die Zahlen für die einzelnen Kliniken, bei Auffälligkeiten wird das Gespräch vor Ort gesucht, versichert er: „Es ist schwierig im Arbeitsalltag die Hygienestandards zu wahren. Hier müssen Arbeitsabläufe umgestellt werden.“

Einige andere Themen kurz zusammengefasst: 11,1 % aller Versicherten sind an Diabetes mellitus erkrankt, 3,4 % der Versicherten müssen sich aufgrund des Diabetischen Fußsyndroms einer Amputation unterziehen. Im Vergleich zu den anderen Kreisen und Städten zu viele! „Das könnte durch eine frühzeitige und intensivere Wundversorgung vermieden werden. Viele Hausärzte sind einfach überlastet. Hier muss man gemeinsam überlegen, was man tun kann“, so die AOK-Expertin.

Dabei sagt der Report an anderer Stelle, dass das Versorgungsangebot an Ärzten sehr gut sei, allerdings fußt diese Erkenntnis auf eine veralterte Bedarfsplanung der KV Nordrhein, die „dringend überarbeitet werden müsste“.

Was noch?

- Adipositas geht zurück.

- Der Krankenstand in Wesel ist recht hoch (jeder AOK-Versicherte fiel im vergangenen Jahr an gut sieben Kalendertagen allein wegen einer Erkrankung des Muskel-Skelett-Systems aus, psychische Erkrankungen liegen mit 3 Fehltagen auf Platz 2).

- Viele Krankenhausaufenthalte könnten vermieden werden, wenn die Leute entweder eher zum Arzt oder nicht mit Dingen, die auch ein Notdienst oder ein bisschen Bettruhe regeln könnte, in die Notaufnahme kommen würden.

Ach, und im Kreis Wesel herrscht eine große Impfbereitschaft: 97 % der Kinder erhalten die 1. Masernimpfung, fast 92 % die Zweite.

Diese Daten werden nun auf der Gesundheitskonferenz im Kreis Wesel präsentiert und mit Ärzteschaft sowie Politik analysiert, um gemeinsam die Gesundheits- und Versorgungssituation der Bürgerinnen und Bürger weiter zu verbessern.

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