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Appell des Pflegepersonals im Covid-Untersuchungszelt : Weniger Applaus, mehr Verständnis

Appell des Pflegepersonals im Covid-Untersuchungszelt : Weniger Applaus, mehr Verständnis

Beleidigungen, Anfeindungen, Drohungen - die Mitarbeitenden im Covid-Untersuchungszelt am Krankenhaus Bethanien brauchen ein dickes Fell. Und Ihr Verständnis.

Normalerweise läuft die Arbeit im Zelt reibungslos. 140 Patienten werden hier im Durchschnitt pro Tag abgestrichen. Die Wartezeit beträgt rund 15 Minuten. Doch es gibt auch Tage, wo Corona wieder alles auf den Kopf stellt, wo die Technik nicht mitspielt oder einfach mal ein Mensch einen Fehler macht: „Diese Tage sind ziemlich schlimm“, sagt Dr. Sorin Fisteag.

Der ärztliche Leiter des Zeltes und sein Team seien ständig bemüht, lange Wartezeiten zu vermeiden. Aber nicht alles liege in der Hand des Personals vor Ort. Um das zu verstehen, genügt ein Blick auf die Entwicklung des Zeltes:

Die Entwicklung des Zeltes

Nachdem im März immer mehr Menschen mit Corona-Symptomen zum Bethanien kommen, entscheidet sich das Krankenhaus ein Covid-Untersuchungszelt aufzustellen. „Wir wollten einen sicheren Ort schaffen, wo wir alles mit den Patienten besprechen können, und gleichzeitig vermeiden, dass sich das Virus im Krankenhaus, besonders in der Notaufnahme, ausbreiten kann“, berichtet Dr. Fisteag von den Anfängen. Innerhalb von ein paar Stunden baut die Feuerwehr Moers am 13. März daher das Zelt auf.

Es dauert nicht lange und der Kreis Wesel erklärt das Zelt zum offiziellen Abstrichzentrum des Kreises und die Patientenzahlen, die Anfang März noch bei 200 die Woche lagen, steigen stetig an.

Im Juni stabilisiert sich zunächst die Infektionslage und mit 30 bis 40 Abstrichen pro Tag können die Öffnungszeiten sogar verkürzt werden. Doch mit dem Erlass des Gesundheitsministeriums zur kostenlosen Testung von Reiserückkehrern sowie von Schul- und Kitapersonal verschärft sich die Situation wieder.

Die kostenlosen Tests der entsprechenden Personengruppen lassen sich nur über die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) abrechnen. Auf Initiative des Bethanien wird das Testzelt zum KVNO-Testzentrum. „Die Menschen wussten nicht, wohin sie sollten. Die Hausarztpraxen waren total überlastet. Wir wollten helfen“, sagt der ärztliche Leiter Dr. Fisteag.

KVNO-Testzentrum

Seit dem 29. Juli ist das KVNO-Testzentrum auf dem Gelände des Krankenhauses Bethanien im Betrieb, die inzwischen wieder verlängerten Öffnungszeiten führen dazu, dass nun 550 bis 600 Abstriche pro Woche gemacht werden. Die Regeln gibt die KVNO vor: „Abstriche dürfen z.B. nur noch mit einer Überweisung vom Hausarzt gemacht werden“, erklärt Georg Milkereit, der die pflegerische Leitung innehat. Doch nicht nur die neuen Bedingungen, sondern auch die sich ständig verändernden Verordnungen sorgen für Irritationen bei den Patient*innen. „An Tagen, an denen wir Umstellungsmaßnahmen durchführen müssen, müssen wir uns hier einige Beleidigungen anhören“, berichtet Milkereit von wenig Verständnis von dem Einzelnen, wenn es zu längeren Wartezeiten kommt. Oft werde es persönlich und - egal wie dick das Fell ist - nicht immer gelingt es, solche Anfeindungen abprallen zu lassen. „Unser Personal leistet großartige Arbeit und hat so etwas nicht verdient“, stellt sich der pflegerische Leiter vor seine Mitarbeitenden.

Erschwerte
Arbeitsbedingungen

Ein/e Mediziner/in und drei Mitarbeiter*innen vom Pflegepersonal arbeiten in schweißtreibender Schutzkleidung pro Schicht im Zelt. Das allein sind schon „keine einfachen Bedingungen“ weiß Georg Milkereit. Besonders möchte er Klara Klippstein hervorheben: „Frau Klippstein hat den Zeltbetrieb mit aufgebaut und von Beginn an viel Verantwortung übernommen. Sie steht am Empfang in vorderster Front und bekommt einiges ab. Aber sie hat ein dickes Fell und schafft es auch in Stresssituation immer freundlich zu bleiben.“

Terminvereinbarung

Anna Kuchno gehört ebenfalls zum Zeltpflegepersonal und erklärt uns den Ablauf: Zunächst müsse online unter https://www.doctolib.de/testzentrum-covid/moers ein Termin vereinbart werden. Meist gebe es bereits einen für den nächsten oder übernächsten Tag. Im Zelt angekommen würden die Daten der KVNO-Vorgaben entsprechend aufgenommen werden, eine Vorsortierung getroffen, dann gehe es zum Abstrich. „Wir haben ein Auge, auf Patienten, die bereits einen Krankheitswert haben“, so Kuchna und fügt hinzu: „Diese müssen umgehend zum Arzt.“

Wie lange das Covid-Untersuchungszelt noch benötigt werde, ist natürlich nicht absehbar. Ebenso wenig wie Corona und die sich ständig verändernden Verordnungen. Die ganze Situation bleibe einfach eine große Herausforderung, sagt Milkereit und appelliert an alle Patient*innen: „Wir verstehen, dass sie mal genervt sind, wenn es nicht so reibungslos läuft, wie es soll. Aber denken Sie dann daran, dass wir hier tagtäglich unter erschwerten Bedingungen unser Bestes geben. Wir brauchen dafür keinen Applaus, sondern einfach nur etwas mehr Verständnis.“