Der OSC ist offiziell insolvent

Der OSC ist offiziell insolvent

Seit Montagvormittag ist es offiziell: Duisburgs großer Traditionsverein OSC Rheinhausen ist nicht mehr zahlungsfähig. Fehlplanungen, Missmanagement und falsche Beratung rund um die vor zwei Jahren eröffnete Sportwelt Rheinhausen machten den Gang zum Insolvenzgericht unumgänglich.

Nun steht eine Vereinsneugründung in Kooperation mit dem Turnerbund Rheinhausen im Raum.

Nein, leicht hat es sich Bernd Haack bestimmt nicht gemacht. Ganz im Gegenteil. Bis zuletzt probierte Haack das Schlimmste zu verhindern - am Ende allerdings ohne Erfolg. Am Montagvormittag reichte er den Insolvenzantrag beim Amtsgericht ein.

Fast allen Großgläubigern hatte Haack in den vergangenen Monaten Zugeständnisse abgerungen und eine Sanierungsvereinbarung auf die Beine gestellt. Unterm Strich standen noch rund 121.000 Euro an Verbindlichkeiten. „Die hätten wir bedienen können“, so Haack. Zumal dem OSC noch ein Darlehen von rund 200.000 Euro aus dem Sportministerium in Aussicht gestellt wurde. Haack: „Das wäre zusammen mit dem Restbetrag aus dem alten Darlehen unsere Rettung gewesen“.

Aber für die Bewilligung dieses Darlehens hätte es eine positive Prognose geben müssen. Die war aber nicht darstellbar. Dafür waren die Umsatzsteuerschulden, die bei rund 115.000 Euro liegen, einfach zu groß. Das Finanzamt pfändete die Konten des Vereins, der OSC hat kein Zugriff mehr auf seine Gelder. Und spätestens damit war es dahin, das Rettungsszenario für den OSC. „Ich hege keinen Groll aufs Finanzamt. Denen waren die Hände gebunden, sie konnten uns nicht noch mehr Zeit geben“, macht Haack deutlich. „Die Fehler sind vorher gemacht worden.“

Schon mit der Eröffnung der modernen 1800 Quadratmeter großen Sportwelt im Dezember 2016 geriet der große OSC, der 19 Abteilungen und über 2800 Mitglieder beheimatet, ins Schlingern. Hier kommt der ehemalige Sportwelt-Projektleiter Hubert Mieruch ins Spiel, der im Zentrum der Kritik steht und dem mittlerweile Vollmachten und Schlüssel entzogen wurden. Kosten wurden falsch eingeschätzt und eine ziemlich unrealistische Mitgliederprognose zur Deckung der laufenden Kosten zugrunde gelegt. „Wir sind schlicht und ergreifend falsch beraten worden. Es fehlte an kaufmännischem Know-How und wir haben uns zu sehr auf Berater verlassen“, sagt Haack. Und auch der Stadt-Sport-Bund Vorsitzende, Landtagsabgeordnete und OSC-Mitglied Rainer Bischoff stößt ins selbe Horn: „Die Altschulden aus der Sportwelt sind enorm. Da wurden viele betriebswirtschaftliche Fehler gemacht.“

Mittlerweile seien die Mitgliederzahlen der Sportwelt „im tragfähigen Bereich“, so Bischoff. Aber das waren sie lange Zeit eben nicht. Laut den vorliegenden Stadt-Panorama-Informationen hätte die Sportwelt ein halbes Jahr nach der Eröffnung rund 2200 Mitglieder gebraucht. Eine Zahl, die selbst jetzt, zwei Jahre nach Eröffnung, noch bei Weitem nicht erreicht ist. Kritische Stimmen und mahnende Worte wurden seit Beginn der Planungsarbeiten zur Sportwelt in den Wind geschossen. Schon vor vier Jahren habe Haack als Vorstandsmitglied die Kasse des Vereins geprüft. „Und ich habe damals deutlich gesagt, dass die Sportwelt in der geplanten Form nicht durchführbar ist. Aber der Verein hat nun mal anders entschieden.“

Und auch die Kritik verdienter Mitglieder wie dem langjährigen OSC- Leichtathletikfunktionär und Bundesverdienstkreuzträger Richard Winkler, seit 1952 OSC-Mitglied, wurde ignoriert. „Unser Traditionsverein hat sich an einen windigen Projektentwickler verkauft. Abteilungsgelder wurden umgeleitet, damit die Finanzierungslöcher der Sportwelt notdürftig gestopft wurden. Ein Trauerspiel, das ich so in all den turbulenten Jahren beim OSC noch nie erlebt habe“, bedauert Winkler.

Was passiert nun mit dem OSC, mit seinen Abteilungen und Mitgliedern? Fakt ist wohl, dass der altehrwürdige Name OSC Rheinhausen nun endgültig von der Bildfläche verschwindet. Der langjährige Vereinsvorsitzende Jürgen Keusemann nimmt seinen Hut und zieht sich zurück. Bernd Haack kandidiert am kommenden Montag, 17. Dezember, als neuer Vorsitzender des OSC Rheinhausen bei der Delegiertenversammlung.

Falls er gewählt werden sollte, will er den OSC gemeinsam mit dem Turnerbund Rheinhausen in einen neuen Verein überführen. Haack: „Das scheint mir das einzig realistische Szenario zu sein.“ Wie der neue Verein heißen wird, wie die Satzung aussieht, und ob die Sportwelt gerettet und mit in den neuen Verein überführt werden kann - das steht alles noch in den Sternen. Jetzt ist erstmal

der Insolvenzverwalter am Zug ...

(Niederrhein Verlag GmbH)
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