„Wie kommt die L4n da hin?“

„Wie kommt die L4n da hin?“

Dinslakener Bürger haben 3.845 Unterschriften gegen die Führung der Landesstraße L4n durchs Naherholungsgebiet gesammelt.

„Das kann ich mir nicht vorstellen“, dachte Irina Blaszczyk, als sie im Herbst von den Plänen erfuhr, die Landesstraße L4n durchs Naherholungsgebiet an den Tenderingsseen zu führen – und viele andere Bürger auch nicht: „Unverständnis überall“, beschreibt Blaszczyk die Reaktionen. Rund 50 Bürger hatten sich am Altweiberdonnerstag an der neuen Fußgängerbrücke über den Lohberger Entwässerungsgraben versammelt, unter ihnen auch Vertreter aus der Politik, aber vor allem Anwohner, Spaziergänger, Familien mit Kindern, Hundehalter. Sie wollten noch einmal ihr Unverständnis deutlich machen, als Irina Blaszczyk und Susanne Tackenberg dem zuständigen Planungsdezernenten Martin Tönnes vom Regionalverband Ruhr (RVR) die seit dem 24. November 2011 gesammelten Unterschriften gegen die Planung der L4n im Regionalplan Ruhr übergaben, 3.845 an der Zahl. Schon am Dienstag hatten Schülerinnen des Otto-Hahn-Gymnasiums bei Mitschülern gesammelte Unterschriften Bürgermeister Michael Heidinger übergeben. „Wir fanden es gemein, dass wir nicht auf die Erwachsenenliste durften, und haben deshalb eine Kinderliste gemacht“, berichteten Zoé Cabral Leenen und Hayoung Lee; 551 Unterschriften hatten sie zusammenbekommen.

Martin Tönnes wollte klarstellen, dass er bzw. der RVR eigentlich gar nicht die richtigen Ansprechpartner sei; die L4n sei Teil des Landesstraßenbedarfsplans von 2005, also ein Gesetz des Landes. Dieses müsse im Regionalplan dargestellt werden, aber der Regionalplan sei keine Trassenplanung im engeren Sinne.

Doch Irina Blaszczyk machte klar, dass es sehr wohl um den Regionalplan gehe: „Das Problem ist ja nicht der Bedarfsplan, sondern: Wie kommt die Straße mitten ins Naherholungsgebiet?“ Im Landesstraßenbedarfsplan nämlich sei die L4n über den Schwarzen Weg geführt. Der Regionalplan dagegen zieht die Trasse der L4n von der B8 bis zur Hünxer Straße und weiter bis zur A3. Helga Franzkowiak, für die Grünen im Kreistag Wesel, ergänzte: „Warum wurde nicht gesagt: ’Das ist Gesetz (die Planung Schwarzer Weg, d. Red.), da strichel ich das ein’? Da hat irgend jemand im Hinterzimmer was beschlossen, und das hat große Unruhe hier reingebracht.“ Zu erwarten sei ein Verkehrsaufkommen „wie auf der B 8“, demgegenüber stehe das, was hier erreicht worden sei: die verhinderte Kiesabgrabung, die neue Fußgängerbrücke, die rekultivierten Seen – ein Naherholungsgebiet für alle.

Immerhin bestätigte Tönnes die fristgerechte Abgabe am letzten Tag der Einwendungsfrist und versprach, dass sich die Verbandsversammlung „selbstverständlich mit den Einwänden auseinandersetzen“ werde.

(Niederrhein Verlag GmbH)