: Kein Tag ist wie der andere

: Kein Tag ist wie der andere

Wenn Dr. Gunnar Nolden morgens in die Unfallchirurgische Klinik des St. Bernhard-Hospitals in Kamp-Lintfort kommt, dann weiß er nicht immer, was ihn erwartet.

Denn er leitet den Bereich der Unfallchirurgie – und Unfälle lassen sich nun einmal nicht planen. Gemeinsam mit seinem Team, das aus drei Oberärzten, vier Assistenzärzten und rund 40 engagierten Mitarbeitern der Pflege besteht, betreut er die Verletzten. Seit 1998 gehört er zum Krankenhaus und startete als leitender Oberarzt. 2007 übernahm er die Leitung der Unfallchirurgie.

„Zuerst schaue ich mir an, welche Patienten während der Nacht in der Notaufnahme eingeliefert wurden“, berichtet er. Sein Team, das während der Nacht im Einsatz war, hat bereits eine erste Einschätzung der Verletzungen und Erkrankungen vorgenommen. „Die Versorgung von Schwerverletzten hat oberste Priorität“, erläutert Gunnar Nolden. „Denn die Therapie von lebensbedrohenden Verletzungen steht für uns an erster Stelle.“ Erst danach folgen die weiteren planbaren Behandlungen.

Gunnar Nolden arbeitet eng mit dem Leiter der Notaufnahme und Zentralambulanz, Dr. Ralf Dittmer und seinem Team, zusammen. Flexibilität und schnelle Reaktionen sind gefragt. Nicht nur beim Klinikleiter, auch bei seinen Teammitgliedern. „Nicht nur im Ablauf müssen wir flexibel sein, auch im Kopf“, weiß er. „Da müssen wir uns immer wieder an die Realität anpassen. Denn es kann ja jederzeit sein, dass wir den OP-Plan sofort völlig umstellen müssen, weil ein Schwerstverletzter eingeliefert wird.“

So haben diese akuten Operationen immer Vorrang. „Gerade das OP-Team und der OP-Koordinator müssen besonders flexibel sein, denn sie planen alle Operationen“, betont Gunnar Nolden. Wird ein Mensch mit lebensbedrohlichen Verletzungen eingeliefert, müssen die geplanten Eingriffe der Fachbereiche, die für diesen Zeitpunkt vorgesehen waren, warten.

Für Gunnar Nolden ist Lebenserhalt das Wichtigste. Gleich danach folgt für ihn die Lebensqualität. Denn er möchte den Patienten das Leben zurückgeben, das sie vorher geführt haben. Ihnen die Lebensqualität und Eigenständigkeit erhalten und dafür sorgen, dass sie keine Schmerzen mehr erleiden müssen. „Wer sich bisher selbst versorgt hat, sollte möglichst auch nach dem Unfall wieder selbstbestimmt leben können“, so das Ziel des Unfallchirurgen.

Die Klinik für Unfallchirurgie gehört zum Trauma-Netzwerk Ruhrgebiet und wurde gerade erneut als lokales Trauma-Zentrum der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie rezertifiziert. „Wir müssen sorgfältig einschätzen, wie schwer die Verletzung ist. Falls bei uns dazu keine qualifizierte Behandlung möglich ist, verlegen wir den Verletzten nach der Erstversorgung in eine entsprechende Spezialklinik“, macht Gunnar Nolden deutlich. „Gerade in der Unfallchirurgie muss man seine Grenzen kennen.“

Die Lintforter Unfallchirurgen behandeln ein breites Spektrum an unfallchirurgischen Verletzungen. Dieses reicht von der einfachen Wundversorgung einer Platzwunde, bis zur Implantation eines künstlichen Hüftgelenks bei Patienten, die gestürzt sind und sich eine Hüftgelenksfraktur zugezogen haben.

So versorgen Gunnar Nolden und sein Team Unfälle jeglicher Art. Das betrifft Verkehrsunfälle und Unfälle im privaten und Freizeitbereich. Aber auch Betriebsunfälle, die in Kamp-Lintfort und Umgebung ansässigen Unternehmen passieren, zählen dazu. Sie behandeln Knochenbrüche und Verbrennungen bis hin zu schweren inneren Verletzungen. Auch hier ist Teamarbeit gefordert, mit den Ärzten der Anästhesie und Allgemeinchirurgie. Etwa 1.200 Patienten müssen im Jahr von den Unfallchirurgen operiert werden.

„Gerade die ständige Anpassung an das, was passiert ist, ist etwas, was ich an meinem Beruf mag“, lächelt Gunnar Nolden. „Ich werde gefordert und kann den Menschen wirklich helfen.“ Patientengespräche schätzt er sehr, gern nimmt er sich dafür Zeit. „Dabei ist das Zuhören wichtig“, weiß er.

Aber er hat auch gelernt, das, was am Tag passiert ist, nach Feierabend in der Klinik zu lassen. „In meinem Beruf ist es wichtig, im Privatleben Kraft zu schöpfen“, erzählt er.

Dabei hilft ihm, dass er sich auf seine Mitarbeiter verlassen kann. Mit den meisten arbeitet er seit vielen Jahren zusammen. „Ganz besonders gilt das für meine Oberärzte, Thomas Merten, Dr. Theresia Scharfschwerdt und Dr. Eduardo Martinez. Wir sind eine kleine Truppe, in der wir uns gut verstehen“, so der Chefarzt. „Ich fühle mich hier sehr wohl und bin dankbar, dass ich diese Klinik mit auf- und ausbauen durfte.“

Gunnar Nolden engagiert sich seit einigen Jahren für die Kinder des Friedensdorfes Oberhausen und operiert mit seinem Team auch verletzte Kinder aus Kriegsgebieten.

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