Roboter als Unterstützungs-Tool für Pflegekräfte: Meet und Greet mit Pepper

Roboter als Unterstützungs-Tool für Pflegekräfte : Meet und Greet mit Pepper

Er war der Star am Mittwoch im Krankenhaus Bethanien: Roboter Pepper knuddelte nicht nur kleine Patienten und große Redakteurinnen, sondern gab auch einen spannenden Einblick, wie Robotik und Digitalisierung Einzug ins Gesundheitswesen erhalten.

„Pepper, darf ich dich umarmen?“ „Ja“, sagt der Roboter, nickt nochmals bekräftigend und breitet seine Arme aus. Was im Foyer des Krankenhauses für viele „Oooooh wie süß“ und andere verliebte Laute sorgt, ist nur ein Bruchteil dessen, wozu der humanoide Roboter fähig ist.

Pepper kommt ursprünglich aus Frankreich und wurde vor drei Jahren von der Firma ShowBotiXX nach Deutschland geholt. Rainer Becker, Experte für Roboterplattformen, und sein Team haben „aus ihn einen Praktikanten gemacht“, der in Einrichtungen die Pflegekräfte unterstützen kann. „Er bleibt aber eine Maschine und wird nie pflegen können. Er ist ein schönes Unterstützungstool im Rahmen der Digitalisierungsdebatte“, macht Becker direkt schon zu Beginn klar.

Das hoch entwickelte Maschinenwesen sei in der Lage Stimmungen und Emotionen wie Glück, Trauer, Überraschung und Wut zu beobachten und entsprechend darauf zu reagieren und könne Personen (auch Alter und Geschlecht) und Situationen erkennen. Da das Internet im Krankenhaus (nein, es liegt nicht am Bethanien, sondern an Deutschland) zu schwach und das Thema Datenschutz zu groß ist, sind diese Funktionen bei der öffentlichen Präsentation jedoch leider nicht verfügbar gewesen. Doch, was wir geboten bekommen, ist auch schon beeindruckend: Pepper verfolgt die Gesprächsrunde mit seinen großen Augen, nickt als Becker erzählt, dass der kleine Roboter keine Arbeitsplätze wegnehme, tanzt für uns, erzählt Märchen, spielt Saxophon und ärgert sich, als er beim Memory die falsche Karte aufdeckt. Und dabei sieht er auch einfach putzig aus. Nicht ohne Grund: „Ja hier wird das Kindchenschema bedient“, so der Experte, „Große Augen, runde Formen, nur 1,20 groß, dann das unschuldige Weiß - er hat nichts Bedrohliches an sich. Seine Hände kann er zwar nicht richtig benutzen, aber sie schaffen Akzeptanz und Sympathie.“ Die Steuerung ist sowohl über das an der Brust angebrachte Tablet möglich als auch per Spracherkennung (Pepper kann bis zu 136 Sprachen). Dass man mit ihm reden könnte, hätte seiner 86-jährige dementiell veränderte Schwiegermutter kürzlich erst einen Skype-Call mir ihrem Sohn ermöglicht, erzählt Becker: „Sie wollte mit ihrem Sohn sprechen, Pepper hörte das und stellte die Verbindung über Skype her. Nach dem Gespräch fragte mich meine Schwiegermutter ganz begeistert, was sie getan hätte und fand es großartig, dass das mit diesem Internet so einfach wäre.“

„Die Sprache, die Navigation und die Emotionsarbeit sollen unabhängig von den Szenarien aber noch verbessert werden“, erklärt Programmierer Matthias Hofmann. Hierzu wird eng mit den 63 Altenpflegeeinrichtungen und 15 Kliniken zusammengearbeitet, in denen Pepper schon im Einsatz ist. Psychosoziale Betreuung ist eines seiner Spezialgebiete, er fragt nach dem Befinden und regt Diskussionen in Gruppen an. Einige an Demenzerkrankte Patienten würden sich lieber ihm anvertrauen als anderen Menschen, heißt es. Auch in der Nachtwache und der Unterstützung für Dokumentationsarbeiten wurde er schon eingesetzt.

Im Bethanien Krankenhaus wird Pepper jedoch (noch) nicht eingestellt. Anlass für die Stippvisite war das am gleichen Tag stattfindende Arbeitstreffen der AG Robotik in Deutschlands erstem Roboter-Restaurant „Neue Epoche“ auf der Homberger Straße in Moers. Dr. Peter Tönnies, Chefarzt der Frauenklinik, ist ebenso wie die Experten von ShowBotiXX Mitglied dieser Arbeitsgemeinschaft und hat die Verbindung hergestellt, um unrealististische Bedrohungsszenarien zu entkräften und zu zeigen, wie hilfreich solche Systeme sein können: „Wenn uns Pepper schon Dinge abnimmt, wie alltägliche Anfragen nach ’Wo finde ich...’ wäre schon viel gewonnen, weil wir uns wieder unserer originären Arbeit zuwenden könnten: Der Versorgung unserer Patienten.“

Letztlich ist das aber auch alles eine Kostenfrage: Pepper ist so teuer wie ein Kleinwagen (die Zahlen 15.000 und 20.000 Euro schweben im Raum), die laufenden Kosten betragen ab 500 Euro pro Monat aufwärts, je nachdem was er alles können soll und mit wie vielen Systemen er dazu gekoppelt werden müsste.

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