Warum Strom teurer wird

Warum Strom teurer wird

Strom zu beziehen, ist teurer geworden. Das will Kurt Müller nicht stillschweigend hinnehmen. Die ENNI erklärt: Die Energiewende koste.

Das neue Angebot für den FixStrom der ENNI lässt Kurt Müller aufhorchen. Statt 6,75 Euro soll er nun monatlich einen Grundpreis von 11,76 Euro zahlen. Im Kundenzentrum hätte man ihm gesagt, dass sich dafür ja der kWh-Preis nach unten bewegt hätte. „Ja, der Arbeitspreis ist gesunken. Aber nur um rund einen Cent. Ich müsste also 6.000 kWh im Jahr verbrauchen, damit sich das ausgleicht“, empört sich der Neukirchen-Vluyner.

„Einen Ausgleich kann es hier nicht geben. Stromversorgung ist durch die Energiewende einfach teurer geworden“, hält Oliver Felthaus, Bereichsleiter Energiebeschaffung und Vertrieb bei der ENNI, dagegen.

Der Strompreis setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Die vom Staat veranlassten „Steuern, Umlagen und Abgaben“ (53,43 ), die „Netznutzung“ (20,77 ) und den Posten „Energie und Vertrieb (25,80).

Für die Preisänderung von 2018 auf 2019 ist in erster Linie der gestiegene Grundpreis für die Netznutzung verantwortlich, der sich im Gegensatz zum Vorjahr von 54,75 auf 105 Euro im Jahr beinahe verdoppelt hat. „Das liegt daran, dass unser Netz unverändert liegt und unterhalten werden muss, aber hier immer weniger Energie transportiert wird, da vermehrt auf Eigenerzeugung mittels Wind oder Sonne gesetzt wird.“ Sprich: Die Kosten für die Netznutzung bleiben gleich, müssen aber von immer weniger Nutzern gestemmt werden. „Ebenso wie bei den Steuern und Abgaben, mit denen die Energiewende über alle sozialisiert wird, geben wir diese Kosten 1:1 an den Verbraucher weiter“, erklärt Felthaus. Lediglich auf die Komponente „Energie und Vertrieb“ (Beschaffung und die Vertriebsmarge) könne das Unternehmen selbst Einfluss ausüben - und habe so auch den Arbeitspreis senken können.

Konkret: Der Arbeitspreis ist von 27,240 ct/kWh auf 25,990 ct/kWh gefallen, der Grundpreis von 85,36 Euro auf 141,48 Euro gestiegen. Der Musterkunde mit einem Verbrauch von 3.500 kWh würde statt 1038,76 Euro (2018) nun 1051,13 Euro (2019) im Jahr zahlen - – also einen Euro mehr pro Monat. „Von diesen 1051,13 Euro im Jahr bleiben uns als Unternehmen nach allen Abgaben rund 51 Euro - und davon müssen wir unter anderem noch unsere Mitarbeiter und viele Services wie Kundenzentren vor Ort bezahlen“, setzt Felthaus entgegen, dass dies auch den Unterschied zu Billiganbietern ohne lokalen Bezug ausmache. Insgesamt halte ENNI an ihrer unterdurchschnittlichen Preispolitik fest: „Mit der Erhöhung von gerade einmal einem Euro im Monat halten wir das Versprechen auch ein und sind moderat, wie ein Blick über die Stadtgrenze zeigt“, so Felthaus. Bonuszahlungen, mit denen andere Anbieter locken, hält der Vertriebsleiter für Augenwischerei: „Wir haben als Unternehmen eine Verantwortung unserer Region gegenüber und wollen treue Kunden, die nicht nach einem Jahr wechseln müssen, weil wir dann die Preise drastisch anziehen. Wir bemühen uns daher lieber unsere Tarife stabil zu halten. Aber dagegen, dass Stromversorgung teurer wird, können wir uns alle nicht wehren.“

Kurt Müller bleibt vorerst ENNI-Kunde, hätte sich diese Erklärung aber im Vorfeld gewünscht: „Dass sich der Preis erhöht hat, wurde in dem Angebot nur in einer Zeile dargestellt. So in der Art: Mal gucken, wem’s auffällt.“ Online habe er sich zwar über andere Anbieter informiert, allerdings nicht mit letzter Konsequenz: „Es ist auch ein bisschen Bequemlichkeit“, gibt Müller zu, außerdem habe die ENNI nach wie vor einen entscheidenden Vorteil: Es gibt Ansprechpartner vor Ort. Trotzdem möchte er die Erhöhung nicht einfach stillschweigend dulden und die öffentliche Diskussion anregen, denn dass die Nebenkosten inzwischen wie eine zweite Miete wären, sollte man nicht einfach hinnehmen. „Bei allen Erklärungen, wie sich der Preis zusammensetzt: Was mich interessiert ist, was ich im Endeffekt zu zahlen habe.“

(Niederrhein Verlag GmbH)
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